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Endlich ein Internetshop : Media Markt kann's nicht online

  • -Aktualisiert am

Dort aber spielt künftig die Musik. Der Marktanteil der Internetshops in diesem Bereich wird laut Konsumforscher um 50 Prozent steigen bis zum Jahr 2015. Und dass dort ausgerechnet ein ehemaliger Media-Markt-Manager vorneweg marschiert, macht die Schmach noch größer: Reiner Heckel heißt der Abtrünnige, der im Jahr 2003 in Aschaffenburg den Versandhandel „Redcoon“ aufgezogen hat und sich heute forsch als „Europas großer Online-Shop für Elektronik“ präsentiert: Fünf Millionen Besucher empfängt er jeden Monat in seinem Internet-Laden, jeden Tag gewinne er 2000 Neukunden, tönt Heckel und verweist auf fabelhafte Umsatzzuwächse: Plus 32 Prozent im Januar gegenüber dem Vorjahr, 35 Prozent waren es – dank Weihnachten – im Dezember. Kein Wunder, dass die Media-Saturn-Strategen „Redcoon“ als eines der ersten Übernahmeziele ausgemacht haben. Verhandelt wird über einen Einstieg, so ist zu hören, beschlossen ist noch nichts. Offiziell kommentiert wird sowieso nichts.

Uneinigkeiten zwischen Gründer und Mehrheitseigner

Von dem Plan mit der dritten Marke zeigen sich jedenfalls alle im Media-Saturn-Reich so angetan, dass sie sich schon kabbeln, wer die Idee dafür hatte, denn das Binnenverhältnis ist höchst komplex: Welten treffen da aufeinander. Hier die Mehrheitseigner (75 Prozent), die Metro, einer der größten Händler der Welt, smarte Manager, die an Zahlen und Berater glauben. Dort die reich gewordenen Gründer Erich Kellerhals und Leopold Stiefel, hemdsärmelige Unternehmer, die eine natürliche Abneigung gegen angestellte Manager hegen. Den beiden Pionieren gehören zusammen nicht einmal mehr 25 Prozent, sie haben aber ein weitgehendes Vetorecht für sich ausgehandelt, als sie ihre Kette seinerzeit an die Metro verkauft haben: Jedem einzelnen neuen Markt müssen die Altvorderen zustimmen.

Das kann einem Eckhard Cordes, selbstbewusster Chef der Metro, nicht schmecken. Reibungsverluste sind die Folge, und so geben sich bis heute beide Seiten die Schuld dafür, dass es im Internet nicht recht vorangeht: Aus Düsseldorfer, also Cordes-Sicht, blockieren die Traditionalisten in Ingolstadt, die in der Provinz erst allmählich von Firmen wie Amazon mitbekommen. In der Media-Saturn-Zentrale dagegen rümpft man die Nase über die großspurigen Powerpoint-Helden der Metro, denen der Handel erst noch beigebracht werden muss.

Viele schwierige Fragen

Von diesen Nickeligkeiten abgesehen liegt ein Grund für das Scheitern der bisherigen Strategie in der speziellen Konstruktion des Konzerns: Jeder einzelne Media-Markt-Geschäftsführer ist ein eigenständiger Unternehmer, mit etwa zehn Prozent an seinem Laden beteiligt. Er entscheidet selbständig über Sortiment wie Preise – je nach regionaler Konkurrenz.

Wie verträgt sich das mit einem einheitlichen Online-Auftritt mit einheitlichen Preisen? Wie wird intern verrechnet, wenn im Netz gekaufte Ware im Markt repariert oder umgetauscht wird? Alles schwierige Fragen. Und überhaupt: Was haben die einzelnen Geschäftsführer davon, dass ihnen im Internet Konkurrenz aus dem eigenen Haus erwächst? Wie schwierig diese Verzahnung hinzubekommen ist, hat der Wettbewerber Electronic Partner leidvoll erfahren: Die 700 selbständigen EP-Händler hatten einen gemeinsamen Online-Shop gestartet. Nach dem sogenannten Multi-Channel-Prinzip, das Kunden durchaus behagt: Günstig bestellen im Netz, abholen und reparieren im Laden. Lange ging das nicht gut, das Projekt wurde eingestellt, der Streit dauert bis heute an.

Um solche Konflikte zu dämpfen und die Geschäftsführer vor Ort für die Idee mit der dritten Marke zu gewinnen, schlägt Media-Markt-Gründer Kellerhals deshalb vor, dass die Kaufleute sich an der neuen Firma ebenfalls beteiligen können – dann verdienen sie mit im Internet. Vorausgesetzt, der nächste Versuch klappt.

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