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Ende einer Fluglinie : Air Berlin sagt Tschüs

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Kurz vor Berlin meldet sich der Kapitän zu Wort. „Wir haben neue Freunde gefunden, Städte einander näher gebracht, wir haben ein Land gesehen, dass sich vereint“, sagt Kapitän David McCaleb. „Irgendwo sehen wir uns wieder, vielen Dank für alles.“ Er würde gern noch fünf Jahre fliegen, bis zur Rente. Wie es für ihn weitergeht, weiß aber auch McCaleb nicht. Er fährt Fahrwerk und Klappen aus, damit das Flugzeug auch von unten angeleuchtet wird. 1000 Meter über Grund fliegt die Maschine jetzt quer über Berlin, an allen Wahrzeichen und Verkehrsknotenpunkten vorbei. McCaleb fliegt ein Herz in den Himmel, und in der Nähe von Tegel lässt jemand ein Feuerwerk steigen. Manchen Passagieren kommen die Tränen. Nur der Herr auf 6B ist eingeschlafen.

Tausende Menschen warten in Tegel

Zwei Minuten vor Mitternacht setzt der Airbus 320 auf. In Tegel, heißt es, hätten sie alle Regelungen außer Kraft gesetzt, man hätte im Zweifelsfall bis ein Uhr nachts landen können. Der Purser bedankt sich bei den Passagieren für ihre „unerschütterliche Treue“ und bei der Crew für die gute Zusammenarbeit. „Sicher hat man es uns nicht leicht gemacht. Uns Steine in den Weg gelegt. Nun hat man es geschafft – wir sind am Boden. Wir sagen jetzt nicht Auf Wiedersehen, wir sagen Tschüss. Vielen Dank, passen Sie auf sich auf, und behalten Sie uns in guter Erinnerung.“ Der Blick aus dem Fenster ist atemberaubend: Tausende Menschen begrüßen das Flugzeug in Tegel. Auf den Treppen anderer kurz zuvor gelandeter Flugzeuge stehen Flugbegleiterinnen und formen Herzen mit ihrer Hand. In Tegel wird das Flugzeug mit Wasserfontänen begrüßt. Die Sirenen dutzender Rettungswagen heulen. Als die Tür geöffnet wird, herrscht eine Geräuschkulisse wie nach einem Elfmetersieg.

Passagiere weinen, die Flugbegleiter auch. Den Tod einer großen Airline erlebt man wohl nur einmal im Leben. „Ich war nur ein Kunde, aber dieser Flug fühlte sich an wie ein Todesfall im engsten Familienkreis“, sagt ein Berater, der schon hunderte Male mit Air Berlin geflogen ist und an dem das Ereignis nicht spurlos vorübergegangen ist. „Ich kannte jeden Flugbegleiter auf diesem Flug.“ Aber es ist nicht alles schlecht an diesem Abend: Während des Fluges war bekannt geworden, dass der britische Low-Cost-Carrier Easyjet Teile des Betriebs am Flughafen Tegel von Air Berlin übernehmen will, für 40 Millionen Euro. 25 Flugzeuge werden übernommen, die Mitarbeiter sollen übernommen werden.

Um 23.58, Mit einer Stunde und 13 Minuten Verspätung, ist das letzte Air Berlin-Flugzeug in Tegel gelandet. Beschwert darüber hat sich niemand. Doch, einer: „Hätte ich gewusst, was das für ein Brimborium wird – ich hätte die Bahn genommen“, sagt ein Mann, der versehentlich hier herein geraten ist. Er steht noch um halb zwei am Gepäckband und wartet. Sein Koffer ist nicht angekommen.

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