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Eklat im Führungsgremium : Mayrhuber wird nicht Lufthansa-Aufsichtsratschef

Wolfgang Mayrhuber wollte Aufsichtsratschef werden. Bild: Röth, Frank

Wolfgang Mayrhuber wird doch nicht Aufsichtsratschef von Deutschlands bedeutendster Fluglinie. Er reagiert damit auf Kritik wichtiger Aktionäre.

          3 Min.

          Der frühere Lufthansa-Chef Wolfang Mayrhuber wird nicht den Vorsitz des Aufsichtsrats übernehmen. Das teilte der Konzern am Montag in einer Pflichtmitteilung mit - nur einen Tag vor der anstehenden Hauptversammlung. Diese hätte am Dienstag in Köln eigentlich einen harmonischen Übergang an der Spitze des Kontrollgremiums darbieten sollen: Jürgen Weber, der 46 Jahre bei der Lufthansa war und seit 2003 deren Kontrollgremium führte, wollte zurücktreten. Im Gegenzug sollte den 71 Jahre alten Lufthansa-Doyen dann Wolfgang Mayrhuber, der bis 2010 Vorstandsvorsitzender war, in diesem Amt beerben.

          Ulrich Friese
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch kurz vor dem Stabwechsel im Aufsichtsrat kommt nun die spektakuläre Wende. Für den überraschenden Rückzug des 66 Jahre alten Österreichers sorgte erheblicher Widerstand ausländischer Investoren und auch von Mitarbeitern im Konzern: Vertreter von Großinvestoren wie Union Investment oder Templeton hatten sich zuletzt offen gegen eine Wahl Mayrhubers zum neuen Chefkontrolleur ausgesprochen.

          Kräftigen Auftrieb erhielten die Kritiker durch die einflussreiche Organisation Institutional Shareholder Services (ISS), die Fondsgesellschaften und andere institutionelle Investoren berät. Sie legte den Lufthansa-Aktionären nahe, die Wahl von Mayrhuber nicht zu unterstützen. Adressaten der ISS sind die ausländischen Aktionäre, die an der Lufthansa AG rund 36 Prozent halten. Zwar war der designierte Nachfolger Webers nach seinem Abschied als Vorstandsvorsitzender nicht direkt in den Aufsichtsrates gerückt und habe die Lufthansa für zwei Jahre verlassen, um die Anforderungen an eine gute Unternehmensführung (Corporate Governance) zu erfüllen, heißt es. Doch diese „Abkühlungsphase“ erscheint den ISS-Vertretern als zu kurz.

          Das Heck eines Lufthansa-Flugzeugs.
          Das Heck eines Lufthansa-Flugzeugs. : Bild: REUTERS

          Erschwerend kommt für die Governance-Verfechter hinzu, dass Mayrhuber heute über zu viele Kontrollposten bei anderen Unternehmen - darunter Infineon, der Großbank UBS oder Munich Re - verfügt, um sich auf die Herausforderungen bei der Lufthansa zu konzentrieren. Mayrhuber sah seinen Rückhalt im Aktionärskreis der Lufthansa schwinden und entschloss sich zum Verzicht auf seine Kandidatur, sagen Kenner in der Frankfurter Zentrale.

          Auch bei einigen Mitarbeitern machte sich Unmut über Mayrhuber breit. Mayrhuber habe als Konzernlenker den Kauf von verlustreichen Konkurrenten forciert, dabei jedoch Entscheidungen zur Erneuerung der Flotte, zum Ausbau der Billigfluggesellschaft Germanwings oder zur Expansion in Asien vernachlässigt, lautete der Tenor der Vorwürfe, die unlängst in einem anonymen Brief von führenden Mitarbeitern verbreitet wurden.

          Das Geschäft ist schwieriger geworden

          Für Amtsinhaber Weber ist der Rückzug seines Wunschkandidaten ein Schlag ins Kontor: „Wir brauchen in diesem Amt einen fundierten Branchenkenner - und das ist Mayrhuber“, ließ der Amtsinhaber die Kritiker beizeiten wissen. Auch der Konzernsprecherausschuss der leitenden Lufthansa-Angestellten distanzierte sich von der anonymen Kritik der Mitarbeiter. Und Christoph Franz, der 2011 als neuer Vorstandsvorsitzender in der Frankfurter Zentrale antrat, hält die Kritik am Amtsvorgänger für überzogen. Mayrhubers Entscheidungen müssten aus der damaligen Zeit heraus, in der sie gefällt wurden, und nicht mit dem Wissen, das man heute zur Verfügung habe, beurteilt werden.

          Das Umfeld hat sich in jüngster Zeit dramatisch verändert. Während der Lufthansa Preisbrecher wie Easyjet oder Ryanair im Kurz- und Mittelstreckenverkehr Kunden und Marktanteile abjagen, macht sich im Langstreckengeschäft die Konkurrenz von staatlich geförderten Fluggesellschaften gerade in der Wachstumsregion Asien immer stärker bemerkbar.

          Um die Millionenverluste im Europa-Verkehr endlich abzubauen, steuert Franz mit seinem Spar- und Effizienzprogramm „Score“ gegen. Gleichzeitig soll die Tochtergesellschaft Germanwings den Siegeszug von Easyjet & Co. in Eigenregie stoppen. Durch den Abbau von Personalkosten, straffe Arbeitsabläufe und Einschnitte bei den Flugkapazitäten muss das Konzernergebnis bis 2015 um mindestens 1,5 Milliarden Euro steigen. Vom harten Sparkurs bleibt laut Franz auch die Chefetage nicht verschont: „Wenn wir von allen Einschnitte verlangen, muss auch der Vorstand seinen Beitrag dazu leisten.“

          Selbst die Erweiterung des vierköpfigen Konzernvorstands auf fünf Personen dürfte wohl nur geringe Mehrkosten nach sich ziehen. Danach steigen Lufthansas Personalchefin Bettina Volkens und Swiss-Chef Harry Hohmeister in den obersten Führungszirkel auf. Das Duo ersetzt dort Amtsvorgänger Stefan Lauer, der beide Ressorts in Personalunion betreute. Während Volkens damit zur Personalchefin im Konzern avanciert, soll der Statthalter in der Schweiz möglichst von Zürich aus die Führung der übrigen Fluggesellschaften sowie die künftigen Beteiligungen des Konzerns mit übernehmen.

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