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Elektromobilität : Bosch steht an der Spitze bei Subventionen für Elektroautos

  • -Aktualisiert am

Bis 2020 sollen eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein Bild: Getty Images

Mit einer internationalen Konferenz wirbt die Kanzlerin für Elektroautos und verteilt Subventionen: Bosch, Daimler und Siemens stehen auf der Liste der Empfänger weit vorne. Die Industrie ruft nach noch mehr Vergünstigungen.

          Noch haben Elektroautos Seltenheitswert auf deutschen Straßen. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland gerade einmal 4160 Exemplare zugelassen. Kaum ein Autokäufer will die batteriebetriebenen Fahrzeuge haben, weil sie einige Tausend Euro mehr kosten als herkömmliche Benziner oder Dieselautos und zugleich nur deutlich kürzere Strecken fahren können. Damit Elektroautos nicht endgültig zum Ladenhüter werden, wirft sich nun noch einmal die Bundeskanzlerin in die Bresche - mit einer internationalen Konferenz in Berlin. Veranstaltet wird sie von der „Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität der Bundesregierung“. So sperrig der Name, so groß der Auftritt am kommenden Montag: Unter dem Motto „Elektromobilität bewegt weltweit“ treffen sich hochrangige Vertreter von Unternehmen, Wissenschaft und Politik aus Deutschland und der Welt.

          Auf Einladung der Bundesregierung wird mit viel Prominenz über Elektroautos diskutiert. Sogar der chinesische Wissenschaftsminister Wan Gang ist dabei, wenn Angela Merkel am ersten Tag eine Rede hält und sich bei einem Rundgang über neueste Entwicklungen informiert. Anwesend sein werden neben den Ministern Philipp Rösler, Peter Ramsauer und Peter Altmaier auch die Vorstandsvorsitzenden von Daimler, Opel und Peugeot-Citroën. In der Hauptstadt präsentieren Dieter Zetsche, Karl-Thomas Neumann und Philippe Varin dann ihre neuesten Kreationen mit Batterieantrieb.

          Auch private Unternehmen erhalten Förderung

          Bis 2020 will die Bundeskanzlerin eine Million Elektroautos in Deutschland auf die Straße bringen. Allein in den Jahren 2012 und 2013 Jahr gibt die Regierung deshalb für die Förderung batteriebetriebener Fahrzeuge eine Milliarde Euro aus. Gezahlt wird nicht nur an Forschungseinrichtungen wie die Fraunhofer-Gesellschaft oder Hochschulen wie die RWTH in Aachen. Auch zahlreiche private Unternehmen aus der Autoindustrie erhalten hohe Beträge. Die höchste Förderung hat in diesem Jahr ausgerechnet der weltweit größte Autozuliefererkonzern Bosch aus Stuttgart erhalten, der sonst bei vielen Gelegenheiten betont, man sei auf staatliche Starthilfe für Elektroautos überhaupt nicht angewiesen.

          Die Robert Bosch GmbH kassierte allein bis April dieses Jahres 28,87 Millionen Euro aus dem jüngsten Milliardentopf der Bundesregierung. Das geht aus der Antwort des Staatssekretärs Bernhard Heitzer im Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Klaus Hagemann hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Finanziert hat Bosch mit diesen und früheren Subventionen unter anderem das wohlklingende „Verbundprojekt: BEREIT - Bezahlbare Elektrische REIchweite durch ModularitäT“. Bosch steht damit nicht allein. Auch der Autohersteller Daimler erhielt 23,8 Millionen Euro, und der Technologiekonzern Siemens bekam bislang 22,84 Millionen Euro für Elektromobilität.

          Förderung von Elektromobilität

          Diese einzelnen Beträge sind aber nur ein Bruchteil der gesamten Subvention. Wie aus der Antwort der Bundesregierung an Hagemann hervorgeht, wurden in den Haushaltsjahren 2011 sowie 2012 und bis Ende April 2013 etwas mehr als 890 Millionen Euro in Projekte für Forschung und Entwicklung von Elektromobilität gebunden. Hinzu kommen weitere geplante Fördergelder dieses Jahr von mehr als 150 Millionen Euro. Die Umsetzung tritt allerdings auf der Stelle: Von den bewilligten Mitteln sind bislang nur 160 Millionen Euro abgeflossen, wie das Wirtschaftsministeriums schreibt.

          Neben den Millionen für die Forschung fördert der Bund Elektroautos auch noch auf anderen Wegen: Bisher wurde schon die Befreiung von der Kfz-Steuer für Elektroautos auf zehn Jahre erweitert sowie ein öffentliches Beschaffungsprogramm in Aussicht gestellt und ein Nachlass bei der Dienstwagensteuer für Elektroautos gewährt.

          Das ist der Industrie jedoch nicht genug. Mit den bisherigen Fördermitteln würden bis 2020 nur höchstens 600000 Elektroautos auf die Straße gebracht, hieß es vor einem Jahr im dritten Fortschrittsbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität: „Das gemeinsame Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen in 2020 würde damit nicht erreicht.“ Um das Ziel doch noch zu erreichen, forderte die Industrie Sonderregelungen bei der Abschreibung der Anschaffungskosten in Höhe von 50 Prozent im ersten Jahr der Nutzung für betrieblich genutzte Elektroautos. Hinzukommen sollen zinsgünstige Kredite der Staatsbank KfW. Darüber hinaus wurde auch noch ein direkter steuerlicher Anreiz von 150 Euro je Kilowattstunde Batterie verlangt.

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