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Geänderte Konzernstrategie : Eon behält deutsche Kernkraftwerke im Konzern

  • Aktualisiert am

Kernkraftwerk von Eon im niedersächsischen Grohnde Bild: dpa

Eon hält an seinen Kernkraftwerken fest. Damit ändert der Energieversorger seinen ursprünglichen Plan. Grund ist die Entscheidung der Bundesregierung über die Haftungsregelung.

          Der Energiekonzern Eon reagiert auf die von der Bundesregierung geplante Änderung der Haftungsregeln und macht die geplante Übertragung seines Kernenergiegeschäftes auf die neue Gesellschaft Uniper rückgängig. Statt dessen wird es in eine neue Gesellschaft mit dem alten Namen Preussen-Elektra übergeführt. Das teilte das Düsseldorfer Unternehmen am späten Mittwochabend nach einer Sitzung des Aufsichtsrates mit.

          Der verbleibende Betrieb und Rückbau der konzerneigenen deutschen Erzeugungskapazität aus Kernenergie gingen nicht auf Uniper über, die Anfang nächsten Jahres ihres Betrieb aufnehmen soll, sondern blieben in der Verantwortung von Eon, hieß es. Die strategische Neuausrichtung des Konzerns werde davon nicht berührt. Die Aufspaltung in zwei Unternehmen finde in dem bekannten Zeitrahmen statt. Der Aufsichtsrat habe dem Beschluss des Vorstands einstimmig zugestimmt.

          Die Bundesregierung hatte zuvor angekündigt, die bisher auf 5 Jahre nach eine Ausgründung bestehenden Haftung der abgebenden Gesellschaft auf unbegrenzte Zeit zu verlängern. Sie ist in Sorge, dass die neue Gesellschaft Uniper womöglich nicht in der Lage wäre, die Kosten für die Besteigung und Lagerung des Atommülls, den die Konzerne tragen müssen, aufzubringen. Eon hatte immer erklärt, die der neuen Gesellschaft mitgegebene Werte – Kraftwerke und andere Anlagen- reichten aus, die Verpflichtungen in Milliardenhöhe zu decken. Auch hatte der Konzern mit einer Klage gegen ein entsprechendes Gesetz gedroht.

          Nicht auf politische Entscheidungen warten

          Eon betreibt derzeit noch drei aktive Kernkraftwerke und hält Minderheitsbeteiligungen an drei weiteren. Der Anteil der deutschen Kernenergie am heutigen Erzeugungsportfolio von Eon liege bei rund acht Prozent. „Mit dieser Entscheidung beugen wir Risiken für die Umsetzung unserer Konzernstrategie vor. Denn wir können und wollen nicht auf etwaige politische Entscheidungen warten, die die Abspaltung von Uniper verzögern könnten“, sagte Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen. Deshalb sei aktives Handeln geboten.

          Finanzvorstand  Michael Sen bekräftigte das Ziel, das Rating von Eon bei BBB+/Baa1 zu halten. Für Uniper bleibe es dabei, dass das neue Unternehmen mit einem soliden Investmentgrade ausgestattet werden solle. Sen wies auch auf die anhaltend niedrigeren Großhandelspreise für Strom und andere Energie sowie die unzureichenden regulatorischen Rahmenbedingungen und deren Auswirkung auf die erwartete Profitabilität hin. Im Vergleich zum Vorjahr habe sich der Ölpreis fast halbiert, der Kohlepreis ist stark verfallen und auch europäische Stromnotierungen markieren Tiefststände.

          „Das hat naturgemäß erhebliche Auswirkungen auf unsere konventionellen Geschäftsfelder“, sagte Sen. Deshalb ergebe sich für das laufende Quartal ein voraussichtlicher Wertberichtigungsbedarf im höheren einstelligen Milliarden-Euro-Bereich. Hierbei handelt es sich zu einem nicht unerheblichen Teil um Abschreibungen von Firmenwerten. „An unserer Dividende für das laufende Geschäftsjahr ändert sich nichts. Sie wird wie im Vorjahr 50 Cent je Aktie betragen“, betonte Sen.

          Aktie zwischenzeitlich auf 20-Jahres-Tief

          Die Aussicht, dass Eon seine Kernkraftwerke nun doch nicht abstoßen will, hat die Aktien ins straucheln gebracht. Die Titel rutschten in der Spitze um 4,6 Prozent auf 9,22 Euro ab. Damit fiel der Kurs der Aktie auf den tiefsten Stand seit 20 Jahren. Im Dax war Eon der mit Abstand schwächste Wert.

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