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Elektroautos : Tesla feiert Börsendebut

Elon Musk Bild: AP

Der amerikanische Elektroautobauer Tesla ist mit Schwung an der Börse gestartet. Die Aktien legten am ersten Handelstag über 40 Prozent zu. Tesla-Chef Elon Musk, mit einem Anteil von 35 Prozent selbst der größte Aktionär, macht lediglich seine Scheidung zu schaffen. Sie fand sogar Eingang in den Börsenprospekt.

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          Elon Musk kann wahrlich nicht behaupten, dass es das Schicksal schlecht mit ihm meint. Der 38 Jahre alte Unternehmer konnte am Dienstag den Börsengang des kalifornischen Elektroautoherstellers Tesla Motors feiern, dessen Vorstandsvorsitzender und größter Einzelaktionär er ist. Vor ein paar Wochen landete er mit seinem zweiten Unternehmen einen großen Erfolg: Die auf kommerzielle Raumfahrt spezialisierte Gesellschaft SpaceX, die Musk mit gegründet hat und als Vorstandschef führt, schaffte mit ihrer Trägerrakete Falcon 9 einen gelungenen Testflug ins All. Das war ein wichtiger Meilenstein nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für die vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama angestrebte Privatisierung der Raumfahrt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Musk wurde sogar gerade ein filmisches Denkmal gesetzt: Der Regisseur Jon Favreau hat sich nach eigener Aussage von Musk inspirieren lassen, als er die vom Schauspieler Robert Downey jr. verkörperte Hauptrolle des Industriellen Tony Stark in der Action-Filmreihe „Iron Man“ konzipierte. In der aktuellen Fortsetzung „Iron Man 2“ hat Musk selbst einen kleinen Gastauftritt.

          Musks Scheidung nicht nur Privatsache

          Und doch ist die Erfolgsgeschichte nicht ganz ungetrübt: Ein Scheidungsverfahren und die Dinge, die dabei ans Licht kommen, kratzen derzeit an seinem Ruhm. So dürfte es ihn peinlich berühren, dass Noch-Ehefrau Justine in einem Blog in erstaunlicher Offenherzigkeit Details über ihre Ehe und über Scheidungsmodalitäten verbreitet. Vor allem aber brachte das Scheidungsverfahren die überraschende Erkenntnis, dass der Vorzeigeunternehmer in Liquiditätsnöten steckt. In einer Eingabe beim Scheidungsrichter, die der Online-Dienst Venturebeat veröffentlicht hat, sagte Musk, dass ihm vor einigen Monaten die flüssigen Mittel ausgegangen seien. Er habe Freunde um Notkredite angepumpt, und ohne diese Unterstützung hätte er keine liquiden Vermögenswerte mehr.

          Nach dem Börsengang posiert Elon Musk in New York vor der Anzeige der Nasdaq

          Die Scheidung ist nicht einfach nur eine Privatsache von Musk, denn sie fand sogar Eingang in den Börsenprospekt von Tesla bei der Aufsichtsbehörde SEC. Tesla sah sich gezwungen, ausdrücklich darauf hinzuweisen, dass keine negativen Auswirkungen der Musk-Scheidung auf das Unternehmen erwartet werden.

          Viel verdient, viel investiert

          Musk hat es in seinem Unternehmerleben ohne Zweifel zu stattlichem Reichtum gebracht. Aber er hat sein Geld oft in die nächsten Projekte gesteckt. Geboren im Jahr 1971 in Südafrika und über den Umweg Kanada in die Vereinigten Staaten ausgewandert, brachte Musk an der Eliteuniversität Wharton ein Wirtschafts- und Physikstudium hinter sich. Ein zusätzliches Physikstudium an der kalifornischen Stanford-Universität schmiss er nach wenigen Tagen hin, weil er lieber Unternehmer sein wollte.

          1995 gründete er die auf Online-Dienstleistungen für Medienanbieter spezialisierte Gesellschaft Zip2. 1999 verkaufte er sie an den Computerkonzern Compaq, der danach selbst von Hewlett-Packard gekauft wurde. Im gleichen Jahr war Musk einer der Mitgründer des Online-Bezahldienstes X.com, aus dem später Paypal wurde. Paypal wurde 2002 für 1,5 Milliarden Dollar vom Online-Marktplatz Ebay gekauft. Musk soll damit 160 Millionen Dollar verdient haben.

          Kurz nach dem Paypal-Verkauf gründete Musk das Unternehmen Space Exploration Technologies oder SpaceX, dessen Ziel es ist, Satelliten und andere Frachten möglichst billig in den Weltraum zu bringen. 2004 stieg Musk bei dem kurz zuvor gegründeten Elektroautospezialisten Tesla Motors ein. In SpaceX hat Musk seither Medienberichten zufolge 100 Millionen Dollar seines eigenen Geldes gesteckt, in Tesla 70 Millionen Dollar.

          Lob von der Ex-Frau

          Tesla hat nun den Sprung auf das Börsenparkett gewagt. Es ist der erste amerikanische Autobauer, der seit Ford im Jahr 1956 an die Börse gegangen ist. Die Tesla-Aktie legte am ersten Handelstag um 40,5 Prozent von 17 auf fast 24 Dollar zu. Das war der zweitbeste Börsengang in Amerika in diesem Jahr. Für Musk, der mit einem Anteil von mehr als 35 Prozent mit Abstand größter Aktionär ist, ist dies die Gelegenheit, sich etwas Liquidität zu verschaffen. Allerdings sind Musk Grenzen gesetzt. Denn ein für Tesla sehr wichtiger Kredit der amerikanischen Regierung ist an die Bedingung geknüpft, dass er einen bestimmten Teil seiner bisherigen Aktien an dem Unternehmen behält.

          An dieser Stelle kommt wieder seine Scheidung ins Spiel. Das Noch-Ehepaar Musk hat einen Ehevertrag, um dessen Gültigkeit aber vor dem Scheidungsrichter gestritten wird. Justine Musk hat in ihrem Blog aufgelistet, was sie von Elon will: unter anderem 10 Prozent seiner Tesla-Aktien und 5 Prozent seiner Space-X-Aktien; außerdem das gemeinsame Haus und 6 Millionen Dollar in bar. Sie schreibt, sie sei jederzeit zu einem Vergleich bereit und würde auch auf den derzeitigen Liquiditätsengpass von Elon Rücksicht nehmen. Sie hat sogar noch einige freundliche Worte für ihn übrig und sagt, er sei „zutiefst brillant“ und verdiene seinen Erfolg. Den einen oder anderen Seitenhieb kann sie sich aber dennoch nicht verkneifen, etwa wenn sie auf die deutlich jüngere neue Freundin von Musk anspielt. Tesla zeigte sich indessen in dem Börsenprospekt zuversichtlich, dass ihn die Scheidung nicht zur Trennung von einem größeren Teil seiner Aktien zwingen werde.

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