https://www.faz.net/-gqe-71mwy

Enttäuschte Anleger : Facebook-Aktie auf Allzeittief

Glück hat, wer keine Facebook-Aktien hält: Seit der Erstnotierung haben die Papiere rund ein Drittel ihres Wertes eingebüßt. Bild: Reuters

Daumen nach unten: Das erste Quartal als börsennotiertes Unternehmen hat Facebook wegen eines Sondereffekts mit einem spürbaren Verlust abgeschlossen. Ein Facebook-Handy soll es laut Zuckerberg nicht geben.

          2 Min.

          Das soziale Netzwerk Facebook hat es nicht geschafft, die Skepsis an den Finanzmärkten mit seinem ersten Quartalsbericht nach dem Börsengang zu zerstreuen: Facebook meldete einen Nettoverlust, und das Umsatzwachstum schwächte sich weiter deutlich ab. Die Zahlen lagen zwar im Rahmen der Erwartungen von Analysten, dennoch rutschte der Aktienkurs am Donnerstag nachbörslich um 11 Prozent auf unter 24 Dollar ab. Das ist der tiefste Stand seit dem Börsengang im Mai. Die Aktie wurde zunächst für 38 Dollar verkauft, fiel aber schnell unter diesen Wert. Bereits im regulären Handel am Donnerstag vor Veröffentlichung der Zahlen hatte die Aktie mehr als 8 Prozent eingebüßt. Das hatte mit miserablen Quartalszahlen des Spieleanbieters Zynga zu tun, der ein wichtiger Partner von Facebook ist.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Finanzvorstand David Ebersman sagte in einer Telefonkonferenz, Facebook sei „natürlich enttäuscht“ von der Entwicklung des Aktienkurses seit dem Börsengang. „Aber es ist wichtig für uns, uns darauf zu konzentrieren, dass wir das gleiche Unternehmen sind wie vorher. Wir haben die gleichen Chancen, im Laufe der Zeit etwas Wichtiges und Wertvolles zu schaffen.“ Ebersman, der Vorstandsvorsitzende Mark Zuckerberg und die als Chief Operating Officer für das Tagesgeschäft zuständige Sheryl Sandberg versuchten in der Konferenz, die Perspektiven von Facebook im Geschäft mit Online-Werbung hervorzuheben. Sie gaben dabei aber zur Enttäuschung einiger Analysten keine konkreten Ergebnisprognosen ab.

          Die Verteilung der Facebook-Nutzung

          Für das abgelaufene zweite Quartal meldete Facebook ein Umsatzplus von 32 Prozent auf 1,18 Milliarden Dollar und lag damit minimal über den Analystenschätzungen. Das Wachstum hat sich damit erheblich abgeschwächt: Im ersten Quartal hatte Facebook noch eine Umsatzsteigerung von 45 Prozent gemeldet, im Gesamtjahr 2011 hat sich der Umsatz gegenüber 2010 noch fast verdoppelt. Vom Umsatz entfielen 992 Millionen Dollar auf das Kerngeschäft mit Werbung, ein Zuwachs von 28 Prozent. Der restliche Umsatz kommt zum Beispiel von Provisionen, die Facebook von Partnern wie Zynga kassiert.

          Aufgrund von Aufwendungen für Mitarbeiteraktien im Zusammenhang mit dem Börsengang wies Facebook im zweiten Quartal einen Nettoverlust von 157 Millionen Dollar aus. Bereinigt um Sonderfaktoren hätte Facebook nach eigener Aussage einen Nettogewinn von 295 Millionen Dollar geschafft, was allerdings auch nur 4 Prozent mehr gewesen wäre als im Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie betrug 12 Cent und lag damit genau auf Höhe der Erwartungen.

          Seine Nutzergemeinde hat Facebook weiter vergrößert: Das Unternehmen hat jetzt 955 Millionen monatliche Nutzer, drei Monate zuvor waren es 901 Millionen. Deutlich stärker als die Gesamtzahl wuchs die Zahl der Nutzer, die Facebook über mobile Geräte wie Smartphones und Tabletcomputer aufrufen. Die monatlichen Nutzer auf diesen mobilen Plattformen erhöhte sich um 67 Prozent auf 543 Millionen.

          Dies ist für Facebook allerdings eine große Herausforderung, denn gerade mit den Smartphone-Nutzern macht das Unternehmen bislang nur geringe Umsätze – nicht zuletzt weil deren Bildschirm weniger Platz für Anzeigen bietet als ein Computer. Facebook experimentiert hier mit Werbekonzepten und setzt dabei insbesondere auf „gesponserte Meldungen“. Dabei funktioniert Facebook Präferenzbekundungen über das Feld „Gefällt Mir“ in Anzeigen um. Wenn ein Nutzer zum Beispiel klickt, dass ihm die Marke „Coca-Cola“ gefällt, dann könnte dies in der Nachrichtenleiste seiner Freunde als Anzeige auftauchen, wenn der Getränkekonzern dafür bezahlt. Zuckerberg sagte, mit solchen gesponserten Meldungen habe Facebook Ende Juni eine Million Dollar am Tag eingenommen, davon die Hälfte auf mobilen Geräten.

          Zuckerberg sagte, mobile Geräte seine „eine riesige Chance“ für Facebook. Er verpasste allerdings Spekulationen aus den vergangenen Monaten, wonach Facebook an einem eigenen Smartphone arbeitet, eine Dämpfer: „Es würde für uns keinen großen Sinn ergeben, ein Telefon zu bauen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Kommunalwahlen in NRW sind für die SPD von existentieller Bedeutung: Die Partei kann sich nur stabilisieren, wenn ihnen ihre kommunale Basis nicht wegbricht.

          Verschuldete Kommunen : Werden die Altschulden zur tickenden Zeitbombe?

          Die Lösung des Altschulden-Problems hat sich die große Koalition fest vorgenommen. Gerade die von der SPD regierten Großstädte im Ruhrgebiet würden von Bundeshilfe profitieren – bisher verhält sich Nordrhein-Westfalen jedoch merkwürdig passiv.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.