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Elektrohändler : Media Markt schafft Sonderangebote ab

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„Unsere aggressive Werbung hat nicht nur Sympathien gebracht”, sagt Horst Norberg, Chef der Media-Saturn-Holding Bild: dpa

„Schluss mit den Rabattschlachten und Schleuderpreisen“, sagt Media-Saturn-Chef Horst Norberg im Interview mit der Sonntagszeitung. Er verordnet eine neue Preispolitik.

          Herr Norberg, wird der Media Markt jetzt teuer?

          Nein, wir sind und bleiben Preisführer.

          Ihre neue Werbekampagne klingt anders: Da rufen Sie das Ende des Preisirrsinns aus.

          Wir, das heißt Media Markt, macht Schluss mit diesem Preisirrsinn, das ist wahr: Schluss mit den Preisschlachten, den Schleuderpreisen, den Geizhalsangeboten. Das wollen die Menschen nicht mehr. Wir bekennen uns zu Preiswahrheit und -klarheit.

          Das heißt: Keine Aktionen mehr, keine Sonderangebote?

          Ja, wir stoppen die überzogenen Preisaktionen. Wann immer Sie in einen Media Markt kommen, Sie können sicher sein, Sie erhalten einen hoch attraktiven Preis. Das ist nicht nur Werbung, sondern ist Teil unserer Multikanalstrategie. Wir werden zukünftig das Online- und das stationäre Geschäft eng miteinander verknüpfen.

          Wie sieht diese neue Preispolitik aus?

          Wir kehren zu den Ursprüngen zurück: dauerhaft Tiefpreise. An der neuen Strategie arbeiten wir seit Anfang vorigen Jahres, haben mittlerweile 15 000 Mitarbeiter in Deutschland darauf eingeschworen.

          Wahrscheinlich ist die Kehrtwende nötig, wenn selbst der Media Markt-Miterfinder Gunz moniert, dass Ihr Konzern „außer dem Preis nichts von den Sympathien übrig behalten hat“?

          Das mag seine persönliche Meinung sein. Natürlich hat unsere aggressive Werbung nicht nur Sympathien gebracht. Manches würden wir heute auch nicht mehr schalten. Nicht, weil wir es schlecht finden, es entspricht einfach nicht mehr dem Zeitgeist.

          Vielleicht besteht Ihr Problem nur darin, dass sich herumgesprochen hat: Die tun nur billig, im Zweifel ist die Ware beim Fachhändler um die Ecke günstiger, vom Internetshop ganz zu schweigen.

          Mag sein, dass manche Kunden unsere Botschaften mit den Aktionspreisen falsch interpretiert haben, wenn sie reguläre Ware andernorts günstiger gesehen haben. Tatsache aber ist: Media Markt hat in der Branche den Preis gesetzt, daran haben sich die anderen orientiert, vielleicht auch mal unterboten – ohne dass klar war, was an Nebenkosten, Kreditkartengebühren, Liefergebühren obendrauf kommt. Gerade das Internet suggeriert Transparenz und hält das Leistungsversprechen oft nicht ein. Dagegen stellen wir jetzt unser Konzept: klare Preise, klare Ansage.

          Inklusive Geld-zurück-Garantie für den Kunden, wenn er die Ware anderswo billiger entdeckt?

          Nein. Wenn ein Produkt auf dem relevanten Markt günstiger ist, dann reagiert der lokale Markt darauf, setzt den Preis herunter. Generell. Nicht für einen einzelnen Kunden, für alle.

          Wen lassen Sie gelten als den „relevanten Markt“?

          Alle maßgeblichen Wettbewerber, im stationären Handel wie Online. Aber natürlich nicht den Garagenhändler, der die Ware erst in vier Wochen zustellen kann und zudem nie zu den versprochenen Konditionen liefert.

          Wie ermitteln Sie die Preise der Konkurrenz?

          Schon bisher haben unsere Märkte zwei- bis dreimal in der Woche die Preise an den örtlichen Wettbewerb angepasst, jetzt werden wir täglich die Preise vergleichen und bei Bedarf reagieren; schon wenn die Geschäfte öffnen.

          Moment, wie viele Produkte umfasst Ihr Sortiment?

          Rund 50 000, je nach Größe des Marktes.

          Und welche Armee marschiert dann los, um Zehntausende Preise zu ermitteln?

          Alles müssen wir ja nicht prüfen, viele Preise bleiben über die Zeit stabil: Zubehör, Kleinteile wie Batterien. Vielleicht 1200 bis 1500 Produkte, das Kernsortiment, behalten wir zentral im Auge, den Rest beobachten die Märkte vor Ort. Denn das Grundprinzip werden wir nie aufgeben: Jeder einzelne Geschäftsführer, der gleichzeitig Mitinhaber an seinem Markt ist, behält die Preishoheit. Ein einheitlicher Preis von Flensburg bis Rosenheim entspricht nicht unserem dezentralen Handeln.

          Ihre Werbung tönt jetzt: Sie lassen nicht mehr mit sich über den Preis verhandeln, wir wussten gar nicht, dass man im Media Markt feilschen konnte.

          Da waren wir, offen gesprochen, nicht immer eindeutig: Wenn ein Kunde kam und auf einen günstigeren Preis an anderer Stelle verwiesen hat, sind wir darauf eingegangen.

          In den TV-Spots, die seit dem Wochenende laufen, nehmen Sie windige Internetbuden ebenso aufs Korn wie den verschwitzten Radiohändler um die Ecke: Was bringt diese gezielte Provokation gegen die Konkurrenz?

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