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Endlich ein Internetshop : Media Markt kann's nicht online

  • -Aktualisiert am

Eine dritte Marke soll Media-Saturn endlich Ende 2011 in Deutschland ins Internet bringen Bild: AP

Lange versprochen, nie gehalten: Media Markt hat immer noch keinen Online-Shop. Nun hat der Ex-Chef genug. Und macht sich selbst ans Werk. Eine neue Marke soll her.

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          Vieles hat Europas größter Elektrohändler versucht, um im Internet Fuß zu fassen. Gefruchtet hat es wenig. Der Online-Handel ist für die erfolgsverwöhnte Media-Saturn-Holding mit Sitz in Ingolstadt eine Folge von Niederlagen. Über Pilotversuche in Österreich und den Niederlanden sind die ruppigen Krämer („Geiz ist geil“, „Ich bin doch nicht blöd“) nicht hinausgekommen. Berater wurden geheuert und wieder gefeuert, Manager ausgewechselt – mit einem einzigen Erfolg: Der Start in Deutschland verschiebt sich immer weiter.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ende 2011 soll es nun wirklich losgehen. Derweil trumpfen kleine Internetbuden und fachfremde Anbieter auf. Eine Frechheit, nicht länger hinnehmbar, findet Mediamarkt-Gründer Erich Kellerhals, dem 20 Prozent an dem Konzern gehören.

          Die Verzweiflung des 70 Jahre alten Mannes, der von seinem Salzburger Domizil aus sein erhebliches Vermögen verwaltet, ist so groß, dass er nun die Flucht nach vorn antritt: Der Selfmade-Milliardär, der 1963 mit seiner Frau den ersten Fernsehladen aufgesperrt hat, mag dem Online-Elend nicht länger zugucken: Am kommenden Freitag werden deshalb die Gesellschafter der Media-Saturn-Holding eine strategische Kehrtwende einläuten: Schluss mit der Stümperei. Wenn es intern nicht läuft, muss eine Lösung von außen her: Eine dritte Marke soll entstehen, ein eigenständiger Web-Shop, simpel und günstig, als interne Konkurrenz zu Media-Markt und Saturn, ohne dort angedockt zu werden.

          Dritte Marke keine Gefahr für den Rest

          Ein internetaffiner Unternehmer soll dafür verpflichtet werden, notfalls will ihn Media-Saturn mitsamt Laden vom Markt wegkaufen. Der Preis dafür scheint zweitrangig, Hauptsache, es geht rasch. „Lieber einfach und schnell als kompliziert und vielleicht nie“, bestätigt ein Sprecher der Familie Kellerhals dementsprechende Pläne. Und an den komplexen Media-Saturn-Auftritten kann trotzdem weiter gebastelt werden.

          Handelspionier Kellerhals ist überzeugt, dass die zusätzliche Marke keine Gefahr für den Rest darstellt, schließlich hat er Erfahrung mit dem „Mehr-Marken-Prinzip“: Seit 20 Jahren bilden Media-Markt und Saturn einen Konzern und marschieren trotzdem getrennt, so dass nur scheinbar ein Wettbewerb auf dem Markt für Fernseher, Computer und Waschmaschinen tobt.

          Nun ist der Gedanke naheliegend, dass ein Kühlschrank, der online bestellt wird, nicht noch ein zweites Mal im Media Markt angeschafft wird. Trotzdem sind sich die Strategen der Metro, mit 75 Prozent der größere Media-Saturn-Eigner, einig mit Kellerhals, dass eine Kannibalisierung zu verhindern ist: Die dritte Marke runde die Zielgruppe nach unten ab, heißt es auf internen Folien. Das Konzept – wenig Service, tiefe Preise – erschließe eine neue „preissensible“ Klientel: Aber zielen Media- und Saturn-Werbung nicht auch auf die Schnäppchenjäger?

          Die Konkurrenz aus dem Netz

          Egal, so kann es jedenfalls nicht weitergehen, haben die Media-Saturn-Eigner beschlossen: Erstmals seit Menschengedenken sinken in Deutschland, pro Quadratmeter gerechnet, die Umsätze der Elektromärkte. Über Jahre haben sie, mit teils rüden Methoden, die Konkurrenz an die Wand gedrückt, gegen die jungen Wettbewerber aus dem Netz jedoch haben sie kein Mittel.

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