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Energiepolitik : Frankreich baut Atomkraft aus

Bild: afp

Frankreich treibt die Erneuerung seiner Atomindustrie entschieden voran. Für rund 5 Milliarden Euro wird im Norden des Landes ein zweites Kernkraftwerk vom Typ des Europäischen Druckwasserreaktors gebaut. Ab 2017 soll das Kraftwerk Energie ins Netz einspeisen.

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          Frankreich wird ein zweites Kernkraftwerk vom Typ des Europäischen Druckwasserreaktors (EPR) bauen. Das neue Kraftwerk, dessen Baukosten Experten auf rund 5 Milliarden Euro schätzen, soll nahe des nordfranzösischen Städtchens Penly nordöstlich von Le Havre errichtet werden, teilte Präsident Nicolas Sarkozy mit. Der staatliche Stromerzeuger EdF werde das Kraftwerk von 2012 an bauen lassen und mit einer Inbetriebnahme im Jahr 2017 planen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der staatliche französische Kraftwerksbauer Areva erhält den Auftrag. Siemens verhandelt gerade mit Areva über den Verkauf seiner Minderheitsbeteiligung. Das deutsche Unternehmen sucht den Ausstieg, weil ihm aus seiner Sicht mit nur 34 Prozent der Einfluss fehlt (siehe Siemens steigt aus Gemeinschaftsunternehmen mit Areva aus ).

          Umweltschützer: Atomlobby macht Druck

          Frankreich dagegen treibt die Erneuerung seiner Atomindustrie entschieden voran. Seit 2007 baut Areva zusammen mit EdF bereits in Flamanville am Ärmelkanal den ersten EPR Frankreichs. Er soll trotz erster Verzögerungen 2012 ans Netz gehen, teilte EdF mit. Heute deckt Frankreich schon rund 80 Prozent seines Strombedarfs aus der Kernenergie. Kein anderes größeres Land kommt auf einen derart hohen Wert.

          Umweltschützer kritisierten die jüngste Ausbauankündigung. Sie sei ohne jede Konsultation oder ökonomischen und ökologischen Vergleich zu anderen Energiearten getroffen worden, sagte Yannick Rousselet von Greenpeace. Die Entscheidung sei auf Druck der französischen Atomlobby gefallen. Dabei habe Frankreich schon mehr als genug Nuklearstrom. „Nicolas Sarkozy ist dabei, seinen europäischen Nachbarn den französischen Atomstrom aufzuoktroyieren“, sagte Rousselet mit Blick auf die französischen Stromexporte. Er frage sich, wie Frankreich nun sein Ziel erreichen wolle, bis 2020 den Anteil seines Stromverbrauchs aus regenerativen Quellen auf 23 Prozent mehr als zu verdoppeln.

          Areva-Chefin: „Der EPR ist ein sehr deutscher Reaktor“

          Areva hob hervor, dass der jüngste EPR nun der fünfte in Bau befindliche Reaktor seiner Art sein werde. Der erste wird in Finnland gebaut, wo aufgrund von technischen Fehlern und Verzögerungen bei Sicherheitsgenehmigungen eine mindestens dreijährige Verspätung eingetreten ist. Neben Flamanville sind zwei weitere EPR in China auf den Weg gebracht worden. Areva begründet die Verzögerungen in Finnland mit den üblichen Schwierigkeiten eines Prototyps. Der EPR ist einst von der Areva-Vorgängergesellschaft Framatome zusammen mit Siemens entwickelt worden. Auch deutsche Sicherheitsbehörden sowie deutsche Kunden wie Eon und RWE wirkten daran mit, berichtete die Areva-Chefin in dieser Woche im Gespräch mit der F.A.Z:. „Der EPR ist ein sehr deutscher Reaktor“, sagte sie (siehe Areva-Vorstandschefin Lauvergeon: „Siemens wird von null anfangen müssen“).

          Nach französischen Pressemeldungen könnte Sarkozy demnächst auch einen dritten EPR in Auftrag geben. Dieser würde dann an den EdF-Konkurrenten GdF Suez gehen. Das kürzlich fusionierte Unternehmen hatte sich schon um den zweiten EPR beworben, soll nun aber nur in einer Juniorrolle daran mitwirken.

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