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Entscheidung des Supreme Court : Fiat besiegelt Chrysler-Übernahme

  • Aktualisiert am

Die Schließung von Chrysler ist abgewendet Bild: dpa

Wo Daimler sich einst die Zähne ausbiss: Fiat hat die Chrysler-Übernahme besiegelt und eine neue Firma gegründet. Die Italiener unterzeichneten die Vereinbarung am Mittwoch. Der Supreme Court wies zuvor Einsprüche von Gläubigern zurück.

          Der Verkauf des insolventen amerikanischen Autobauers Chrysler an Fiat ist besiegelt. Die beiden Firmen gaben am Mittwoch ihre Allianz bekannt, nachdem in der Nacht der Oberste Gerichtshof Einsprüche von Chrysler-Gläubigern zurückgewiesen hatte. Die Italiener kommen damit mit ihrer Strategie voran, die dramatische Krise der Autoindustrie durch die Schaffung eines internationalen Branchengiganten zu überleben - bei Opel hatten sie hierbei noch einen herben Rückschlag erlitten.

          Wie die desaströse Erfahrung des ehemaligen Chrysler-Besitzers Daimler gezeigt hat, steht der Turiner Konzern jedoch in Amerika vor gewaltigen Herausforderungen. Zumindest Börsianer räumen Fiat aber Chancen auf einen Erfolg ein: Die Aktie machte in Mailand einen Freudensprung von fünf Prozent. Das Urteil ist zugleich ein großer Erfolg für Präsident Barack Obama. Er hat Fiat zum Kern seines Sanierungsplans für Chrysler gemacht. Beim Verkauf von Opel konnte Fiat die deutsche Bundesregierung dagegen nicht überzeugen - die Tochter des Chrysler-Rivalen General Motors geht voraussichtlich an den kanadischen Zulieferer Magna.

          Aufatmen in Washington und bei GM

          Amerikanische Regierungsvertreter äußerten sich hocherfreut über die Entscheidung des Gerichtes. „Wir sind glücklich, dass die Allianz zwischen Chrysler und Fiat nun realisiert werden kann“, hieß es im Präsidialamt. Nun habe Chrysler die Chance, sich in einen konkurrenzfähigen und starken Autobauer zu verwandeln. Fiat hatte in seiner Stellungnahme für das Gericht mit einem Platzen der Einigung gedroht, sollte sein Einstieg weiter verzögert werden. Auch General Motors kann nach der Entscheidung aufatmen. Der Konzern verfolgt eine ähnliche Strategie des Blitzverkaufs wie Chrysler.

          Den Deal mit Fiat wollten unter anderem drei Pensionsfonds stoppen, bei denen Chrysler in der Kreide steht. Sie sehen sich im Vergleich zu anderen Gläubigern benachteiligt. Zudem reichten am Dienstag auch fünf Verbraucherschutzorganisationen und drei Einzelpersonen Einsprüche ein - sie bemängelten, der neue Konzern übernehme nicht die Produkthaftung für ältere Chrysler-Fahrzeuge.

          Eine andere Hürde nahm Chrysler schon vor der Freigabe durch den Supreme Court: Das zuständige Insolvenzgericht genehmigte dem Autobauer die Aufhebung von fast 800 Händlerverträgen. Damit kann sich Chrysler wie geplant sofort von einem Viertel seiner Autohäuser trennen.

          Wo Daimler sich die Zähne ausbiss

          Fiat wird nun zunächst 20 Prozent an Chrysler übernehmen. Dieser Anteil dürfte jedoch schon bald auf 35 Prozent steigen. Im Falle einer erfolgreichen Sanierung kann Fiat schließlich sogar die Mehrheit an Chrysler übernehmen. Hierzu müssen die Italiener jedoch bei dem amerikanischen Hersteller eine veraltete Produktpalette erneuern und Kunden zurückgewinnen. Daimler hatte sich bei Chrysler jahrelang die Zähne ausgebissen und musste schließlich einen peinlichen Rückzug mit Milliardenverlusten antreten.

          Fiat hat bereits Manager nach Detroit geschickt, die dort auf die Kostenbremse treten sollen und die Markteinführung des beliebten Fiat 500 in den Vereinigten Staaten vorbereiten.






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