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Erdgaskonzern Gasprom : Putins blaue Armee

  • -Aktualisiert am

Ein Denkmal des ukrainischen Dichters Taras Schewschenko vor einer Gasprom-Werbung in Moskau. Bild: AP

Der russische Gasprom-Konzern ist an erster Stelle ein Machtinstrument des Kreml - und erst an zweiter ein Unternehmen. Das bekommt gerade auch die Ukraine schmerzlich zu spüren.

          Nicht nur der Rubel kann rollen, sondern auch der Ball. Mit dem russischen Erdgaskonzern Gasprom hat der Bundesligist FC Schalke 04 einen Sponsor gewonnen, dem so schnell nicht das Geld ausgehen wird. Wer allein in den ersten neun Monaten 2013 mit 81 Milliarden Euro Umsatz einen Reingewinn von 19 Milliarden Euro erwirtschaftet, der hat auch Mittel für Fußball übrig. Besonders wenn Gasprom damit im wichtigen Absatzmarkt Deutschland ein bisschen Werbung machen kann, während der Konzern sonst meist mit negativen Schlagzeilen in Erscheinung tritt.

          Zum Beispiel an diesem Dienstag, als das Unternehmen mitten hinein in die Ukraine-Krise ankündigte, dem „Bruderland“ den Gaspreis zu erhöhen - indem es einen erst im Dezember gewährten Liefer-Rabatt wieder streicht. Die Ukraine ist auf russisches Erdgas angewiesen. Statt 269 Dollar für 1000 Kubikmeter muss Kiew – beziehungsweise der staatliche Erdgaskonzern Naftogas – dafür von April an wieder 378 Dollar zahlen. Vielleicht ist diese Entscheidung das Einzige, was in diesem Konflikt (bisher) relativ sicher vorauszusagen war.

          Und sie ruft eines in Erinnerung: Gasprom ist an erster Stelle ein Machtinstrument des Kreml und erst an zweiter ein Unternehmen, sei es auch der größte Erdgaskonzern der Welt und neben dem Erdölkonzern Rosneft das größte Unternehmen Russlands. Unter dem blauen Gasflammen-Logo von Gasprom arbeiteten Ende 2012 rund 430.000 Menschen. Nur der Staat und die Streitkräfte (1,4 Millionen Angehörige) beschäftigen mehr Russen.

          Umfang und Wege der Gasprom-Exporte nach Europa

          Deutlich wurden Gasproms Prioritäten, als Direktor Alexei Miller gerade beim Ministerpräsidenten Dmitrij Medwedjew vorsprach. Solche Treffen verlaufen in Russland immer gleich, genau wie jene von höherrangigen mit untergebenen Politikern, bis hin zum Rapport Medwedjews beim Staatspräsidenten Wladimir Putin. Beide Gesprächspartner sitzen sich frontal gegenüber, jeder Satz ist abgesprochen – keine Diskussion, sondern eine Inszenierung für die Fernsehkameras des Staatsfernsehens, die in den Nachrichten ausführliche Auszüge bringen werden. Miller weiß, wie das Spiel funktioniert; seit dem Jahr 2001 steht er an der Spitze von Gasprom.

          Der Gasprom-Chef begründete den Preiserhöhung für die Ukraine mit den Zahlungsrückständen von Naftogas, die seinen Angaben zufolge insgesamt 1,53 Milliarden Dollar betragen. Er schlug allerdings vor, Gasprom könne der Ukraine einen Kredit in Höhe von zwei bis drei Milliarden Dollar gewähren, damit das Land die Gaslieferungen weiter sicher bezahlen kann.

          Medwedjew stimmte ihm zu. Das war einer der bizarren Momente in dieser an bizarren Momenten nicht armen Krise: Gasprom ist sogar bereit, durch die Hintertür zu bezahlen, damit Naftogas nicht am Ende durch einen Finanzkollaps aus der gegenwärtigen Abhängigkeit entschwindet und die Machtverhältnisse neu geordnet werden müssen. Der alte Preis von fast 400 Dollar je 1000 Kubikmeter Erdgas, fixiert in einem bis zum Jahr 2019 laufenden Vertrag, ist im internationalen Vergleich hoch. Von seinen zentraleuropäischen Kunden verlangte Gasprom zuletzt durchschnittlich 383 Dollar, von den ehemaligen Sowjetrepubliken im Mittel nur 262 Dollar.

          Machtpolitisches Schach

          Gasprom spielt seine Rolle im machtpolitischen Schach des Kreml. Der Staat hält zwar „nur“ eine Mehrheitsbeteiligung von knapp über 50 Prozent, aber kein anderes Unternehmen des Landes besitzt eine vergleichbare geostrategische Bedeutung für Präsident Putin. Gasprom als eigenständig agierender Konzern ist deswegen undenkbar.

          Und der Konzern ist nicht nur eine nach außen wirksame Waffen, sondern auch für die Innenpolitik des Präsidenten: Er schafft mit zweifelhaften Projekten Arbeitsplätze. Und sponsert quer durchs Land Vereine und Veranstaltungen. Die wirtschaftliche Ineffizienz ist groß, doch die politische Effizienz für den Kreml enorm. Putin stattete den Konzern 2006 mit dem Exportmonopol für Erdgas aus, Russlands bedeutendsten Rohstoff neben Erdöl. Gasprom ist ein wichtiger Versorger Zentraleuropas und für einige Länder Osteuropas – besonders die ehemaligen Sowjetrepubliken – gar die dominierende Erdgasquelle. Diese Macht baut auf dem noch aus Sowjetzeiten stammenden Pipeline-Netz auf.

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