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Einzelhandel und Corona : Die Maske ist ein Lustkiller

Eine Frau kauft in einem Laden in Hamburg ein. Bild: dpa

Die Politik diskutiert über die Abschaffung der Maskenpflicht im Handel. Doch wollen das die Unternehmen überhaupt?

          4 Min.

          Warten könne man das nicht nennen, was er tut, sagt Stephan Nittel. „In Warten steckt ja auch das Wort Erwarten und mittlerweile erwarten wir nichts mehr“, sagt der Freiburger Juwelier. Nittel wäre es am liebsten gewesen, wenn die Maskenpflicht im Einzelhandel schon vor Wochen abgeschafft worden wäre. Aber sie ist immer noch da und in Baden-Württemberg, wo Nittel wie schon sein Großvater Luxusuhren und Trauringe verkauft, sei keine Änderung in Sicht. „Seit acht Wochen hören wir einfach nichts dazu von der Politik“, beklagt Nittel. Die Zahl der verkauften Colliers und Ohrringe sei rapide gesunken, seit mit den Corona-Auflagen die Maskenpflicht kam. Diamanten und Mundschutz, das passe einfach nicht zusammen.

          Stefanie Diemand

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Sarah Obertreis

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Nun hat die Debatte um die Maskenpflicht im Handel an Fahrt gewonnen. Denn Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) forderte eine Abschaffung der verpflichtenden Regelung. Er rechne damit, dass das Kabinett in Schwerin am 4. August ein Ende der Maskenpflicht im Einzelhandel beschließen wird.

          „Die Maskenfrage alleine rettet uns nicht“

          Der Vorschlag stieß auf viel Gegenwind: Bundeskanzlerin Angela Merkel lehnt eine Lockerung ab. „Überall dort, wo im öffentlichen Leben der Mindestabstand nicht gewährleistet sein kann, sind Masken ein wichtiges und aus heutiger Sicht auch weiter unverzichtbares Mittel“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. So positionieren sich auch die meisten Bundesländer: Gegen ein Ende der Maskenpflicht sprachen sich unter anderem Bayern, Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein, Rheinland-Pfalz und Hamburg aus.

          Während die Politik weiter über die Abschaffung der Maskenpflicht diskutiert, reagieren die meisten Einzelhändler verhaltener als Juwelier Nittel. „Für den Einzelhandel ist es gut, wenn die Maskenpflicht, sobald dies gesundheitspolitisch möglich und vernünftig ist, abgeschafft wird“, sagt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth. Doch auch der Handelsverband will das nicht selbst entscheiden, die Einschätzung dazu müssten Politik und Medizin treffen.

          Vor allem die Modehändler ächzen noch unter der Krise, der Handelsverband Textil (BTE) geht davon aus, dass die Textilunternehmen im ersten Halbjahr zwischen 30 und 40 Prozent ihrer Umsätze eingebüßt haben. „Die Maske ist natürlich ein Lustkiller, sie ist lästig und behindert beim Modeeinkauf. Ware anzuprobieren ist nicht ideal“, sagt BTE-Sprecher Axel Augustin. „Doch hilft es auch nicht, wenn man die Maskenpflicht abschafft und dann die Kunden verliert, die vorsichtig sind.“

          Im Verband gibt es ebenfalls keine einheitliche Meinung und belastbare Zahlen noch weniger, weil auch andere Effekte wie geringe Einkommen der Konsumenten durch Kurzarbeitergeld oder die generelle Unsicherheit zur konjunkturellen Lage die Einkaufsfreude dämpfen. „Die Maskenfrage alleine rettet uns nicht. Wir brauchen gesellschaftliches Leben, damit es der Modebranche besser geht“, ist Augustin überzeugt. Derzeit fehlen die Messen, die Feste oder Abi-Bälle, also die Anlässe, zu denen Menschen Mode kaufen.

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