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Musk kauft Twitter : Das Ende einer langen Übernahmesaga

Elon Musk will Twitter offenbar selbst führen. Bild: AFP

Kurz vor Ablauf der Frist vollzieht Elon Musk die Übernahme von Twitter. Angeblich will der Tech-Milliardär den Chefposten beim Kurznachrichtendienst zunächst selbst übernehmen. Einige Top-Manager hat er offenbar sofort entlassen.

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          Eine lange Übernahmesaga ist zu Ende: Elon Musk hat am Donnerstag die Übernahme von Twitter vollzogen. Das berichteten mehrere amerikanische Medien übereinstimmend. Demnach hat der Vorstandsvorsitzende des Elektroautoherstellers Tesla auch umgehend damit begonnen, im Unternehmen aufzuräumen. Wie es heißt, hat er mehrere Top-Manager sofort entlassen, darunter den bisherigen Vorstandschef Parag Agrawal und Finanzvorstand Ned Segal. Nach Angaben der Washington Post wurden Manager eilig aus den Twitter-Büros hinauseskortiert.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Somit hat Musk unmittelbar damit begonnen, dem Unternehmen seinen Stempel aufzudrücken. Dass er die gegenwärtige Führung auswechseln würde, ist keine Überraschung. Er hat sich in der Vergangenheit wiederholt sehr kritisch über Parag Agrawal geäußert. Unklar bleibt vorerst, wer Twitter künftig führen wird. Musk hat sich in seinem eigenen Twitter-Profil am Mittwoch „Chief Twit“ genannt und damit Spekulationen befeuert, er könnte selbst Vorstandschef werden wollen. Er führt freilich schon zwei andere Unternehmen, Tesla und den Raumfahrtspezialisten SpaceX.

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          Musk sah sich einer Frist bis zum Freitag gegenüber, um die Transaktion mit Twitter zu vollziehen. Die Übernahme wurde im April vereinbart, aber Musk versuchte zwischenzeitlich, den Vertrag wieder aufzulösen. Twitter verklagte ihn, und alles schien auf einen Gerichtsprozess hinauszulaufen, bis Musk dann vor wenigen Wochen wieder abrupt seine Meinung änderte und sagte, er wolle Twitter doch zum ursprünglich vereinbarten Preis von 44 Milliarden Dollar kaufen. Die Richterin in dem Rechtsstreit setzte dann eine Frist bis zum 28. Oktober, um die Akquisition unter Dach und Fach zu bringen.

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          Danach blieben immer noch Zweifel, ob Musk es wirklich ernst meint, aber in den vergangenen Tagen schien alles auf einen Vollzug der Übernahme hinauszulaufen. Am Mittwoch kam Musk in die Zentrale von Twitter und sprach mit Mitarbeitern. Er zeigte sich nach vielen kritischen Tönen in der Vergangenheit auch versöhnlich und twitterte, er habe „viele coole Leute“ im Unternehmen getroffen. Das scheint ihn freilich nicht abgehalten zu haben, sofort im Top-Management aufzuräumen.

          Zuvor hatte Musk am Donnerstag auf Twitter seine neue Rolle als Eigentümer schon als Tatsache beschrieben. Er veröffentlichte einen längeren Eintrag dazu, „warum ich Twitter gekauft habe“, und richtete ihn an die „lieben Werbekunden“. Er sagte, er habe es nicht getan, weil er mehr Geld verdienen möchte oder weil es einfach sei. Er habe es getan, „um der Menschheit zu helfen, die ich liebe“. Es sei „wichtig für die Zukunft der Zivilisation“, einen digitalen öffentlichen Platz zu haben, wo viele verschiedene Überzeugungen debattiert werden könnten.

          Musk hat die Übernahme von Twitter in den vergangenen Monaten oft als eine Art Feldzug für freie Meinungsäußerung beschrieben und angedeutet, unter ihm würden die Nutzerrichtlinien gelockert. Er hat auch gesagt, er würde die gegenwärtige Twitter-Sperre für den früheren US-Präsidenten Donald Trump aufheben. Das hat Sorgen geweckt, Twitter könnte unter ihm zu einer extremeren Plattform werden und Werbekunden könnten sich abwenden. Sein Schreiben am Donnerstag zielte offenbar darauf ab, Werbekunden zu beruhigen. Er sagte, Twitter könne keine „Hölle werden, in der alles geht“. Twitter habe den Ehrgeiz, „die respektierteste Werbeplattform in der Welt“ zu werden.

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