https://www.faz.net/-gqe-10mvz

Elektronisches Publizieren : Das Buch aus der Espresso-Maschine

  • -Aktualisiert am

Wie lesen wir morgen? Wohl auf dem Display. Und viele machen das schon heute Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

In der Verlagsbranche herrscht Angst. Es sind nicht fehlende Kredite, die die Verleger belasten. Sorge bereitet die Elektronik: Digitalisierung ist das beherrschende Thema der heute beginnenden Frankfurter Buchmesse. Im Bildungsbereich hat der Monitor das Buch schon abgelöst.

          4 Min.

          In der Verlagsbranche herrscht Angst. Es sind aber nicht fehlende Kredite, die die Verleger belasten. Sorge bereitet die Elektronik. Vor einem Jahr atmete die Branche auf, weil sich das „E-Book“ – also das Buch, dass man sich aus dem Internet auf einen Bildschirm herunterlädt – überraschend schlecht verkauft. Der amerikanische Fachverleger Michael Cader konnte als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse noch verkünden, das Internet verändere nicht das Buch, sondern höchstens den Markt für Bücher. Zwar bestellten immer mehr Menschen ihr Buch per Internet, aber eben immer noch das auf Papier gedruckte Buch.

          Aber das hat sich binnen eines Jahres geändert. Amazon hat mit seinem „Kindle“ ein elektronisches Buchlesegerät auf den Markt gebracht, das seinen Vorgängern weit überlegen ist. Man kann auf einem Bildschirm in Taschenbuchgröße bequemer lesen als bisher, kann wie in einem Buch blättern, Stellen anstreichen oder Bemerkungen am Seitenrand anbringen. „Das Kindle versucht das Buch zu simulieren und nicht den Computer“, beschreibt Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, den großen Vorteil des Geräts, das in Amerika schon verkauft wird. Das Gerät kostet 360 Dollar, und für 10 Dollar Monatsgebühr kann man sich von 145.000 verfügbaren Titeln jeweils 200 auf sein Gerät herunterladen. Sony bringt bald ein ähnliches Gerät namens E-Reader auf den Markt, Libri bietet den iLiad ER 150 für 500 Euro schon heute an.

          Ob die Elektronik dem Buchmarkt schadet oder nutzt, ist umstritten

          Ob das Gerät dem Buchmarkt schadet oder nutzt, ist umstritten. Boos kann sich vorstellen, dass hier ein zusätzlicher Markt entsteht, so wie durch die Einführung der Hörbücher. Der brasilianische Krimiautor Paulo Coelho berichtete zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse, dass sich der Absatz seiner Bücher erhöht habe, seit die Texte im Internet zur Verfügung stehen. Auch für Gottfried Honnefelder, den Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, erhält das Buch durch das Internet eine neue Dimension. Er mahnte jedoch eine Regelung des Urheberrechts im Internet an, um Raubkopien zu verhindern.

          Gefragtes E-Book-Lesegerät: „Kindle” von Amazon
          Gefragtes E-Book-Lesegerät: „Kindle” von Amazon : Bild: picture-alliance/ dpa

          Aber nicht nur die elektronischen Buchlesegeräte wie Kindle beschleunigen den Vormarsch des elektronischen Buches. Im Fachbuch ist die Elektronik international schon weit vorgedrungen. Vor allem in Asien und hier speziell in China sind viele Fachbücher schon heute von vornherein nur als elektronische Ausgaben für Internetnutzer vorgesehen. Wissenschaftler lesen offenbar Bücher vor allem am Computerbildschirm. Im Schulbereich könnte ein elektronisches Buchlesegerät je Schüler ausreichen, um alle Lehrbücher zu ersetzen.

          Verlage - keine Buchhersteller mehr, sondern Vermarkter von Inhalten

          Gerade auf das Vordringen der Elektronik im Bildungsbereich setzen die größten Verlage der Welt, die sich immer weniger als Buchhersteller verstehen denn als Vermarkter von Inhalten (Content-Anbieter). Bei den weltgrößten Verlagsgruppen Thomson Reuters (Vereinigte Staaten), Pearson (Großbritannien), Bertelsmann (Deutschland), Reed Elsevier (Niederlande) sowie Wolters Kluwer (ebenfalls Niederlande) steht die Entwicklung elektronischer Angebote eindeutig im Vordergrund.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Moderator Ken Jebsen während einer Demonstration am 13.12.2014 vor dem Schloss Bellevue in Berlin

          Anonymous : Hacker greifen Ken Jebsen an – Webseite lahmgelegt

          Die Hacker-Gruppe Anonymous hat sich die Seite des Verschwörungstheoretikers Ken Jebsen vorgenommen. Dabei habe sie nicht nur zehntausende Daten zu Abonnenten erbeutet, sondern auch Informationen zu Spenden abgegriffen.

          G 7 in Cornwall : Brexit-Störgeräusche für Johnson

          Eigentlich sollte es beim G-7-Gipfel vor allem um Corona und die Herausforderung durch China und Russland gehen. Doch immer wieder muss sich Gastgeber Boris Johnson auch mit dem Streit mit der EU auseinandersetzen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.