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44-Milliarden-Dollar-Deal : Elon Musk kauft Twitter

Elon Musk Bild: via REUTERS

Die Onlineplattform kapituliert – und verkauft sich an einen ihrer prominentesten und auch kontroversesten Nutzer. Der sagt jetzt: „Ich will Twitter besser denn je machen.“

          4 Min.

          Nun ist es offiziell: Elon Musk wird Twitter kaufen. Am Montag teilte der amerikanische Internetkonzern mit, eine entsprechende Vereinbarung geschlossen zu haben. Der reichste Mensch der Welt, der vor allem als Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX bekannt ist, wird damit auch Eigentümer einer der bekanntesten Onlineplattform. Er wird 54,20 Dollar oder insgesamt rund 44 Milliarden Dollar zahlen.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Das ist genau der Preis, den er vor bei der Abgabe des Übernahmeangebots vor knapp zwei Wochen genannt und als „endgültig“ bezeichnet hat. Twitter ist es also nicht gelungen, einen zusätzlichen Aufschlag herauszuhandeln. Die Akquisition soll noch in diesem Jahr vollzogen werden, Twitter soll danach von der Börse genommen werden. Musk sagte am Montag: „Ich will Twitter besser denn je machen.“

          Der Verwaltungsrat von Twitter hat die Transaktion der Mitteilung zufolge einstimmig gebilligt. Bret Taylor, der Vorsitzende des Gremiums, nannte den Verkauf an Musk „den besten Weg für Twitters Aktionäre“. Das Angebot sei sorgfältig geprüft worden, nicht nur mit Blick auf seine Höhe, sondern auch auf seine Gewissheit und seine Finanzierung.

          Erhöhter Druck auf den Verwaltungsrat von Twitter

          Mit der Einigung hat der Übernahmekampf zwischen Twitter und Musk ein unerwartet schnelles Ende gefunden. Twitter hatte sich anfangs vehement gegen einen Verkauf gesträubt und sogar eine sogenannte „Giftpille“ angekündigt, die Musk das Vorhaben erheblich erschwert hätte. Aber in den vergangenen Tagen hat das Unternehmen seinen Widerstand aufgegeben. Die Kehrtwende hatte offenbar damit zu tun, dass Musk am Donnerstag einen umfangreichen Finanzierungsplan vorlegte, der Kreditzusagen einer Reihe namhafter Banken enthielt. Der Tesla-Chef soll außerdem Gespräche mit einer Reihe von Twitter-Aktionären geführt haben, um sich Unterstützung für seinen Übernahmeversuch zu sichern. All das hat offenbar den Druck auf den Verwaltungsrat von Twitter erhöht, sich auf Verhandlungen einzulassen.

          Nun wird innerhalb weniger Wochen aus einer Beteiligung eine vollständige Übernahme. Anfang April hatte Musk bekanntgegeben, einen Anteil von 9,2 Prozent an Twitter gekauft zu haben. Das machte ihn zu einem der größten Aktionäre und schürte Spekulationen, wie weit seine Absichten reichen könnten. Zunächst verliefen die Dinge in freundlichen Bahnen: Twitter bot Musk einen Sitz im Verwaltungsrat an, im Gegenzug versprach der Tesla-Chef, seinen Anteil nicht auf mehr als 14,9 Prozent auszubauen.

          Das war aber schnell Makulatur, und innerhalb weniger Tage gab Musk ein unaufgefordertes Übernahmeangebot ab. Er sagte, er wolle 54,20 Dollar je Aktie bezahlen und Twitter von der Börse nehmen. Er nannte dies sein „bestes und endgültiges Angebot“. Auch nach der Vorlage der Offerte blieben Fragen, wie ernst es Musk mit seinem Übernahmeversuch wirklich meint und ob er eine Transaktion finanzieren könnte, zumal der größte Teil seines Reichtums an Tesla-Aktien geknüpft ist.

          Finanzierungsplan gab Übernahmeplan mehr Glaubwürdigkeit

          Solche Zweifel konterte er mit seinem Finanzierungsplan, der Zusagen in Höhe von insgesamt 46,5 Milliarden Dollar enthielt. Davon entfielen 25,5 Milliarden Dollar auf Kreditversprechen einer Gruppe von Banken, wobei die Hälfte dieses Betrages mit Tesla-Aktien von Musk abgesichert sein soll. Die Gruppe möglicher Kreditgeber wird von Morgan Stanley ​angeführt und enthält eine Reihe namhafter Banken, darunter Barclays, Bank of America oder BNP Paribas. Die verbleibenden 21 Milliarden Dollar will Musk selbst als Eigenkapital beisteuern, wobei es als möglich gilt, dass er dabei nicht nur auf sein eigenes Vermögen zurückgreift, sondern auch noch Beteiligungsgesellschaften ins Boot holt.

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