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Einzelhandel : Rewe übernimmt Supermarktkette Extra von Metro

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Bald nicht mehr unter dem Dach der Metro: 245 Extra-Märkte gehen an die Handelsgruppe Rewe. Bild: AP

Die Konzentration im deutschen Einzelhandel setzt sich fort: Die Rewe-Gruppe übernimmt vom Handelsriesen Metro die Marktkette Extra mit knapp 10.000 Mitarbeitern - für schätzungsweise 500 Millionen Euro.

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          Die fast 10.000 Mitarbeiter zählende Supermarktkette Extra wechselt den Besitzer: Deutschlands größter Handelskonzern Metro verkauft seine Vertriebslinie für einen nicht genannten Preis an den Branchenzweiten Rewe. Das teilten beide Unternehmen am Donnerstagabend mit. Demnach sollen bundesweit 306 Märkte und die dort beschäftigten 9.700 Mitarbeiter zum 1. Juli 2008 vom Kölner Handelskonzern übernommen werden. Der Name Extra soll bereits in der zweiten Jahreshälfte mit der Umflaggung der Märkte auf Rewe verschwinden. Die Franchisemarken Comet und Bolle, unter denen 61 der 306 Märkte laufen, würden dagegen zunächst weitergeführt.

          Der neue Metro-Chef Eckhard Cordes kann mit dem Verkauf von Extra einen wichtigen Erfolg vorweisen. Er war Anfang November von der Aufsichtsratsspitze auf den Vorstandsvorsitz gewechselt und hatte eine wertorientierte Weiterentwicklung des Konzerns angekündigt. Die Trennung von Extra war allerdings noch unter seinem Vorgänger Hans- Joachim Körber eingeleitet worden. „Mit dem Verkauf von Extra konzentrieren wir uns im Lebensmittel-Einzelhandel klar auf das Real SB-Warenhaus und können unsere Kräfte für die erfolgreiche Repositionierung in Deutschland noch wirkungsvoller bündeln“, erklärte Cordes in einer Mitteilung. Der Konzern reduziere durch den Verkauf die bilanzielle Nettoverschuldung um rund 350 Millionen Euro.

          Konzentration im Lebensmittelhandel wächst

          Der Transaktionswert wird in Branchenkreisen auf 500 Millionen Euro geschätzt. Laut Medienberichten war neben Rewe auch die Edeka an den Extra-Märkten interessiert. Beide Genossenschaftsgruppen hatten sich im vergangenen Jahr um Zukäufe auf dem deutschen Markt bemüht. Bei der Partnersuche des Handelskonzerns Tengelmann für dessen Discounttochter Plus war Edeka erfolgreich. Das Rewe-Gebot kam nicht zum Zug. Mit dem Geschäft zwischen Metro und Rewe geht nun die Konzentration im Lebensmittelhandel weiter. Die großen Konzerne und Genossenschaftsgruppen bauen mit den Zukäufen ihre Marktmacht aus. Die Lebensmittelindustrie, die sich damit auf härtere Verhandlungen um Preise einstellen muss, beklagt diesen Prozess seit längerem.

          Hat künftig 245 Märkte mehr zum Einkaufen: Rewe-Chef Alain Caparros

          „Von der Transaktion profitieren Rewe und Metro gleichermaßen“, sagte Rewe-Chef Alain Caparros in einer Mitteilung. Beide Unternehmen konzentrierten sich auf ihre speziellen vertrieblichen Stärken im verschärften Wettbewerb im deutschen Lebensmittelhandel. „Neben unserem forcierten organischen Wachstum mit rund 130 neuen Rewe-Märkten allein im laufenden Jahr können wir durch die Übernahme der Extra-Märkte insbesondere in Nordrhein-Westfalen und in Niedersachsen unser Rewe-Vertriebsnetz schlagartig verdichten“ erläuterte er. In Berlin verdoppele Rewe ihre Standorte auf nahezu hundert. „Sicher ist Extra aktuell auch eine wirtschaftliche Herausforderung“, räumte er ein. Rewe erwarte aber Kostenvorteile in Logistik und Beschaffung.

          Extra schreibt wohl rote Zahlen

          Branchenkenner gehen davon aus, dass Extra rote Zahlen schreibt. Die Supermarktkette gehört bislang zur Metro-Tochter Real, die in den ersten neun Monaten 2007 tief in die Verlustzone gerutscht war. Der Jahresumsatz von Extra wurde mit rund 1,6 Milliarden Euro beziffert. Rewe ist nach Edeka der zweitgrößte Lebensmittelhändler in Deutschland mit rund 3.000 Supermärkten und mehr als 2.000 Märkten der Discountkette Penny sowie rund 150 toom-SB-Warenhäusern und toom- Getränkemärkten. Für den Vollzug der Extra-Übernahme durch Rewe ist die Genehmigung der Kartellbehörden erforderlich. Die Kölner hatten mit Wirkung zum Jahresanfang 2005 bereits 119 Extra-Märkte von der Düsseldorfer Metro übernommen und in ihr Vertriebsnetz eingebaut.

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