https://www.faz.net/-gqe-9wefs

Wegen Fabrikbrand : Werden bald die Schallplatten knapp?

Vinyl-Freunde in einem Plattenladen in London Bild: dpa

Für ein Verfahren zur Vinyl-Herstellung wird eine Lackfolie genutzt, die auf der ganzen Welt nur zwei Unternehmen produzieren. Eine Fertigung in Kalifornien wurde nun durch einen Brand zerstört. Wie steht es um Alternativen?

          2 Min.

          Ein Brand im kalifornischen Ort Banning könnte weitreichende Folgen für die Produktion von Schallplatten haben. Die Fertigung sowie das Lager von Apollo Masters wurden vergangene Woche Donnerstag durch ein Feuer komplett zerstört, wie das Unternehmen auf seiner Webseite schreibt. Die weitere Zukunft sei derzeit unsicher.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Apollo Masters ist einer von lediglich zwei Produzenten der für die Fertigung von Schallplatten benötigten Lackfolien. Der andere Anbieter ist das japanische Unternehmen MDC. Mit Apollo Masters fällt nun aber ausgerechnet der deutlich größere Produzent aus. Nach Angaben des deutschen Schallplatten-Herstellers Optimal Media lieferte das Unternehmen 75 bis 80 Prozent der Lackfolien.

          Es sei mit Preissteigerungen und Lieferengpässen zu rechnen, sagte eine Sprecherin der F.A.Z. Optimal Media  ist eine Tochtergesellschaft der Edel SE aus Hamburg und neben GZ Media aus Tschechien sowie Record Industry aus den Niederlanden einer der großen europäischen Plattenproduzenten. Von Oktober 2018 bis September 2019 hat das Unternehmen 25,5 Millionen Schallplatten produziert. Zu den Kunden des Unternehmens mit Werk im mecklenburgischen Röbel zählen nach eigenen Angaben sowohl die Major Label, Universal Music, Sony und Warner wie auch diverse kleinere Indie-Labels.

          Zwei mögliche Verfahren

          Für die Vinyl-Pressung gibt es zwei Verfahren. Beim geläufigeren Lackschnittverfahren wird das Audiomaterial auf die genannte Lackfolie überspielt, auf dieser wird dann im Schnitt die Rille aufgebracht. Vom so entstehenden Master wird dann eine Pressform zur Herstellung der Platten für den Verkauf erstellt. Als weitere Variante existiert das Anfang der Achtziger Jahre entstandene „Direct Metal Mastering“ (DMM-Verfahren). Hier wird statt Lackfolie eine Kupferschicht genutzt, worauf der Schnitt erfolgt. Derzeit stocke man die Kapazitäten für das DMM-Verfahren entsprechend auf, heißt es von Optimal Media. Wer beide Verfahren anbieten kann, spürt also nicht unmittelbar die Folgen des Brandes bei Apollo Masters. Welches Verfahren zum Einsatz komme, entscheide aber letztlich der Kunde, so die Optimal Media-Sprecherin.

          Gegenüber dem Fachmagazin „Musikwoche“ sagte ein Branchenvertreter kurz- und mittelfristig habe man nichts zu befürchten. Langfristig sei es allerdings „wünschenswert“, dass ein weiterer Folien-Hersteller auf dem Markt komme. Ein amerikanischer Branchenvertreter wertete den Brand bei Apollo Masters hingegen als potentielles Problem für die globale Branche, auch weil der verbliebene Anbieter der Lackfolien MDC schon vorher Lieferproblem gehabt hätte. Apollo Masters soll vor allem auf dem amerikanischen Markt stark vertreten sein.

          In Amerika die CD überholt

          Unter Musikfans erfreut sich die Schallplatte seit einiger Zeit einer beständigen Beliebtheit – wenn auch auf vergleichsweise bescheidenem Niveau. Wurden 2009 noch neun Millionen Euro mit dem Verkauf von Schallplatten umgesetzt, waren es 2018 70 Millionen Euro. Im Vergleich zu 2017 bedeutete dies jedoch ein Minus von vier Millionen Euro. In verkauften Platten entsprach dies 500.000 Exemplaren in 2009 und 3,1 Millionen in 2018. Der Umsatz mit CDs ist im gleichen Zeitraum allerdings von 1,24 Milliarden Euro auf 579 Millionen Euro gesunken. Maßgeblicher Umsatztreiber ist mittlerweile in Deutschland und auf dem globalen Markt für Musikaufnahmen das Streaming. Insgesamt wurden 2018 hierzulande rund 1,6 Milliarden Euro umgesetzt. Auf der ganzen Welt standen 19,1 Milliarden Dollar zu Buche.

          Der amerikanische Musikverband Recording Industry Association of America prognostizierte derweil im Oktober 2019, dass der Umsatz mit Schallplatten zum ersten Mal seit 1986 in Amerika den mit CDs überschreiten könnte. Vinyl sind freilich tendenziell teurer als CDs, gerade farbige und mit besonderen Mustern versehene Versionen.

          Sie werden oft in limitierter Stückzahl angeboten und sind unter Sammlern begehrt. Viele schätzen auch schlicht die gute Ton-Qualität. Gewöhnlich erhält der Käufer heute mit der Schallplatte zudem einen Download-Code für das jeweilige Werk.

          Weitere Themen

          Eine neue Allianz gegen China?

          Trump will G7 zu G11 erweitern : Eine neue Allianz gegen China?

          Russland reagiert zurückhaltend auf Trumps Vorstoß, die G7 zu erweitern. Australien, Indien und Südkorea zeigen sich offener – ohne Amerika wären sie Vasallenstaaten Chinas, warnt ein früherer Außenminister.

          Topmeldungen

          Trump will G7 zu G11 erweitern : Eine neue Allianz gegen China?

          Russland reagiert zurückhaltend auf Trumps Vorstoß, die G7 zu erweitern. Australien, Indien und Südkorea zeigen sich offener – ohne Amerika wären sie Vasallenstaaten Chinas, warnt ein früherer Außenminister.

          Livestream : Crew Dragon beginnt Andock-Anflug auf ISS

          Der Start der ersten bemannten Weltraummission von amerikanischem Grund verlief beim zweiten Versuch erfolgreich. Nach 19 Stunden Flugzeit sollen die beiden Astronauten an der Internationalen Raumstation (ISS) andocken. Verfolgen Sie die Landung im Livestream.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.