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Enteignungs-Debatte : Gut gegen Böse

  • -Aktualisiert am

Neue oder modernisierte Wohnungen verbrauchen zwar weniger Energie und bieten mehr Komfort, die Miete für sie ist dafür aber auch meist deutlich höher als in älteren Bleiben. Bild: dpa

Private Anbieter gelten am Wohnungsmarkt als Bösewichte. Die Forderung, ihre Immobilien an öffentliche Wohnungsanbieter zu überführen, ist populär. Doch auch kommunale Gesellschaften können sich nicht dem Markt entziehen.

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          Die Wut ist groß, die Vision radikal und das Schlagwort ein Aufreger: In Berlin will eine Initiative dafür sorgen, dass die großen privaten Wohnungsunternehmen ihre Bestände zum Verkehrswert an die kommunalen Wohnungsgesellschaften verkaufen müssen. Provokanter formuliert: Sie will sie enteignen. Auf diese Weise soll die Stadt wieder die Hoheit über den Wohnimmobilienmarkt gewinnen, auf dem die Mieten zwischen 2007 und 2018 um 85 Prozent gestiegen sind. Denn den, so nehmen es angesichts dieses Mietpreisanstiegs viele wahr, haben „Spekulanten“ und jene „Miethaie“ im Griff, die mit dem Grundbedürfnis Wohnen rücksichtslos Kasse machen.

          Schon lange nicht mehr hat die Rollenverteilung zwischen Wohltäter und Bösewicht am deutschen Wohnungsmarkt so gut geklappt wie dieser Tage. Das liegt nicht nur daran, dass der Mensch es sich gerne einfach macht, wo es kompliziert ist. Und der Wohnungsmarkt mit all seinen Mechanismen, Zwängen, den widersprüchlichen Ansprüchen und Bedürfnissen, denen er genügen muss, ist leider ziemlich komplex. Nicht nur, weil eine Wohnung, egal wem sie gehört, immer Zuhause und Kapitalanlage zugleich ist. Wie erleichternd, wenn man sich da die Welt schwarzweiß malen kann: hier die kommunalen Wohnungsgesellschaften, die Daseinsvorsorge leisten. Da die börsennotierten Unternehmen, die nur an ihre Aktionäre denken. Gemeinwohl versus Geschäftemacherei.

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