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Wegen seiner Mischstruktur : Elliott macht Bayer jetzt richtig Druck

Der Hedgefonds Elliott hat seinen Einstieg bei Bayer publik gemacht. Bild: dpa

Der amerikanische Hedge-Fonds lässt Andeutungen fallen, die als Aufforderung zur Aufspaltung interpretiert werden können. Ganz nebenbei bestätigt er: Man ist mit einem 2-Prozent-Paket am Mischkonzern beteiligt.

          Bei Bayer kommt nach einer Meldung des Hedgefonds Elliott richtig Druck in den Kessel: Elliott bestätigte am Mittwochabend nicht nur, dass er in den Pharma- und Agrochemiekonzern eingestiegen ist. Er machte auch eine seiner berüchtigten Andeutungen zur Mischstruktur des Konzerns, wie man das aus anderen Fällen kennt – und zwar von Elliott wie auch von anderen Hedge-Fonds. Die Formulierung deutet stark darauf hin: Die Amerikaner wollen jetzt die Aufspaltung des Leverkusener Dax-Konzerns.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Marcus Jung

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Von Elliott beratene Fonds hielten Aktien im Wert von 1,1 Milliarden Euro entsprechend etwa 2 Prozent, gab der Investor nach Börsenschluss bekannt und bestätigte damit auch F.A.Z.-Berichte über den Einstieg des Investors. Das Dynamit ist in der Mitteilung recht weit hinten versteckt. Elliott äußert die Ansicht, „dass der aktuell niedrige Aktienkurs von Bayer den signifikanten Wert der einzelnen Geschäftseinheiten beziehungsweise die bestehende Wertschaffungsmöglichkeit von mehr als 30 Milliarden Euro nicht widerspiegelt“. Der Investor fordert das Unternehmen auf, „langfristige Wertschöpfungsmaßnahmen im Sinne aller Stakeholder zu prüfen“.

          Das ist die typische Formulierung eines Hedge-Fonds, der die Konzernstruktur eines Konglomeraten angreift. Elliott und andere haben schon in der Vergangenheit Mischkonzerne bedrängt, sich aufzuspalten, weil die Einzelteile addiert mehr wert seien als das Konglomerat. Am Kapitalmarkt sind Mischkonstrukte seit vielen Jahren unbeliebt, Investoren wollen am liebsten Unternehmen, die sich auf eine Branche konzentrieren. Diese Diskussion ist für Bayer seit zwanzig Jahren Thema, wird mit einem aggressiven Fonds wie Elliott aber wieder virulent.

          Aufsichtsratsauschuss für Glyphosat berufen

          Die heikle Passage findet sich im Anschluss an lange Ausführungen, in denen Elliott im Grundsatz eine Entscheidung Bayers vom Mittwoch begrüßt. Es geht um den Unkrautvernichter Glyphosat und die Klagen um das Mittel. Dabei zeichnet sich ein Strategiewechsel im Bayer-Konzern ab, auf den der Aufsichtsrat auf einer Sitzung in Leverkusen einstimmte. Man sehe die negativen Auswirkungen, die von der Unsicherheit im Zusammenhang mit den Gerichtsverfahren auf den Aktienkurs und die Wahrnehmung der Stakeholder ausgehe, und werde das Unternehmen dabei unterstützen, den Themenkomplex entschlossen und mit Umsicht voranzubringen, hieß es in einer Erklärung des Kontrollgremiums. Ein neuer Ausschuss soll den Vorstand in der ernsten Unternehmenskrise stützen.

          Allein in den Vereinigten Staaten sieht sich die Tochtergesellschaft Monsanto rund 13.400 Klagen von Verbrauchern ausgesetzt. Sie machen glyphosathaltige Mittel wie den Unkrautvernichter Roundup für ihre Krebserkrankungen verantwortlich. Zuletzt hatte eine Jury einem erkrankten Ehepaar einen Schadenersatz von rund 2 Milliarden Euro zugesprochen; es ist bislang die höchste Entschädigung in den Glyphosatklagen. Zu Beginn der Klageserie im vergangenen Jahr hatten die Leverkusener auf ihre langjährige Erfahrung im Umgang mit Produkthaftungsfällen verwiesen. Mittlerweile hat man eigenen Angaben zufolge nur 600 Millionen Euro für Prozesskosten zurückgestellt.

          Ausgehend von dieser Situation sieht der Bayer-Aufsichtsrat unter Vorsitz von Werner Wenning dringenden Handlungsbedarf. Ein neuer, paritätisch besetzter Ausschuss aus acht Mitgliedern soll den Vorstand von Bayer eigenen Worten nach „intensiv begleiten“ – und auch Vorschläge zur Prozessstrategie machen. Einzelne Mitglieder hätten Erfahrung mit komplexen Gerichtsverfahren, heißt es in der Erklärung. Die Kontrolleure vertrauen nicht nur auf eigene Bordmittel: Als ständigen Berater für die Glyphosat-Fälle holten sie mit John Beisner einen in der Abwehr von Verbraucher- und Massenklagen erfahrenen Anwalt ins Boot. Seine Kanzlei Skadden Arps Slate Meagher & Flom ist regelmäßig für Konzerne in Litigation-Fällen tätig.

          Zudem begrüßte der Aufsichtsrat die eingeleitete Schlichtung, die zeitgleich zu den andauernden Prozessen in Amerika läuft. Wie von der F.A.Z. berichtet, wird die Mediation von Ken Feinberg begleitet. Feinberg habe eine exzellente Reputation und nachgewiesene Erfolge als Mediator, sagte Wenning. Die Zusammenarbeit mit ihm wird eine professionelle und durchdachte Herangehensweise im Hinblick auf die anstehenden Gespräche sicherstellen.

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