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Energiesparen : Leuchtdioden: Ein neues Licht geht auf

Mit Leuchtdioden lässt sich viel Strom sparen Bild: dpa

Mit Leuchtdioden könnten schon heute 30 Prozent des für Licht verwendeten Stroms eingespart werden. Das ist viel: Denn ein Fünftel des in der Welt erzeugten Stroms wird für künstliche Beleuchtung verbraucht. Und die Einsatzvielfalt der Optoelektronik ist längst noch nicht genutzt.

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          Es hat noch nicht einmal richtig angefangen, die Potentiale sind nicht annähernd ausgemacht. Doch schon heute könnten mit der zur Verfügung stehenden Technik der Leuchtdioden (LED) bei kompletten Einsatz 30 Prozent des für Licht verwendeten Stroms eingespart werden. Das ist schon viel. Denn ein Fünftel des in der Welt erzeugten Stroms wird für künstliche Beleuchtung verbraucht. Wird das Halbleiter-Licht in den nächsten Jahren weiter entwickelt, könnten weitere 30 Prozent Einsparpotential hinzukommen, sagt Martin Goetzeler, Vorsitzender der Geschäftsführung von Osram. Das, rechnet er vor, würde 650 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Zu deren Absorption würde eine Waldfläche acht Mal so groß die Deutschland vonnöten sein.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Goetzeler nennt für den neuartigen Einsatz von Lichtquellen nur einen von vielen Nutzen der Photonik. Beleuchtungskonzepte wie die von LEDs sind eine Zukunftstechnologie, die langfristig Energie sparen soll. Auch wenn derzeit die Energiesparlampe zunehmend um Akzeptanz in der Bevölkerung suchen muss, gilt diese eher als ein Übergangsszenario. Die Zukunft liegt in den neuen Technologien von LED und von organischen LED (Oled), die auf Flächen Licht abstrahlen aber auch Sonnenlicht aufnehmen und in Strom umwandeln können (Photovoltaik).

          Licht als Schlüsseltechnologie der Zukunft

          Für Dieter Kurz ist Licht die Schlüsseltechnologie der Zukunft. „Mit Licht werden wir die Grenzen der Einsatzmöglichkeiten in der Medizin erheblich erweitern“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Medizintechnikherstellers Carl Zeiss. Schon heute gibt es Lichtmikroskope, die wesentlich genauer die Analyse von Viren ermöglichen. Statt der bislang gängigen Auflösung von 200 Nanometer steigt sie heute bis auf 20 Nanometer, was entscheidend bei der Erkennung ist.

          Zukunftsmusik ist indes noch die Prävention über den Einsatz von Licht. Neuartige Lichtquellen und optoelektronische Verfahren sollen dazu beitragen, frühzeitig Ursachen für spätere Krankheiten im Körper zu erkennen. So könnte der Ausbruch rechtzeitig verhindert werden. Biophotonik heißt das Forschungsfeld, mit dem über Lichtleitertechnologien die Früherkennung verbessert werden soll. Zwei Drittel aller Krankheiten seien nicht heilbar, sagt Kurz. Drei Viertel der Gesundheitsausgaben würden für die Behandlung von Symptomen ausgegeben, nicht für die Heilung, deutet der Carl-Zeiss-Chef die Potentiale der Medizintechnik der Zukunft an.

          Keine Zukunftsmusik ist der Einsatz von Lasertechnik in der Produktion, wie es der Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf GmbH + Co. KG bereits seit langem betreibt. Zwei Drittel des Umsatzes von rund 2,1 Milliarden Euro entfällt auf das Geschäft mit Laser; für Geräte, die als Strahlenquelle dienen; für Maschinen, die mit Laser Material wie Stahl und Bleche schweißen, schneiden, bohren. „Heute werden erst 20 Prozent der möglichen Anwendungen genutzt“, sagt Jens Bleher, Geschäftsführer von Trumpf Laser und Systemtechnik. „Also sind 80 Prozent noch gar nicht erschlossen.“

          Beste Chancen auf den Weltmärkten

          Osram, Zeiss und Trumpf – die Unternehmen sind einige der Initiatoren des Memorandums „Photonik 2020“, das am Montag in München auf der Messe „Laser World of Photonics“ in München vorgestellt wurde. Es ist eine Absichtserklärung. Im März 2010 sollen die Eckpunkte festgelegt sein. Die Initiative solle auf die bisherigen Erfahrungen aus dem ersten Vorstoß vor zehn Jahren draufsatteln, sagte Trumpf-Manager Bleher: „Der Anschluss darf nicht verpasst werden, das Memorandum ist ein Appell, dran zu bleiben.“ Photonik 2020 müsse auf viele Zukunftsfragen eine Antwort geben, intonierte Osram-Chef Goetzeler. „Denn die Wettbewerber schlafen nicht, schon gar nicht die aus Fernostasien.“

          Es gehe darum, in den nächsten neun Monaten die Anwendungsgebiete zu umreißen, mit denen die deutsche Industrie in der Optoelektronik die besten Chancen auf den Weltmärkten sieht, um im Wettbewerb vorne zu sein. Es geht darum, die Forschungsschwerpunkte festzulegen, die Marktpotentiale zu erkennen – und die kritischen Technologien auszumachen, wo die Erfolgsaussichten nicht so groß sind. Und es geht darum, die Grundlagen für die Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen, der Wissenschaft und auch der Politik festzuzurren.

          15 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung

          Japan, Korea, ja selbst China forcieren die Entwicklung von optischen Technologien. Die Vereinigten Staaten, die einmal den Laser entwickelt haben, wollen verlorenes Terrain zurückgewinnen. Der Konkurrenzkampf um die noch wenig öffentlich bekannte Technologie scheint ausgebrochen. In den nächsten zehn Jahren wollen die Deutschen 15 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung investieren, um Photonik „zum Innovationstreiber Nummer eins zu machen“.

          Dahinter steckt die Erwartung eines stark wachsenden Marktes, der bis 2015 deutlich überdurchschnittlich um rund 8 Prozent im Jahr wachsen soll. Bis dahin sollen zu den hierzulande in diesem Bereich Beschäftigten 140 000 Stellen weitere 40 000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Die Zahl könnte sogar noch höher ausfallen, wenn viele Anwendungsgebiete erschlossen werden. Der Weltmarkt für optoelektronische Anwendungen wird heute auf 200 Milliarden Euro geschätzt. Auf den deutschen Markt entfallen davon mehr als ein Zehntel. Das Volumen stieg hierzulande 2007 auf 22,3 Milliarden Euro. Das ist selbst in guten Wirtschaftszeiten ein überdurchschnittliches Plus von 13 Prozent gewesen.

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