https://www.faz.net/-gqe-8l1pn

F.A.S. exklusiv : Eon-Chef rechnet mit Kurskapriolen nach Uniper-Börsenstart

  • Aktualisiert am

Teyssen: „Wir werden am ersten Tag weiche Hände sehen, die Uniper rasch verkaufen, ganz klar.“ Bild: Reuters

Mitte September will Eon seine Kraftwerks-Tochter Uniper an die Börse bringen. Im Interview mit der F.A.S. spricht Eon-Chef Teyssen über die Schwierigkeiten zum Start - und zu große Nähe zur Politik.

          Eon-Chef Johannes Teyssen rechnet mit einem turbulenten Start der Abspaltung Uniper an der Börse. Viele Eon-Eigner würden die ihnen zugeteilte Uniper-Aktie so schnell wie möglich wieder abstoßen, sagte Konzernchef Teyssen der F.A.S.: „Wir werden am ersten Tag weiche Hände sehen, die Uniper rasch verkaufen, ganz klar.“ Teyssen wörtlich:

          „Investoren, die ausschließlich Dax-Werte halten, sind gezwungen, Uniper bis zum Ende des ersten Tages zu verkaufen. Diese Reaktion wird es in beträchtlichem Ausmaß geben.“ Der Manager setzt darauf, andere Anleger „nur darauf warten, die Situation in den ersten Tagen zu nutzen“.

          Die abzuspaltenden Kraftwerke stehen mit zwölf Milliarden Euro in den Eon-Büchern, werden von Analysten aber deutlich geringer in ihrem Wert angesetzt. Bewertet die Börse Uniper zum Start Mitte September tatsächlich niedriger, muss Eon die Werte nach unten korrigieren:  „Es kann  durchaus sein, dass wir etwas abschreiben müssen“, bestätigte Teyssen in der F.A.S. „Das haben wir im Vorfeld aber alles präzise dargelegt. Wir haben uns als Eon quasi komplett nackig gemacht.“ 

          „Das Geld ist damals zeitweise nur so rein geweht“

          Der Eon-Chef entschuldigt sich in dem F.A.S.-Interview offen für die Verluste, die seine Aktionäre in der Vergangenheit erlitten haben: „Das Geld ist weg. Das war bitter für unsere Aktionäre und tut mir noch immer Leid.“ In seiner Selbstkritik schließt er eigene Fehler ein: „In Brasilien haben wir eine Milliarde verloren, das war unsere, das war auch meine Entscheidung. Wollten wir dafür Schuldige suchen, müssen wir nur in den Spiegel schauen.“

          Das Management sei in Phasen des Überschwangs, als Eon der wertvollste Konzern der Republik war, „oft zu selbstgerecht“ gewesen, sagte Teyssen: „Das Geld ist damals zeitweise nur so rein geweht. Das verführt zu Fehlern. Man orientiert sich nicht mehr ausreichend am Kunden, sondern agiert manchmal dicht an der Spielbank.“

          Auch die Nähe zur Politik sei damals ungesund gewesen. „Das Verhältnis war zu eng, zu verworren“, sagte Teyssen. „Dabei meine ich natürlich nicht Korruption, man hat schlicht nicht sauber getrennt: Was ist Aufgabe des Unternehmers? Was die der Politik?“ Dies habe sich geändert: „Heute gehen wir deutlich erwachsener miteinander um. Es gibt keine Hinterzimmer mehr.“

          Weitere Themen

          Wo unsere Smartphones herkommen Video-Seite öffnen

          Von Afrika über China zu uns : Wo unsere Smartphones herkommen

          Wir benutzen sie jeden Tag, doch wir fragen uns selten, wo sie herkommen: Der Weg eines Smartphones beginnt in Afrika und Südamerika und führt zu riesigen Fabriken in China. Unsere Grafik nimmt Sie mit auf die Reise.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.