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Elektroautohersteller : Tesla schafft weiteren Gewinn

Logo des Elektroautoherstellers in einem Geschäft Bild: dpa

Der Elektroautohersteller übertrifft die Erwartungen – trotz Corona-Krise. Die Aktie setzt ihren Höhenflug fort. Elon Musk kündigt den Bau eines neuen Werks an.

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          Tesla hat zum ersten Mal in seiner Geschichte vier Quartale in Folge einen Gewinn ausgewiesen. Am Mittwoch nach Börsenschluss meldete der Elektroautohersteller für die vergangenen drei Monate einen Nettogewinn von 104 Millionen Dollar, vor einem Jahr hatte es einen Verlust von 408 Millionen Dollar gegeben. Er ist damit auf dem Weg, im Gesamtjahr 2020 profitabel zu sein, was ihm noch in keinem Jahr zuvor gelungen ist.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Zahlen lagen deutlich über den Erwartungen, und der Aktienkurs legte im nachbörslichen Handel zeitweise um sieben Prozent auf 1700 Dollar zu. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs in etwa vervierfacht. Tesla hat derzeit eine Marktkapitalisierung von rund 300 Milliarden Dollar und ist damit der am höchsten bewertete Autohersteller der Welt. Erst vor wenigen Wochen hatte das Unternehmen diesen Titel vom japanischen Hersteller Toyota übernommen, der bei etwas mehr als 200 Milliarden Dollar liegt und mittlerweile einen gewaltigen Rückstand hat. Tesla hat auch die deutschen Hersteller Volkswagen, BMW und Daimler abgehängt, die zusammen auf eine Marktkapitalisierung von knapp 155 Milliarden Euro kommen. Der gegenwärtige Aktienkurs von Tesla liegt auch weit über den 420 Dollar, die Vorstandschef Elon Musk vor zwei Jahren als Preis im Falle eines möglichen Rückzugs von der Börse ins Spiel gebracht hat. Diese Pläne hat er nach kurzer Zeit wieder aufgegeben.

          Der vierte Quartalsgewinn in Folge ist für Tesla insofern von größerer Bedeutung, weil das Unternehmen damit ein Kriterium für die Aufnahme in den Börsenindex S&P 500 erfüllt. Die Aussicht darauf hat in den vergangenen Wochen zu den Kursgewinnen beigetragen.

          Grünheide soll nächstes Jahr schon Autos ausliefern

          Im abgelaufenen Quartal hat Tesla knapp 91.000 Autos ausgeliefert. Das waren zwar fünf Prozent weniger als im vergangenen Jahr, aber angesichts der Corona-Krise, die das Tesla-Stammwerk in Kalifornien für fast die Hälfte des Quartals lahmlegte, war das besser als ursprünglich von Analysten erwartet. Musk hat sich wegen der erzwungenen Schließung einen öffentlichkeitswirksamen Streit mit dem Landkreis, in dem das Werk liegt, geliefert. Er hat ihn verklagt und die Produktionsstätte früher als erlaubt hochgefahren, zwischenzeitlich drohte er mit einem Wegzug aus Kalifornien. Bei der Vorlage der letzten Quartalszahlen im April nannte er Ausgangsbeschränkungen im Zuge der Pandemie „faschistisch“.

          Tesla-Aktie

          TESLA INC. DL -,001

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          Die Produktionsunterbrechungen in Amerika konnte Tesla offenbar zum Teil über sein erst Ende 2019 eröffnetes Werk in Schanghai ausgleichen. Das Unternehmen bereitet derzeit auch den Bau eines neuen Auto- und Batteriewerks im brandenburgischen Grünheide vor und sieht sich nach Angaben vom Mittwoch weiter im Plan, von dort aus im nächsten Jahr Autos ausliefern zu können. In Deutschland soll das „Model Y“ gefertigt werden, Teslas jüngstes Modell, das erst vor wenigen Monaten auf den Markt gekommen ist. Das Unternehmen will außerdem in den Vereinigten Staaten ein weiteres Werk bauen und teilte jetzt in seinem Quartalsbericht mit, das texanische Austin als Standort ausgewählt zu haben.

          Lesetipp: Sind die Tesla-Fans wahnsinnig geworden? Eine Analyse zum steilen Tesla-Aktienkurs.

          Der bereinigte Gewinn je Aktie im zweiten Quartal betrug 2,18 Dollar und lag damit weit über den Prognosen von Analysten, die im Schnitt mit 3 Cent gerechnet hatten. Zur Profitabilität dürften Emissionspunkte beigetragen haben, die das Unternehmen von Regierungen für die Produktion von Elektroautos bekommt und an andere Hersteller weiterverkaufen kann. Damit nahm Tesla 428 Millionen Dollar ein, vor einem Jahr waren es 111 Millionen Dollar.

          Das Unternehmen selbst führte sein höheres Ergebnis indessen auf „fundamentale operative Verbesserungen“ zurück. Zusätzliche Kosten im Zusammenhang mit der Fabrikschließung seien durch Einsparungen an anderer Stelle ausgeglichen worden. Mit Blick auf das gesamte Jahr bleibt Tesla bei seinem Ziel, insgesamt 500.000 Autos ausliefern zu wollen, gab aber zu, dieses Vorhaben sei schwieriger geworden.

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