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Eon-Chef Johannes Teyssen : „Atomsteuer ist rechtswidrig“

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Eine Stilllegung sei keine Drohung, sondern schlichtes betriebswirtschaftliches Kalkül: Eon-Chef Johannes Teyssen Bild: APN

Die Kernkraftwerksbetreiber sind in heller Aufregung - seit die Regierung eine Brennelementesteuer plant. Dass Eon dann Kraftwerke stilllegen wird, sei keine Stilllegungsdrohung, sondern schlichtes betriebswirtschaftliches Kalkül, sagt ihr Chef Teyssen im Gespräch mit der F.A.Z.

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          Die Bundesregierung will demnächst ein neues Energiekonzept für die Zukunft vorlegen. In der Öffentlichkeit entsteht gerade der Eindruck, dass es dabei nur um die Kernenergie geht.

          Es geht um den Übergang von einer heute überwiegend konventionellen hin zu einer deutlich stärker regenerativen Energieerzeugung - eine weitreichende und anspruchsvolle Vision, die wir teilen und an deren Umsetzung wir mitwirken wollen. Da geht es natürlich um mehr als nur einen, wenngleich wichtigen Energieträger.

          Können Sie hier schon ein klares Konzept erkennen?

          Bundeskanzlerin Merkel hat als Bild für das neue Energiekonzept die Brücke zwischen alter und neuer Energiewelt benannt. Mich überzeugt dieses Bild. Brücken gehören zu den anspruchsvollsten Ingenieurleistungen, benötigen feste und tragfähige Pfeiler diesseits und jenseits eines Tals. Zudem basieren sie auf klugen und realistischen Berechnungen über ihre Tragfähigkeit und ruhen niemals auf bloßen Visionen oder Hoffnungen.

          Der Knopf für die Reaktorschnellabschaltung, aufgenommen im Kernkraftwerk Krümmel
          Der Knopf für die Reaktorschnellabschaltung, aufgenommen im Kernkraftwerk Krümmel : Bild: ASSOCIATED PRESS

          Was muss die Bundesregierung konkret für die neue Energiewelt vorgeben?

          Für die angestrebte neue Energiewelt müssen noch viele Fundamente und Sicherungen entstehen, bevor man sich in hohem Maße auf erneuerbare Energieträger verlassen kann. Wir brauchen viel bessere Stromspeichertechnologien, die es heute noch nicht ausreichend gibt. Wir brauchen andere, größere und intelligentere Transportnetze, die Kontinente überbrücken - siehe das Sahara-Stromprojekt Desertec. Auf der anderen Seite gilt es, leistungsfähigere Verteilnetze zu bauen, so dass Kunden von Energie auch effiziente Produzenten von Energie werden können. Schließlich müssen die Kosten der Energieproduktion aus neuen Quellen massiv gesenkt werden, damit der Standort Deutschland auch morgen noch für die deutsche Industrie und unseren Mittelstand wettbewerbsfähig in der Welt bleibt. Dies ist kein Programm für morgen oder die nächsten zehn Jahre.

          Und was bedeutet das für die umstrittene Kernenergie und Kohle?

          Auch der diesseitige Brückenpfeiler muss stabil und ausreichend hoch sein, damit er die gewaltige neue Brücke tragen kann. Da der Bau der anderen Seite realistisch erhebliche Zeit in Anspruch nimmt, müssen wir insbesondere die klimafreundliche Kernenergie noch viel länger einsetzen, als dies um die Jahrtausendwende erwartet wurde. Mindestens 15 Jahre Laufzeit müssen aufgestockt werden, damit die Brücke wirklich trägt. Auch moderne Kohlekraftwerke werden auf Zeit noch Beiträge erbringen müssen. Wenn sie - wie bei uns in Datteln - zudem noch in das öffentliche Verkehrssystem der Bahn und in den regionalen Fernwärmeverbund klug integriert werden, dann sind sie Teil der Brücke.

          Der Streit über eine Kernenergiesteuer und eine Beteiligung des Staates an den Vorteilen einer Laufzeitverlängerung verschärft sich. Überziehen die Kernenergiebetreiber?

          Dass wir uns an der laufenden Energiedebatte aktiv beteiligen, ist wohl eine Selbstverständlichkeit. Unsere Mitarbeiter betreiben die Kernkraftwerke auf weltweit höchstem Sicherheitsniveau. Und wir haben als Energieversorger eine besondere Verantwortung für die stabile und wettbewerbsfähige Versorgung von Industrie und Haushalten. Wegducken geht da nicht, auch wenn bei uns fast reflexartig rein egoistische und wirtschaftliche Interessen vermutet werden.

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