https://www.faz.net/-gqe-8ps6y

Erfolg auf dem Kinomarkt : Hollywood und China - das wird was

  • Aktualisiert am

„The Great Wall“ ist für Hollywood wie für China ein wichtiger Film. Bild: Allstar/Legendary Pictures

Chinas Bedeutung auf dem Filmmarkt wächst. „The Great Wall“ und „Star Wars“ sind die jüngsten Beispiele. Es geht um Milliarden Dollar. Und um Pekings Softpower.

          3 Min.

          Der Abenteuer-Film „The Great Wall“ läutet eine neue Ära in der Kooperation zwischen China und Hollywood ein. Die 140 Millionen Dollar teure Produktion ist der erste Versuch chinesischer und amerikanischer Filmemacher, einen chinesischen Blockbuster international zu einem Erfolg zu machen.

          Umgekehrt ist das Reich der Mitte längst Hollywoods neues Eldorado und schickt sich an, bald die Vereinigten Staaten als größten Kinomarkt der Welt zu überholen. Die Kooperation der Traumfabriken wächst - ebenso die chinesische Einflussnahme.

          Auch Star Wars setzt auf China

          Chinesische Filmexperten schwärmen von „The Great Wall“ mit Matt Damon, der zum Beispiel die Hauptrollen „Jason Bourne“ und „Marsianer“ in den gleichnamigen Filmen spielte, und einem illustren chinesischen Staraufgebot als dem „Durchbruch“ für Chinas Filmindustrie. „Jetzt kann die Welt sehen, dass ein chinesischer Film auch Spitzenstars und Produzenten aus Hollywood anzieht“, sagt Liu Jun, Professor an der Pekinger Filmakademie.

          „The Great Wall“ läuft seit Donnerstag in deutschen Kinos. Von Chinas berühmtestem Regisseur Zhang Yimou („Rotes Kornfeld“, „Haus der Fliegenden Schwerter“, Hero“) atemberaubend inszeniert, stützt sich der Streifen allerdings weiter auf Hollywoods bewährte Drehbuchschreiber. Während Damon, Pedro Pascal („Game of Thrones“) und Willem Dafoe dem chinesischen Film die nötige ausländische Note geben, um Zuschauer auf der ganzen Welt anzusprechen, sind umgekehrt in amerikanischen Blockbustern immer prominenter chinesische Akteure und Schauplätze zu finden.

          Kein Hollywood-Film kann heute international ein Kassenschlager werden, ohne auch in China erfolgreich zu sein: Im neuen Star-Wars-Film „Rogue One“ spielen der chinesische Filmstar Donnie Yen als blinder Mönch sowie der bekannte Regisseur und Darsteller Jiang Wen als dessen Beschützer mit. Auch kämpfen in der Neuauflage von „Independence Day“ Amerikaner und Chinesen gemeinsam um die Rettung der Erde - mit dem chinesischen Star Yang Ying alias „Angelababy“ als hübsche Kampfpilotin.

          Versteckte Werbung

          In dem neuen Magier-Streifen „Die Unfassbaren 2“ (Now You See Me) bekommen nicht nur der taiwanesische Musiker Jay Chou und die chinesisch-britische Schauspielerin Tsai Chin („Joy Luck Club“) wichtige Rollen. Es wird auch fleißig Chinesisch gesprochen, selbst von Morgan Freeman und Mark Rufallo. Sie turnen durch Macao - ähnlich wie James Bond in „Skyfall“.

          Ob Tom Cruise in „Mission Impossible 3“ durch Shanghai rast oder die „Transformer“ durch Hongkong poltern, immer hat Hollywood das chinesische Publikum im Blick. Dreist wird mit Produkt-Platzierung versteckt Werbung für chinesische Milch oder Chinas Chat-Dienst QQ gemacht. In „Captain America 3“ telefoniert „Iron Man“ Robert Downey Jr. alias Tony Stark mit einem Handy der außerhalb Chinas wenig bekannten Marke Vivo.

          Der Zugang zum chinesischen Massenmarkt ist aber steinig und begrenzt. Es gibt eine Quote von nur 34 ausländischen Filmen, die im Jahr in China gezeigt werden dürfen. Auch muss die Zensur passiert werden, was schon vorauseilenden Gehorsam auslöst. So wurde in der Comic-Adaption von „Dr. Strange“ der tibetische Mönch (Ancient One) durch eine keltische Zauberin (dargestellt von Tilda Swinton) ersetzt, um China nicht zu provozieren.

          Eine eigene Filmstadt

          Die Quote können ausländische Studios nur umgehen, indem sie mit chinesischen Firmen kooperieren - da unterscheidet sich der Kinomarkt nicht von anderen Branchen. In der Hafenstadt Qingdao baut der reichste Mann Chinas, Wang Jianlin, der „Legendary Entertainment“ für 3,5 Milliarden Dollar gekauft hat, nach dem Vorbild Hollywoods für viele Milliarden eine Filmstadt, die auch ausländische Produzenten anziehen soll.

          Der Chef des Wanda-Konzerns ist heute schon der größte Kinobetreiber der Welt und steckt auch hinter „The Great Wall“, der teilweise in Qingdao gefilmt wurde. „Wenn Hollywood-Studios hier drehen, wird die chinesische Filmindustrie davon ebenso profitieren wie chinesische Filmschaffende und ihre Mitarbeiter“, sagt der unabhängige Experte Jiang Yong. „Es wird Auswirkungen haben.“

          Die Entwicklung ist durchaus auch politisch motiviert. „Das Land schenkt seiner „Softpower“ große Aufmerksamkeit“, sagt Jiang Yong mit Blick auf politische Machtausübung über Ideologie und kulturelle Attraktivität. Der Wanda-Konzern habe „starke Muskeln“, sagt der Experte. „Diese Investitionen werden dafür sorgen, dass die chinesische Kultur weiter verbreitet wird.“

          Weitere Themen

          CDU setzt auf Anreize statt Verbote

          Parteitag in Leipzig : CDU setzt auf Anreize statt Verbote

          Mit einer leichten Veränderung des Leitbilds der Sozialen Marktwirtschaft will sich die CDU von SPD und Grünen abgrenzen. Nachhaltigkeit soll eine wichtigere Rolle spielen, aber nicht auf Kosten des Wachstums.

          Topmeldungen

          Darf´s ein bisschen mehr sein? Wenn es nach ARD und ZDF geht, gilt das für den Rundfunkbeitrag immer.

          Gutachten zu Finanzen : Gehälter bei ARD und ZDF sind zu hoch

          Die Finanzkommission Kef schlägt vor, wie hoch der Rundfunkbeitrag sein soll. Sie prüft, wofür die Öffentlich-Rechtlichen Geld ausgeben. Jetzt stellt die Kommission fest, die Gehälter bei ARD und ZDF seien zu hoch. Besonders bei einigen Sendern.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.