https://www.faz.net/-gqe-a8417

Energieversorgung : Deutsche Familienunternehmer klagen über Stromausfälle

Familienunternehmer wollen eine sichere Stromversorgung. Bild: dpa

„Immer mehr Familienunternehmen sind von deutlichen Netzschwankungen betroffen“, monierte der Familienunternehmer-Verbandspräsident – und sagt, was besser werden muss.

          2 Min.

          Deutsche Mittelständler leiden zunehmend unter Stromausfällen – und sie machen dafür die Energiewende verantwortlich. „Kopflos wurde vor 20 Jahren alles auf den Ausbau der erneuerbaren Energien gesetzt“, sagte Reinhold von Eben-Worlée, der Präsident des Verbands Die Familienunternehmer, der F.A.Z.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Hingegen seien genauso wichtige Themen wie der Netzausbau, die intelligente Netzsteuerung und die fehlende Grundlastfähigkeit alternativer Stromquellen auf der Strecke geblieben. „Die Folge: Immer mehr Familienunternehmen sind von deutlichen Netzschwankungen betroffen“, monierte Eben-Worlée, dessen Verband rund 180.000 Unternehmen mit 8 Millionen Mitarbeitern repräsentiert.

          Eben-Worlée stützt sich auf eine neue Umfrage unter knapp 1100 Mitgliedsunternehmen. Ihr zufolge haben in den vergangenen vier Jahren 47 Prozent der Betriebe Netzschwankungen registriert. Vor acht Jahren waren es nur 34 Prozent. In mehr als 10 Prozent der neuen Fälle dauerten die Störungen länger als drei Minuten. 19 Prozent der unter Netzschwankungen leidenden Gesellschaften sei dadurch ein „relevanter Schaden“ entstanden, hieß es.

          Investitionen von mindestens 72 Milliarden Euro

          „Viele Familienunternehmer sorgen sich um ihre sichere Versorgung mit Strom in einem System voller volatiler Energiequellen“, sagte der Verbandspräsident. Die Lage sei nicht zuletzt deshalb brisant, da Anbieter von Hochtechnologie auf eine „Versorgungsgarantie im Millisekundenbereich“ angewiesen seien. Für Eben-Worlée hat die Politik in ihrer jetzigen Strategie zur Energiewende die falschen Prioritäten gesetzt. „Spätestens die neue Bundesregierung darf sich nicht mehr allein nur auf ihre hohen Ausbauziele fokussieren, sondern muss das Gesamtsystem ins Auge fassen“, forderte er. „Auch die Erneuerbaren müssen Wege finden, eine Grundlast mit störungsfreien Stromlieferungen zu garantieren.“

          Wichtig sei überdies, die Verbrauchsflexibilisierung und die Eigenstromversorgung künftig zu belohnen, derzeit würden sie eher sanktioniert. Innovative Ansätze zur Energieversorgung in den Unternehmen müssten durch eine einfache und nachvollziehbare Gesetzgebung gefördert werden, „statt für das produzierende Gewerbe immer mehr juristische Unsicherheiten aufzubauen, die eine Investitionssicherheit in Frage stellen“, sagte Eben-Worlée.

          Damit künftig Strom vermehrt und verbessert transportiert werden kann, hat der Bundestag vergangene Woche den neuen Bundesbedarfsplan mit 35 neuen Vorhaben beschlossen. Zugleich legten die Übertragungsnetzbetreiber ihren neuen Netzentwicklungsplan bis 2035 vor. Er sieht neue Leitungen zwischen 800 und 1450 Kilometer Länge vor. Die Investitionen betragen mindestens 72 Milliarden Euro.

          Weitere Themen

          Spahn fordert harten Lockdown Video-Seite öffnen

          Die dritte Welle kommt : Spahn fordert harten Lockdown

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich erneut für einen harten Lockdown ausgesprochen und dabei ein einheitliches Vorgehen von Bund und Ländern gefordert. Die dritte Welle müsse unbedingt gebrochen werden, sagte er in Berlin.

          Topmeldungen

          Impfzentrum in Gera, aufgenommen Mitte März.

          Beschämende Impfbilanz : Das Haus, das Verrückte macht

          Die deutsche Impfbilanz ist beschämend, die Kampagne kommt viel langsamer voran als es nötig wäre. Aber die Politiker stört ihr Unvermögen offenbar noch nicht einmal. Darin liegt der eigentliche Affront.
          Amerikanische Soldaten im August 2015 in der afghanischen Provinz Nangarhar

          Amerikas Abzug aus Afghanistan : Erschöpfte Kapitulation?

          Joe Biden will in Kürze den Abzug der Soldaten aus Afghanistan verkünden. Der Einsatz dort gilt als gescheitert, die Zukunft ohne amerikanische Truppen ist ungewiss.
          Leere Bänke und Tische vor einer Kneipe in Halle/Saale am 12. April

          Corona-Politik : Die Bundes-Notbremse ist schädlich

          Das Gesetz über bundeseinheitliche Regeln zur Bekämpfung der Pandemie schafft keine Möglichkeiten, die es nicht schon gibt. Aber es nimmt den Landkreisen die Chance zum flexiblen Handeln. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.