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Elektroautos im Fokus : Renault verzichtet auf den Hybrid

  • -Aktualisiert am

Zukunftsvision: Twizy von Renault Bild: AFP

Renault wendet sich vom Hybridantrieb ab und setzt auf Elektroautos. Bald will das Unternehmen Marktführer Mitsubishi überholen und der erste Massenhersteller werden. Mit Hybrid-Autos könne man keine Klimaschutzziele erreichen.

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          Der französische Autohersteller Renault will kein Hybridfahrzeug entwickeln, sondern setzt ganz darauf, dass vollständig elektrischen Autos die Zukunft gehört. „Wir brauchen keinen Hybrid“, sagte Renault-Vizechef Patrick Pélata am Freitagabend im Gespräch mit Journalisten in Düsseldorf. Damit verzichtet der Konzern aus Boulogne-Billancourt als einziger großer Hersteller auf einen Antrieb, der Benzin- und Elektromotor miteinander kombiniert. Als führend in dieser Technik gilt der globale Marktführer Toyota aus Japan mit seinem Hybridauto Prius, aber auch alle anderen großen Konzerne zeigen spätestens auf der Automesse in Paris im Herbst jeweils ein Hybridmodell.

          Laut Pélata jedoch ist ein Hybridantrieb nur für schwere Gelände- und Pritschenwagen, wie sie in Amerika beliebt sind, wirklich notwendig. Renault sei auf dem amerikanischen Markt nun einmal nicht nennenswert vertreten, biete vorwiegend kleine Automodelle wie Twingo und Clio an und könne deshalb auf diese Antriebsform ganz gut verzichten. „Vielleicht wird es bei uns einen Micro-Hybrid geben, mit einem Elektromotor für das An- und Ausschalten des Benzinmotors“, sagte Pélata. Aber nicht einmal das sei sicher.

          Renault erwartet Siegeszug des Elektroautos

          Als Begründung für diese ungewöhnliche Strategie nannte der Manager vor allem zwei Punkte: Zum einen könne man dem europäischen Autokäufer nicht noch mehr teure Technik zumuten, da die Fahrzeuge bezahlbar bleiben müssten. Tatsächlich kosten die derzeit in Deutschland verkauften Neuwagen im Durchschnitt schon deutlich mehr als 20.000 Euro.

          Renault-Vorstand Patrick Pélata

          Als zweiten Grund für den Verzicht auf einen Hybrid nannte Pélata den erwarteten Siegeszug des Elektroautos. „Der Hybrid ist nur eine Zwischenlösung. Mit diesem Antrieb lassen sich 10 bis 15 Prozent des Kraftstoffverbrauchs einsparen“, sagte der Renault-Vizechef. Die von der Politik vorgegebenen Klimaschutzziele seien aber nur mit Elektroautos zu erreichen, die je nach dem eingesetzten Strommix in der Lage seien, bis zur Hälfte der CO2-Emissionen einzusparen. „Bis zum Jahr 2025 wird sich die Zahl der Autos auf der Welt auf 2 Milliarden Stück verdoppeln.“ Ohne voll elektrischen Antrieb könne das Weltklima diesen Verkehrszuwachs nicht verkraften.

          Pélata hat extrem ehrgeizige Ziele. Er will Renault schon in wenigen Jahren zum größten Hersteller von Elektroautos machen. Bisher ist das noch der japanische Konkurrent Mitsubishi, dessen Elektroauto über den Partner Peugeot von Ende des Jahres an auch in Deutschland angeboten wird. „Aber wir werden der erste wirkliche Massenhersteller sein. Bis Ende 2012 bauen wir eine Produktionskapazität für Elektroautos von 150.000 bis 200.000 Stück auf“, sagte Pélata.

          Große Lieferungen sind geplant

          Erster wichtiger Abnehmer dieser Fahrzeuge ist der Elektroauto-Infrastrukturanbieter Better Place, den das ehemalige SAP-Vorstandsmitglied Shai Agassi gegründet hat. Renault liefert dem kalifornischen Unternehmen Elektroautos für zwei große Pilotprojekte in Israel und Dänemark. Bis zum Jahr 2016 liefert Renault an Better Place insgesamt 100.000 Elektroautos vom Coupé-Modell Fluence.

          Hergestellt werden die Wagen in der Renault-Fabrik in Bursa, der viertgrößten Stadt der Türkei. „Schon nächstes Jahr werden wir zumindest einige tausend Stück liefern“, sagte Pélata. Später sollen in Bursa jedes Jahr 30.000 Elektroautos vom Band laufen. Weitere elektrische Modelle wie das Handwerkerauto Kangoo sollen in der nordostfranzösischen Stadt Maubeuge produziert werden.

          Laut Pélata hat der Renault-Kunde Better Place in Israel schon einen großen Teil der geplanten Batteriewechselstationen und Ladesäulen für Elektroautos aufgebaut. Renault habe auch schon einige Prototypen ausgeliefert. Die Batterie für die Fahrzeuge stammt vom japanischen Renault-Partner Nissan, der dafür mit dem ebenfalls japanischen NEC-Konzern zusammenarbeitet.

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