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Erdgasleitung Nabucco : Gesellschafter kurz vor Lieferabschlüssen

  • -Aktualisiert am

Gas für Westeuropa Bild: AP

Die sechs Anteilseigner der geplanten Gasleitung, darunter die RWE, verhandeln mit drei Produzentenländern. Ein Grund für den Optimismus ist eine Vereinbarung zwischen der Türkei und Aserbaidschan. Sie ermöglicht es, die Förderung in dem großen Vorkommen von Shah Deniz auszubauen.

          Die Gesellschafter der geplanten Erdgasleitung Nabucco sehen in den nächsten Monaten gute Aussichten für Lieferabschlüsse. „Unsere Einkäufer führen Verhandlungen in Aserbaidschan, Turkmenistan und im Nordirak“, berichtete der RWE-Vorstandsvorsitzende Jürgen Großmann in einer Telefonkonferenz. Über die 3300 Kilometer lange Leitung soll von 2014 an aus Zentralasien Gas durch die Türkei über Südosteuropa und Österreich nach Westeuropa gebracht werden. Die EU zählt dieses Projekt zu den bedeutendsten transeuropäischen Netzen in der Gemeinschaft, weil es die Verbindung zu neuen Gaslieferanten und damit Wettbewerb zu russischem Erdgas schafft. Daher hat die voraussichtlich rund 8 Milliarden Euro teure Nabucco-Leitung auch gute Chancen auf Finanzierungshilfen aus Brüsseler Töpfen.

          Bislang konnten die sechs Anteilseigner, darunter als Gründungsmitglied die österreichische OMV und die später hinzugekommene RWE, noch keinen Liefervertrag unterzeichnen. Anfang August gab es in den Medien Spekulationen, Nabucco-Gesellschafter könnten das Projekt aufgeben. Zwischen RWE und Gasprom gab es ein Gespräch über eine Mitwirkung des Essener Versorgungskonzerns bei der vom russischen Erdgaskonzern ebenfalls durch Südosteuropa geplanten Pipeline Southstream. Diese Fernleitung soll quer durch das Schwarze Meer führen. Außerdem ist sie mit einer geplanten Jahreskapazität von 63 Milliarden Kubikmetern gut doppelt so groß wie Nabucco, dafür mit veranschlagten 25 Milliarden Euro Baukosten freilich auch dreimal so teuer. RWE steht weiterhin fest zu Nabucco und hält diese Pipeline für die günstigste Lösung im südlichen Korridor.

          Erdgas aus Aserbaidschan der Schlüssel

          Ein Grund für die gute Stimmung im Nabucco-Gesellschafterkreis, dem auch jeweils eine Energiegesellschaft aus den Transitländern Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn angehört, ist eine umfassende Vereinbarung zwischen der Türkei und Aserbaidschan. Die Türkei erhält seit Jahren Erdgas aus der ersten Förderstufe der großen Vorkommen von Shah Deniz zum Vorzugspreis von 120 Dollar je 1000 Kubikmeter. Aserbaidschan kann das 25 Milliarden Dollar teure Projekt Shah Deniz 2 erst bei höheren Preisen erschließen. In diesem Sommer haben sich die beiden Staaten nach Angaben türkischer Medien auf einen ölinduzierten Preis von zunächst 240 Dollar verständigt. Nach den neuen Verträgen wird die Türkei auch aus der erweiterten Förderung jährlich bis zu 6 Milliarden Kubikmeter Erdgas beziehen. Somit wird nun der Feldausbau bei Shah Deniz gestartet. Für Nabucco blieben dann in den ersten Jahren jeweils rund 10 Milliarden Kubikmeter. „Wir haben aus Aserbaidschan jetzt die Einladung zu konkreten Verhandlungen über Preise und Mengen erhalten“, berichtet Stefan Judisch, der Vorsitzende der Geschäftsführung von RWE Supply & Trading, dieser Zeitung.

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          Das Erdgas aus Aserbaidschan ist für ihn der Schlüssel zum Bau von Nabbuco. Turkmenistan habe zwar größere Vorkommen anzubieten, werde aber allein nicht nach Westen exportieren. Russland hatte dort 2008 einen Kaufvertrag über gewaltige 50 Milliarden Kubikmeter im Jahr zu 300 Dollar abgeschlossen. Aber nach einer Pipeline-Explosion im vergangenen Jahr ist die Abnahmemenge stark reduziert und der Preis halbiert worden.

          Positive Signale aus Kurdistan

          Weitere 10 Milliarden Kubikmeter aus Turkmenistan und 14 Milliarden Kubikmeter aus dem Nordirak - diese Volumina dürften noch in diesem Jahr unter Dach und Fach gebracht werden, hofft der RWE-Manager. Aus Erbil, der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan, gibt es seit Wochen positive Signale. Der Rohstoffminister hatte im Juni auf einer Konferenz in London für Nabucco ein Jahresvolumen von 14 Milliarden Kubikmeter zugesagt. Das Risiko, dass der Irak das Projekt ausbremst, stuft Judisch als gering ein, da die Zentralregierung von den Lieferungen einen noch höheren Vorteil habe als der Nordirak.

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