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Engelbert Strauss : „Wir haben Berufsbekleidung sexy gemacht“

Henning (links) und Steffen Strauss in Biebergemünd Bild: Rainer Wohlfahrt

Besen und Bürsten hat Engelbert Strauss früher verkauft. Heute mischen die Hessen mit Lifestyle-Mode die Textilbranche auf. Ein Ziel: Hollywood.

          Es ist ein weiter Weg vom beschaulichen Biebergemünd im hessischen Kinzigtal bis nach Hollywood in Kalifornien, nicht nur geografisch. Aber genau dort, in der glitzernden Welt des Film- und Showgeschäfts, hat Henning Strauss, der zusammen mit seinem Vater Norbert und seinem Bruder Steffen die Geschäfte des Berufsbekleidungsherstellers Engelbert Strauss führt, eine neue Zielgruppe entdeckt. Die Stuntmänner und Stuntfrauen, die sich vor der Kamera in haarsträubende Gefahr begeben, können ihre Arbeitskleidung nun aus einer eigens für sie aufgelegten Kollektion des deutschen Familienunternehmens zusammenstellen, von der Merinounterwäsche bis zum Flammenschutz aus Hightechmaterial. Und Engelbert Strauss wäre nicht Engelbert Strauss, wenn das Action-Sortiment in ein paar Monaten nicht auch für das heimische Stammpublikum auf den Markt gebracht würde – in begrenzter Auflage, doppelt so teuer wie die Klassiker aus dem Standardsortiment und mit einem eigenen Label versehen, das den weißen Familienvogel nicht wie gewohnt auf rotem, sondern auf schwarzem Grund zeigt.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Zusammenarbeit mit dem Verband der Film-Stuntleute, mit dem die Kollektion nach Auskunft von Henning Strauss entstanden ist, stellt die jüngste in einer ganzen Reihe werbewirksamer Ideen dar, mit denen sich Engelbert Strauss vom vergleichsweise biederen Nischenanbieter zur veritablen Trendmarke gemausert hat. Mit Besen und Bürsten handelten die Vorfahren der drei heutigen Inhaber und Geschäftsführer; benannt ist das Unternehmen nach dem Großvater von Henning und Steffen Strauss. Zu dessen Zeit kamen auch Handschuhe und anderer Arbeitsschutz ins Sortiment, später Blaumänner, Warnwesten, Schnittschutzhosen und Sicherheitsschuhe. Früh verlegte sich die Firma auf das Direktgeschäft, das Gros der Ware wird an die Kunden versandt. „Wir wollen lieber die volle Kontrolle über unser Sortiment behalten“, begründet Steffen Strauss, der in der Geschäftsführung für Produktion und Vertrieb zuständig ist, die Strategie. Für Zwischenhändler, die eine Marge für sich einstreichen wollen, sei darin kein Platz.

          Mister Universum vor zehn Jahren im Kino

          Das Logo mit dem Strauss ist heute nicht nur in Handwerksbetrieben und unter Heimwerkern allgegenwärtig. Auch im Outdoor- und Freizeitmarkt schlägt sich Engelbert Strauss seit ein paar Jahren mit erstaunlichem Erfolg. Manche Fans nehmen weite Wege auf sich, um eines der vier baumarktgroßen Ladengeschäfte des Unternehmens – am Stammsitz in Biebergemünd auf halber Strecke zwischen Frankfurt und Fulda, in Oberhausen, in Hockenheim und am Stadtrand von München – zu besuchen. Kegelfreunde und Tanzgruppen ordern ihr Mannschafts-Outfit in Biebergemünd, schon unter Kindergartenkindern erfreut sich die Marke mancherorts großer Beliebtheit. Im Katalog gibt es Overalls und Latzhosen ab Größe 98.

          Selbst die Kanzlerin war schon in Biebergemünd.

          Angefangen hat der bemerkenswerte Wandel zum Lifestyle-Ausrüster vor ziemlich genau zehn Jahren mit dem ersten Kinowerbespot, in dem der einstige Mister Universum Ralph Möller Klamotten mit dem Vogel-Strauss-Etikett über seinen Körper streifte. Es war die nachrückende Generation aus der Inhaberfamilie, die auf diese offensive Art der Markenführung drängte. Allen voran Henning Strauss, der einen Teil seines Studiums in den Vereinigten Staaten absolviert und das Marketing zu seinem Leib- und Magenthema erkoren hat. Er brachte sportlich durchtrainierte Models in die Kataloge, ließ sie für Hochglanzfotos in der Wüste und am Strand in Amerika posieren, engagierte eine Rockband für die Aufnahme eines eigenen Werbesongs. Es sei darum gegangen, „Berufsbekleidung sexy zu machen“, hat Strauss dazu gesagt.

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