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Ende einer Ehe : Daimler verkauft Chrysler

  • Aktualisiert am

Chrysler geht in neue Hände: Cerberus-Chef John Snow mit Daimler-Chef Dieter Zetsche Bild: dpa

Daimler-Chrysler wird zur „Daimler AG“ - und Vorstandschef Zetsche gibt sich sentimental. Die Entscheidung, den größten Teil von Chrysler an den Finanzinvestor Cerberus zu verkaufen, sei ihm „nicht leicht gefallen“, sagte er am Montag. Einen weiteren Stellenabbau wollte Zetsche nicht ganz ausschließen.

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          Daimler-Chrysler-Chef Dieter Zetsche hat den Verkauf der amerikanischen Sparte Chrysler als Befreiungsschlag für den Restkonzern bewertet. Zetsche sagte am Montag in Stuttgart: „Wir haben die Entscheidung, dies zu tun, vor dem Hintergrund einer umfassenden Überprüfung unserer Strategien sowohl für unsere vier Geschäftsfelder als auch für das gesamte Unternehmen getroffen.“ Die Synergien zwischen Mercedes und Chrysler seien ausgeschöpft gewesen. Darüber hinausgehende Möglichkeiten zur Zusammenarbeit seien angesichts der unterschiedlichen Segmente begrenzt.

          „Es war also klar, dass wir eine Lösung finden mussten. Und wir haben die richtige Entscheidung getroffen. Gleichzeitig ist mir persönlich - angesichts meiner Verbundenheit mit Chrysler - diese Entscheidung nicht leicht gefallen“, sagte Zetsche.

          Zuvor war bekannt geworden, dass Daimler-Chrysler neun Jahre nach der Fusion wieder den größten Teil seiner amerikanische Sparte abstößt: Der amerikanische Finanzinvestor Cerberus übernimmt die Mehrheit an Chrysler und zahlt dafür den Stuttgartern 5,5 Milliarden Euro. Cerberus werde rund 80 Prozent an der angeschlagenen Sparte kaufen, Daimler behalte die restlichen Anteile. Die Transaktion solle im dritten Quartal abgeschlossen werden. Bestehende Projekte mit Mercedes sollen fortgesetzt werden. Zetsche sagte, dass sei einer der Gründe, warum man weiterhin 19,9 Prozent der Anteile halte.

          Chrysler-Emblem
          Chrysler-Emblem : Bild: ddp

          Kein personeller Kahlschlag

          Die Trennung von der amerikanischen Tochter könnte auch in der Verwaltung der künftigen Daimler AG Arbeitsplätze kosten. „Ich kann kleinere Anpassungen nicht ausschließen“, sagte Zetsche am Montag. Der größte Teil der Einsparungen sei mit früheren Restrukturierungsprogrammen aber bereits geschafft. Die Trennung von Chrysler werde keinen personellen Kahlschlag zur Folge haben. Grundsätzlich habe das Management aber seine Hausaufgaben gemacht. Der Autobauer sei gut aufgestellt.

          Nach der Scheidung wird auch der Name geändert: Aus Daimler-Chrysler soll künftig die Daimler AG werden. Zetsche erklärte: „Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft - für Daimler und für Chrysler. Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen.“

          „Unser Interesse ist langfristiger Natur“

          Cerberus-Chef John Snow unterstrich das langfristige Interesse seiner Gesellschaft an Chrysler. „Wir denken nicht ans nächste Quartal, unser Interesse ist langfristiger Natur.“ Der Schwerpunkt werde künftig auf der operativen Entwicklung von Chrysler liegen. Der frühere Daimler-Chrysler-Manager Wolfgang Bernhard, der Cerberus bei den Verkaufs-Verhandlungen beraten hatte, werde aber nicht zum neuen Management des Unternehmens gehören.

          Snow will Chrysler wieder an die Spitze der nordamerikanischen Autobauer führen. Er gab am Montag in Stuttgart das Ziel aus, dass Chrysler in den Vereinigten Staaten an erster Stelle stehen solle. Der Finanzinvestor unterstütze die Pläne von Chrysler-Chef Tom LaSorda, wonach der Hersteller umgebaut werden soll. Im Zuge der Sanierung sollen unter anderem 13.000 Stellen wegfallen. Es gebe eine
          Chance für mehr Wachstum, betonte der Cerberus-Chef, der bis 2006 amerikanischer Finanzminister war.

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