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Ende einer gescheiterten Fusion : Time Warner spaltet AOL ab

AOL und Time Warner: Die beiden Unternehmenskulturen fügten sich nie zusammen Bild: dpa

AOL und Time Warner haben sich auf dem Höhepunkt des Internetbooms im Jahr 2001 zusammengeschlossen.Die Trennung markiert einen symbolträchtigen Schlussstrich für eine Verbindung, die als einer der größten Fusionsflops aller Zeiten gilt.

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          Eine der spektakulärsten Fusionen in diesem Jahrzehnt wird offiziell rückgängig gemacht. Der New Yorker Medienkonzern Time Warner hat am Donnerstag angekündigt, seinen Internetdienst AOL vollständig abzuspalten. AOL soll bis Ende dieses Jahres zu einem selbständigen und börsennotierten Unternehmen werden. Die Trennung markiert einen symbolträchtigen Schlussstrich unter eine Verbindung, die als einer der größten Fusionsfehlschläge aller Zeiten gilt.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Abspaltung unterstreicht, wie tief AOL in den vergangenen Jahren gesunken ist. Aus dem einstigen Überflieger der Internetbranche, der den traditionsreichen Mediengiganten Time Warner im Handstreich übernommen hat, ist ein ungeliebtes Konzernstiefkind geworden, das nun abgestoßen wird. AOL hatte den Kauf von Time Warner mit seinen damals hoch bewerteten Aktien Anfang 2000 angekündigt. Die Übernahme wurde ein Jahr später vollzogen. Die Verbindung erwies sich aber schnell als schwierig, zumal die Internetblase bald platzte. Die beiden Unternehmenskulturen fügten sich nie zusammen, versprochene Synergien wurden nicht gehoben, und der kombinierte Konzern mit dem Namen AOL Time Warner häufte einen gewaltigen Schuldenberg an. Im Jahr 2002 wies das Unternehmen einen Nettoverlust von fast 100 Milliarden Dollar aus, der vor allem auf Firmenwertabschreibungen bei AOL zurückging.

          Aol wurde bald zur bloßen Tochtergesellschaft degradiert

          Danach verschoben sich die Machtverhältnisse im Konzern immer weiter zugunsten der traditionellen Mediengeschäfte von Time Warner wie Film und Fernsehen. Im Jahr 2003 wurde in einem symbolträchtigen Schritt AOL aus dem Firmennamen gestrichen, der Internetdienst war damit offiziell zur bloßen Tochtergesellschaft degradiert.

          AOL geriet danach immer weiter unter Druck, vor allem in seinem angestammten Geschäft mit Internetzugängen. Die Gesellschaft war traditionell vor allem auf langsamere Zugänge spezialisiert, mit denen sich die Kunden über die Telefonleitung mit einem Modem einwählen (Dial-Up). Immer mehr Kunden wanderten aber zu schnelleren Breitbandangeboten ab. Time Warner versuchte es daher mit einer Neuausrichtung von AOL und verlagerte den Schwerpunkt des Geschäftsmodells von den Gebühreneinnahmen zur Online-Werbung.

          Trennung hat sich schon im April angedeutet

          AOL stellte sich damit also ähnlich auf wie die Wettbewerber Yahoo oder Google, die sich ebenfalls vor allem über Werbung finanzieren. Zwischenzeitlich ließen sich damit zwar die Einbußen bei den Gebühren auffangen. Aber in jüngster Zeit ist der Internetdienst von der Wirtschaftskrise wieder zurückgeworfen worden. Im ersten Quartal erlitt AOL einen erheblichen Umsatzrückgang um 23 Prozent auf 867 Millionen Dollar. AOL hat heute nur noch 8000 Mitarbeiter. Vor dem Zusammenschluss mit Time Warner waren es 18.000.

          Schon im April hatte Time Warner gesagt, über die Zukunft von AOL nachzudenken. Dabei wurde eine Abspaltung als wahrscheinlichstes Szenario bezeichnet. Vor der Abspaltung will Time Warner noch den 5-Prozent-Anteil an AOL zurückkaufen, der im Jahr 2006 an Google abgegeben wurde. Google hatte damals eine Milliarde Dollar dafür bezahlt. Nach gewaltigen Abschreibungen steht die Beteiligung aber nur noch mit 274 Millionen Dollar in den Büchern des Internetkonzerns. AOL hatte sich kürzlich bei Google bedient, um seine Führung neu zu besetzen: Im März übernahm Tim Armstrong den Posten als Vorstandsvorsitzender von AOL. Armstrong verantwortete vorher für Google das Geschäft in Nord- und Südamerika. Time Warner hat vor einiger Zeit bereits sein Kabelgeschäft abgespalten. Auch über die Zukunft des Zeitschriftenverlags Time Inc. im Konzern wird immer wieder spekuliert.

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