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Energie : Strom wird in Deutschland immer teurer

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

In den letzten vier Jahren sind die Strompreise um bis zu 45 Prozent gestiegen. Die stetigen Erhöhungen und die regionalen Preisunterschiede lassen sich aber nur schwer rechtfertigen.

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          Die Strompreisspirale in Deutschland dreht sich unablässig weiter. Die meisten Stromversorger haben die Preise für die privaten Haushalte zum Jahresbeginn abermals kräftig angehoben. Im Durchschnitt betragen die Zuwächse für einen Durchschnittshaushalt, der im allgemeinen Tarif 3000 Kilowattstunden Strom im Jahr verbraucht, rund 5 Prozent. Damit sind die Strompreise seit dem Jahr 2000 - je nach Versorger - zwischen 15 und 45 Prozent gestiegen.

          Obwohl der Strom eine einheitliche Qualität aufweist, sind die Preisunterschiede in Deutschland in den vergangenen Jahren immer größer geworden: Stuttgarter zahlen an den Versorger Energie Baden-Württemberg (ENBW) für 3000 Kilowattstunden heute 632 Euro im Jahr, rund 45 Prozent mehr als im Jahr 2000. Dagegen können sich die Ostfriesen freuen: Dort hat der Versorger EWE den Preis seit dem Jahr 2000 nur um knapp 19 Prozent angehoben. Haushalte zahlen für 3000 Kilowattstunden Strom rund 540 Euro im Jahr.

          Rohstoffe sind teurer geworden

          Die meisten Versorger wie die Stadtwerke Düsseldorf begründen die steigenden Strompreise mit zunehmenden Kosten für die Rohstoffe Kohle und Gas. "Unsere Brennstoffkosten sind um 22 Prozent gestiegen, und für den Strom zahlen wir an der Handelsbörse in Leipzig 11 Prozent mehr als im Vorjahr. Zudem hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz Strom um 7 Prozent teurer gemacht. Insgesamt sind unsere Kosten um 14 Prozent gestiegen. Einen Teil davon haben wir an unsere Kunden weitergegeben", begründet Roland Kreutzberger, Sprecher der Stadtwerke Düsseldorf, die Preisanhebung um 6,4 Prozent. Das Energieministerium Nordrhein-Westfalen, das Änderungen der Strompreise zustimmen muß, habe die Erhöhung in vollem Umfang gebilligt, fügte Kreutzberger hinzu.

          Das war nicht in jedem Fall so. Das Ministerium hat die Preisanträge der 108 nordrhein-westfälischen Versorger im Durchschnitt um fast 20 Prozent gekürzt, da die Versorger in der Vergangenheit unzulässig hohe Gewinne erzielt hätten. Den Verdacht, daß die Versorger die Preise stärker angehoben haben, als der Anstieg der Kosten rechtfertigt, hegt auch Peter Ahmels, Vorstand des Bundesverbandes Windenergie. "Das von den Energieversorgern häufig genannte Argument, ein großer Teil der Preisanhebung sei auf die erneuerbaren Energieträger zurückzuführen, ist eine Schutzbehauptung. Nur 10 Prozent der aktuellen Erhöhungen lassen sich mit dem Ausbau der Stromnetze für die Einspeisung der erneuerbaren Energie erklären", sagte Ahmels. Nach seinen Berechnungen sind lediglich 0,62 Cent des Durchschnittspreises von 19,2 Cent je Kilowattstunde Strom auf die Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz zurückzuführen.

          Positives Unikum

          Schließlich zeigen Versorger wie die GEW Rheinenergie in Köln, daß der Strom trotz gestiegener Rohstoffkosten nicht teurer werden muß. "Wir haben unseren Haushaltskunden eine Preisgarantie für 2005 gegeben", sagte Sprecher Christoph Preuß. Die Preisgarantie sei möglich gewesen, weil das Unternehmen die internen Kosten stark gesenkt und Größenvorteile erzielt habe.

          Mit einem Wechsel Geld sparen

          GEW Rheinenergie ist aber eine Ausnahme auf dem deutschen Strommarkt. Anreize, die internen Kosten zu senken, sind wegen des Mangels an Wettbewerb kaum vorhanden. Nur etwa 4 Prozent der Stromkunden haben ihren Versorger seit Beginn der Liberalisierung im Jahr 1998 gewechselt. In Düsseldorf sei der Anteil der Einwohner, die ihren Stromlieferanten gewechselt haben, mit weniger als 1 Prozent besonders niedrig. "Die Strompreise interessieren die Menschen relativ wenig. Sie haben Vertrauen zu uns - da spielen 20 Euro im Jahr keine Rolle", sagte Kreutzberger.

          Lukrative Wechsel

          Mit jeder Preiserhöhung steigt allerdings der Anreiz für die Stromkunden, den Versorger zu wechseln. Zum Beispiel bietet das Überlandwerk Groß-Gerau 3000 Kilowattstunden Strom in der Hochpreisregion Stuttgart für rund 550 Euro an, etwa 20 Prozent günstiger als ENBW. Auch die Stadtwerke Düsseldorf sind außerhalb ihres Stammgebietes als Anbieter tätig. "Wir haben bereits 70 000 Kunden gewonnen. Allerdings ist die Gewinnmarge in diesem Geschäft sehr gering. Wir kämpfen um jeden Durchleitungsvertrag, um den Strom zum Kunden zu transportieren", sagte Kreutzberger.

          Die Höhe der Entgelte für die Nutzung fremder Stromnetze gilt als Schlüssel für mehr Wettbewerb auf dem Strommarkt. Die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, die in diesem Jahr auch auf dem Strommarkt tätig wird, soll vor allem die Netznutzungsentgelte unter die Lupe nehmen. Nach Ansicht von Branchenkennern lassen sich die Netznutzungsentgelte in den kommenden fünf Jahren leicht um 15 bis 20 Prozent senken. Das schafft Spielraum für wieder sinkende Strompreise.

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