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Volkswagens Elektro-Hoffnung : VW bringt den ID.3 im September

Fast fertige ID.3 laufen im Fahrzeugwerk von VW in Zwickau durch die Endmontage. Bild: dpa

Die Entwicklung lief zuletzt unter Pandemie-Bedingungen, trotzdem soll Volkswagens Elektro-Hoffnung ID.3 bald auf den Markt kommen. Das Störfeuer gegen Konzernchef Diess geht indes weiter.

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          Gute Nachrichten sind rar geworden bei VW in Wolfsburg. Der Machtkampf zwischen Volkswagen-Chef Herbert Diess und den IG-Metall-Vertretern im Aufsichtsrat des Konzerns lähmt das Unternehmen seit Wochen. Der designierte neue Vorstandschef der Marke, Ralf Brandstätter, freute sich am Mittwoch in Wolfsburg deswegen sichtlich, dass er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Berufung an die Spitze der Marke etwas Positives melden konnte: Anfang September ist es soweit. Dann will  VW damit beginnen, sein erstes reines Elektromodell, den ID.3 auf den europäischen Märkten auszuliefern. „Wir halten, was wir gesagt haben: die Fahrzeuge kommen im Sommer“, sagte Brandstätter – auch wenn es jetzt eher Ende des Sommers wird. „Die großangelegte Elektro-Offensive der Marke Volkswagen wird mit dem ID.3 nun auf der Straße sichtbar“, sagte er.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Eine Einschränkung machte der VW-Manager allerdings: Wegen Verzögerungen in der Software-Ausstattung werden die ersten Wagen noch nicht den vollen Funktionsumfang besitzen. Die aufwendige Software, mit der VW dem amerikanischen Wettbewerber Tesla Paroli bieten will, ist für die Entwickler von VW eine Herausforderung. Wie Thomas Ulbrich, Vorstand für Elektromobilität bei der Marke VW, sagte, gebe es aber keine großen Probleme bei der Software mehr. „Wir sind auf der Zielgeraden“, sagte er.

          Die allermeisten Funktionen, 254 von insgesamt 256, sollen von Beginn an verfügbar sein. „Es geht um zwei Funktionen“, sagte er. Später sollen die Kunden die nachladen können: Entgegen den ursprünglichen Plänen fehlen noch die „App-Connect“ – eine Spiegelung der Smartphone-Benutzeroberfläche im Softwaresystem des Autos – sowie eine Erweiterung der Navigations-Anzeigen im Sichtfeld des Fahrers – das sogenannte Head-up-Display. Ulbrich zeigte sich zuversichtlich, die Probleme bis Ende des Jahres gelöst zu haben. Kunden, die zunächst Wagen mit der abgespeckten Ausstattung kauften, könnten die Funktionen im ersten Quartal 2021 mit einem Software-Update bekommen.

          Entwicklungsarbeit unter Pandemie-Bedingungen

          Der VW-Manager begründete die Verzögerung auch mit den Auswirkungen der Corona-Krise. Wichtige Zulieferer in China und Südkorea seien von der Pandemie bereits im Februar betroffen gewesen, Europa folgte dann im März und April. Beim Navigationssystem habe der südkoreanische Elektronikkonzern LG seine Entwicklerteams wegen der Pandemie aus Wolfsburg abgezogen. Auch im VW-Werk im sächsischen Zwickau, in dem der ID.3 gebaut wird, war die Produktion für Wochen wegen Corona gestoppt worden. „Die vergangenen Monate unter erschwerten Pandemie-Bedingungen waren für die gesamte ID.3-Mannschaft eine große Herausforderung“, sagte Ulbrich. Umso wichtiger sei es, dass der Marktstart des ID.3 jetzt kurz bevorstehe.

          35.000 Frühbucher für den ID.3 gibt es. Mit den ursprünglich 100.000 für dieses Jahr geplanten ID.3 aus Zwickau rechnen Brandstätter und Ulbrich wegen der Corona-Pandemie nicht mehr. Dennoch erwarten sie, dass die Marke VW die strengeren CO2-Vorgaben der EU für die Fahrzeugflotte mit den neuen Modellen einhalten kann. Im Zuge der von Konzernchef Diess mit Nachdruck vorangetriebenen Elektro-Offensive will die Marke VW bis 2022 Elektroautos in allen wesentlichen Fahrzeugsegmenten anbieten. Volkswagen hat sich ehrgeizige Ziele gesetzt und will Weltmarktführer in der Elektromobilität werden. Bis 2024 investiert der Konzern dafür 33 Milliarden Euro, davon ein Drittel die Marke VW. Für 2025 rechnet die Marke, 1,5 Millionen Elektroautos zu produzieren.

          Betriebsratschef Osterloh weiter auf Konfrontation aus?

          So sehr sich Brandstätter und Ulbrich um gute Nachrichten bemühten. Die Ausläufer des Machtkampfs in Wolfsburg zogen auch über das kleine Prüfgelände des Werksgeländes, auf dem die beiden gemeinsam mit Entwicklern des Autos Journalisten am Mittwoch stolz die Fahreigenschaften des neuen ID.3 präsentierten. Diess sei nur noch im Amt, weil sich der Aufsichtsrat nicht auf Finanzvorstand Frank Witter als Übergangschef verständigen konnte, berichtete „Business-Insider“ kurz vor Beginn der Veranstaltung.

          Witter, der das Unternehmen aus persönlichen Gründen 2021 verlassen will, soll von der Arbeitnehmerseite vorgeschlagen worden sein, die Eigentümerfamilien Porsche und Piech hätten VW-Chef Diess aber nicht fallenlassen wollen. Beobachter in Wolfsburg werteten die erneute Weitergabe von Insiderinformationen aus dem Aufsichtsrat als Hinweis, dass die Gewerkschaftsseite den Sturz von Diess weiter betreiben will. Die Entscheidung des Aufsichtsrats vom Montag, Brandstätter mit Wirkung vom 1. Juli zum Markenchef von VW zu machen und Diess weiter den Konzern führen zu lassen, scheine Betriebsratschef Bernd Osterloh und IG Metall-Chef Jörg Hofmann noch nicht zu reichen.

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