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In Davos : Boeing lässt das erste Taxi fliegen

Boing-Chef Dennis Muilenburg mit seinem Flugtaxi Bild: Sven Astheimer

Passagierbeförderung, Überwachung, Paketzustellung: Viele Dinge kann man wohl künftig aus der Luft erledigen. Boeing präsentiert nun einen Durchbruch. Doch ausgereift ist die neue Technologie noch nicht.

          Flugtaxis lassen die Herzen vieler Mobilitätsfachleute höher schlagen. Bislang sind sie noch Utopie. Doch nun wartet der amerikanische Flugzeughersteller Boeing mit einem Durchbruch auf. Am Dienstag hat der Konzern erstmals einen Testflug mit einem solchen Gerät durchgeführt. „Alles lief wie geplant“, sagte der Vorstandsvorsitzende Dennis Muilenburg der F.A.Z. während des Weltwirtschaftsforums in Davos. Der Flug fand nahe der Stadt Manassas in Virginia statt. Zwei Insassen seien mit dem Flugtaxi „eine substantielle Zeit“ in der Luft gewesen, sagte Muilenburg. Das Fluggerät, von dem er ein Bild während einer Veranstaltung präsentierte, wird elektrisch betrieben. Nähere Angaben etwa zur zurückgelegten Distanz wollte er nicht machen. Der erfolgreiche Test sei ein Meilenstein für die Entwicklung der Technologie. „Wir beginnen mit einer breiten Einführung.“

          Sven Astheimer

          Verantwortlicher Redakteur für Unternehmen.

          Der Boeing-Chef nahm in Davos an einer Diskussion zum Thema Mobilität der Zukunft teil. Mit dabei waren die beiden Vorstandschefs Dara Khosrowshahi vom Fahrdienstleister Uber sowie David Abney vom Paketdienst UPS. Deutlich wurde, wo die Manager die Herausforderungen für die Einführung neuer Technologien wie Flugtaxis, Lieferdrohnen oder autonomes Fahren sehen. „Auf die Software kommt es an, die Hardware haben wir im Griff“, sagte UPS-Chef Abney. Die Daten seien entscheidend, um die Fahrzeuge am Boden oder in der Luft zu steuern. „Wir müssen lernen, wie wir diese vielen produzierten Daten der Fahrzeuge am besten erfassen und verarbeiten können.“ Abney ist überzeugt, dass die Veränderungen schnell geschehen: „Ich werde in den kommenden fünf Jahren größere Veränderungen erleben als in meinen 44 Berufsjahren bisher.“

          UPS befördert rund 20 Millionen Päckchen und Pakete am Tag. Die Kunden verlangten immer schneller ihre Ware, weshalb UPS künftig „viel personalisierter ausliefern“ werde, sagte Abney. Für punktgenaue Belieferung spielten Transportdrohnen eine zunehmend wichtige Rolle, welche das Unternehmen in einem Projekt derzeit teste. Auch autonome Lieferfahrzeuge werden schrittweise kommen. In der Endstufe müsse der Fahrer nicht mehr in den Fahrprozess eingreifen. Das bedeute jedoch nicht, dass man ihn nicht mehr brauche, sagte Abney. „Unsere Mitarbeiter haben dann mehr Zeit für die Arbeit mit dem Kunden.“

          Forderung nach einheitlichen Standards

          An Flugtaxis zeigt auch Uber großes Interesse. „Unsere Aufgabe ist es sicherzustellen, dass diese Taxis auch von allen Menschen benutzt werden können“, sagte der Vorstandschef Dara Khosrowshahi. Es dürfe sich bei den Menschen nicht das Gefühl einstellen, dass es sich um ein Elitenprojekt handele. Mit Blick auf die erwartete Verkehrsentwicklung gerade in den großen Städten sei „das Erschließen der dritten Dimension“ absolut notwendig. Dies schaffe eine Entlastung für die Umwelt und verschaffe den Menschen mehr Lebensqualität durch Zeit, die sie nicht mehr in Staus verbringen.

          Uber befördert nach eigenen Angaben derzeit rund 50 Millionen Menschen am Tag. Für Aufsehen hatte zuletzt eine Studie in Amerika gesorgt, die zu dem Ergebnis kam, dass Fahrdienste wie Uber oder der Wettbewerber Lyft in den Städten nicht für weniger, sondern für mehr Verkehr gesorgt haben. Verdrängt würden durch die Fahrdienste nicht private Fahrten, sondern solche mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Rad oder Erledigungen zu Fuß. Darauf angesprochen, sagte der Uber-Chef zur F.A.Z.: „Wir teilen das Ergebnis solcher Studien nicht.“ Technische Innovationen führten oftmals vorübergehend zu steigender Nachfrage. „Nach unserer Erkenntnis entlasten unsere Fahrten den Verkehr jedoch langfristig.“

          Eine große Herausforderung, die alle drei Manager sehen, ist die Regulierung. UPS sei in 220 Ländern aktiv, sagte deren Chef Abney. „Unsere größte Sorge ist, dass jedes Land seinen eigenen Standard setzt.“ Er forderte, einheitliche Standards für die ganze Welt zu entwickeln. Muilenburg von Boeing ergänzte, es seien auch genormte Schnittstellen nötig. Er wies zudem darauf hin, dass gesellschaftliche Widerstände gegen Drohnen und selbstfahrende Autos überwunden werden könnten, indem der Nutzen für die Bürger klargestellt wird. Viele Menschen stehen solchen Entwicklungen eher kritisch gegenüber. Vorfälle wie der Unfall eines selbstfahrenden Uber-Autos offensichtlich auf Grund eines Software-Fehlers im vergangenen Jahr, bei dem eine Frau starb, befeuern diese Skepsis.

          Über die Sicherheitsanforderungen müsse man sich mit dem Regulierer auseinandersetzen, sagte Khosrowshahi. Jedes Jahr gebe es mehr als eine Million Verkehrstote auf der Welt. Für die künftige Anwendung komplett selbstfahrender Autos müsse man mit den Behörden eine Grenze festlegen, wie viel besser eine Maschine sein muss als ein menschlicher Fahrer. Jede Reduzierung der Todeszahl sei aber ein Erfolg. Bisher gelte jedoch die Devise: Menschen dürfen Fehler machen, Maschinen nicht. Wenn es bei dieser Null-Fehler-Toleranz bleibe, werde es mit der flächenmäßigen Einführung schwer, räumte der Uber-Chef ein.

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