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Energiediscounter : Teldafax meldet Insolvenz an

Die Rettungsbemühungen haben nicht mehr geholfen - Teldafax stellt Insolvenzantrag Bild: dapd

Vor wenigen Tagen verbreitete Teldafax noch Optimismus, nun stellte der Stromverkäufer Antrag auf Insolvenz. Tausende von Kunden fürchten um ihre Vorauszahlungen. Ihre Strom- und Gasversorgung ist allerdings nicht gefährdet.

          Die Rettungsbemühungen haben Teldafax nicht mehr geholfen. Der größte unabhängige Strom- und Gashändler in Deutschland ist zahlungsunfähig. Das Troisdorfer Unternehmen hat am Dienstag Insolvenzantrag gestellt. Tausende von Kunden fürchten nun um ihre Vorauszahlungen. Ihre Strom- und Gasversorgung allerdings ist nicht gefährdet. Sollte Teldafax den Betrieb einstellen, fallen sie automatisch in die Grundversorgung zurück.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Das Unternehmen kämpft zwar seit Monaten um sein Überleben; der beim Amtsgericht Bonn eingereichte Insolvenzantrag kam dennoch überraschend. Denn erst vor wenigen Tagen hatte Teldafax noch Optimismus verbreitet und Gernot Koch anstelle des Sanierungsexperten Hans-Gert Höptner zum neuen Vorstandsvorsitzenden berufen. Das Amtsgericht hat den Rechtsanwalt Biner Bähr aus Düsseldorf zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

          „Teldafax hat im Markt viel Vertrauen verloren. Das macht Lösungen nicht einfacher“, sagte er in einer ersten Stellungnahme. Bähr will sich rasch einen ersten Überblick verschaffen und versuchen, den Fortbestand des Unternehmens zu sichern. Angesichts der starren Verhältnisse auf dem Energiemarkt „wäre es bedauerlich, wenn ein aktiver und unabhängiger Wettbewerber wie Teldafax aufgeben müsste“, sagte Bähr, der langjährige Sanierungserfahrungen mitbringt, unter anderem aus seinem Einsatz beim Kaufhauskonzern Hertie und dem Düsseldorfer Solarunternehmen Systaic.

          Bayer 04 Leverkusen muss sich einen neuen Trikotsponsor suchen

          Vorauszahlungen gibt es womöglich nicht zurück

          Teldafax hat sich mit sehr niedrigen Preisen binnen weniger Jahre einen riesigen Kundenstamm aufgebaut und seinen Umsatz in die Höhe getrieben, aber dabei immer größere Verluste aufgehäuft. Die Billigtarife reichten nicht aus, um die Kosten des Energieeinkaufs und des laufenden Betriebs zu decken. Rechnungen wurden nur noch mit Verspätung oder gar nicht mehr bezahlt. Zahlreiche Netzbetreiber sperrten Teldafax die Leitungen, so dass Kunden nicht mehr beliefert werden konnten.

          Von nach eigenen Angaben ehemals rund 780.000 Kunden gingen binnen weniger Monate rund 150.000 verloren. Allein in Hamburg und Berlin sind im Mai fast 50.000 frühere Teldafax-Kunden in die teurere Grundversorgung zurückgefallen. Viele von ihnen hatten Vorauszahlungen geleistet, um sich möglichst günstige Jahrestarife zu sichern.

          Verbraucherschützer äußerten sich skeptisch, dass sie ihr Geld zurückbekommen werden. Das Amtsgericht lehnte es ab, sich zum weiteren Verfahren zu äußern und verwies auf das Unternehmen. Wegen der erwarteten Kundennachfragen wurde eine Hotline geschaltet (Telefon: 0228/702-2216, -2217, -1908 und -1909). Zudem kann man sich im Internet unter www.insolvenzbekanntmachungen.de informieren.

          Millionenschwere Trikotwerbung mit Bayer Leverkusen gekündigt

          Noch Ende Mai hatte der neue Vorstandschef Koch die Hoffnung geäußert, dass das Unternehmen in der Lage sei, die Wende zu schaffen und zu einem „normalen Geschäftsalltag“ zurückzukehren. Sein Vorgänger Höptner, der als Sanierer des Textilunternehmens Schiesser bekannt geworden war, sah seine Aufgabe als erledigt an. Das Sanierungsgutachten sei fertig gestellt, in Kürze lägen wieder prüffähige Bilanzen vor, begründete er seinen Abschied. Koch versuchte noch in den vergangenen Tagen, den Sparkurs zu forcieren.

          Als eine seiner ersten Amtshandlungen kündigte er die millionenschwere Trikotwerbung beim Fußball-Bundesligaverein Bayer 04 Leverkusen. Bis zuletzt hatten sich die Hoffnungen des Unternehmens und seiner mehr als 500 Mitarbeiter auf weitere Finanzhilfen des Eigentümers gerichtet. Teldafax gehört zu 100 Prozent der Prime Mark Financial Group aus Zypern, die erst im März eingestiegen war. Die Gruppe soll 50 Millionen Euro eingebracht haben.

          Mit einer großformatigen Anzeige in Tageszeitungen - in Deutschland, aber auch in Asien und in der arabischen Welt - hat der Fußball-Erstligaverein Bayer 04 Leverkusen am Montag nach Ersatz für seinen bisherigen Trikot-Sponsor Teldafax gesucht. Akribisch listet der Verein darin Zuschauerzahlen und Sichtbarkeitsstunden auf. Ein ungewöhnliches Vorgehen - in der Regel bahnen sich solche Beziehungen in Gesprächen an. Man wolle auch Unternehmen ansprechen, die bislang noch nicht an Sponsoring gedacht hätten, heißt es vom Verein zur Begründung. Der Sponsoringverband Faspo sieht die Anzeige dagegen eher dem Zeitdruck geschuldet und hält sie für wenig imagefördernd. Bis zum 5. Juli läuft die Angebotsfrist. Viele Unternehmen dürften mitten im Jahr ihre Marketingbudgets aber schon verplant haben. (loe.)

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