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Tesla-Chef über Corona-Verbote : Elon Musk: „Das ist faschistisch“

Tesla-Chef Elon Musk Bild: AFP

Der Tesla-Chef gibt sich als Corona-Skeptiker und poltert immer lauter. Er ist die gegenwärtigen Restriktionen leid – und schlägt völlig andere Töne an als ein anderer amerikanischer Vorzeigeunternehmer.

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          Elon Musk hatte in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch ein ausgeprägtes Mitteilungsbedürfnis. „FREE AMERICA NOW“, twitterte er in Großbuchstaben, was er wohl als Aufruf gemeint haben dürfte, die gegenwärtigen Restriktionen rund um die Corona-Krise zu lockern. Sie treffen auch den von ihm geführten Elektroautohersteller Tesla, dessen Werk in Kalifornien weitgehend stillsteht. Der Aufruf erinnerte an den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der unlängst mit Tweets wie „LIBERATE MICHIGAN“ zur „Befreiung“ einzelner Bundesstaaten aufrief.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Musk kommentierte außerdem mit dem lobenden Wort „True“ den Tweet einer Nutzerin, die sich beklagte, dass „korrupte Politiker“ Amerikanern unter dem Vorwand der Sicherheit ihre Freiheit raubten. Diese Nutzerin gibt sich auf Twitter als Trump-Anhängerin zu erkennen und trägt auf ihrem Profilbild eine „Make America Great Again“-Mütze. Der Tesla-Chef verbreitete auf Twitter außerdem einen Medienbericht, wonach im Bundesstaat Texas am Freitag Geschäfte, Restaurants und andere Betriebe wiedereröffnen dürfen, und schrieb dazu: „Bravo Texas“.

          „Gebt den Leuten ihre verdammte Freiheit zurück“

          Elon Musk ist für Provokationen bekannt, und er hat gerade im Zusammenhang mit der Corona-Krise schon wiederholt mit kontroversen Aussagen für Aufsehen gesorgt. „Die Coronavirus-Panik ist bescheuert“, twitterte er zum Beispiel am 6. März. Gut eine Woche später schrieb er: „Meiner Meinung nach übersteigt die Gefahr der Panik noch immer die Gefahr von Corona.“ Musk hat sich außerdem gesträubt, die Produktion im kalifornischen Tesla-Werk zu stoppen. Er tat dies erst fünf Tage nach einer entsprechenden Anordnung des zuständigen Landkreises. Und zwischenzeitlich verfolgte Tesla Pläne, seine Mitarbeiter in dem Werk vor Aufhebung der Anordnung zurückzubeordern.

          Am Mittwoch bei der Veröffentlichung von Teslas Quartalszahlen legte Musk noch einmal in drastischen Worten nach. In einer Telefonkonferenz sagte er zu den gegenwärtigen Ausgangsbeschränkungen: „Zu sagen, die Leute dürfen ihr Haus nicht verlassen und werden verhaftet, wenn sie es tun? Das ist faschistisch. Das ist nicht demokratisch. Das ist keine Freiheit. Gebt den Leuten ihre verdammte Freiheit zurück.“

          Musks öffentliche Haltung zur Corona-Pandemie und damit verbundenen Restriktionen ist auch insofern bemerkenswert, weil am Mittwoch Facebook-Vorstandsvorsitzender Mark Zuckerberg, ein anderer kalifornischer Vorzeigeunternehmer, fast entgegengesetzte Töne anschlug. Er warnte davor, zu früh zum Alltag zurückzukehren und Einschränkungen zu lockern. „Ich mache mir Sorgen, dass eine zu schnelle Wiedereröffnungen künftige Ausbrüche fast garantieren wird und damit die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Folgen verschlimmert.“

          In seinem Quartalsbericht hatte Tesla einige gute Nachrichten. Das Unternehmen hat jetzt zum ersten Mal in seiner Geschichte drei Quartale in Folge einen Nettogewinn ausgewiesen, und das, obwohl Analysten mit einem Verlust gerechnet hatten. Der Aktienkurs legte im nachbörslichen Handel zeitweise um mehr als neun Prozent zu. Seit Jahresbeginn hat er sich mehr als verdoppelt. Tesla wird an der Börse mit fast 150 Milliarden Dollar bewertet. Das entspricht ungefähr dem kombinierten Börsenwert der drei deutschen Hersteller Volkswagen, Daimler und BMW.

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