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Einzelhandel im Advent : Wenn der Weihnachtsmann Post-its klebt

Nicht nur glitzernde Lichter, sondern auch knackige Rabatte locken zum Weihnachtseinkauf. Bild: Maximilian von Lachner

Im Adventsgeschäft zeigt sich der Einzelhandel besonders kreativ. Der Kampf gegen das Internet führt zu hohen Rabatten und ungewöhnlichen Werbeaktionen.

          Das Weihnachtsfest naht. Und so manches Geschenk liegt schon längst hoffentlich gut versteckt zu Hause. Dabei scheint sich der frühe Kauf der Präsente in diesem Jahr besonders zu lohnen. Der Handel lockt mit umfangreichen Rabatten, so weit das Auge reicht. Abschläge von 20 oder 30 Prozent sind keine Seltenheit. Und noch ist die Auswahl zudem groß.

          Kerstin Papon

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Doch geschenkt bekommt der Kunde dennoch nichts, auch nicht den Schnäppchenpreis. Denn vieles wird durch große Prozentzeichen und die rote Farbe auf dem Etikett überhaupt erst attraktiv.

          Viele Geschäfte zeigen sich zudem äußerst kreativ - mit kleinen und großen Werbeaktionen für einen Tag oder eine ganze Woche und ausgefallenen Ideen. Es finden sich Schilder und Aufkleber hier und dort und ständig neue Mails im Postfach. Der Kunde ist gefordert. Er muss aufmerksam sein, suchen, vergleichen und Coupons verwahren. Er muss sich viel Zeit nehmen, falls er in diesem Gerangel um die Preise mitmachen möchte.

          Rabatte auch auf der Zeil

          Das Beispiel Zeil - eine große Einkaufsstraße mitten in der Frankfurter Innenstadt. Am Samstag warb hier eine Filiale der Parfümerie-Kette Douglas an ihrem Eingang mit Schildern für einen Rabatt über 20 Prozent. Dafür reiche es, an der Kasse zum Beispiel einen Zettel (Post-it) vorzuzeigen, der sich am Schaufenster befinde. Am Schaufenster? Draußen, ganz links unten auf der großflächigen Scheibe klebten diese Zettel tatsächlich.

          Am ersten Adventswochenende rund um „Black Friday“ und „Cyber-Monday“ gewährte Douglas diesen Rabatt noch automatisch jedem Kunden. Bei der Modekette Esprit wiederum müssen Inhaber der Kundenkarte an der Kasse derzeit aktiv fragen, um den „Private Sale“-Rabatt über 20 Prozent zu erhalten, sonst gilt der Normalpreis.

          Im Weihnachtsgeschäft verzeichnet der Einzelhandel traditionell eine deutliche Umsatzsteigerung.

          Das Wort „Adventskalender“ bekommt in diesen Tagen zudem eine ganz neue Bedeutung. Auf diese Art des Marketings setzt zum Beispiel die zu Gerry Weber gehörende Modekette Hallhuber. An jedem Tag gibt es hier neue besondere Angebote. Am vergangenen Freitag waren Accessoires 20 Prozent günstiger, am Samstag Mäntel und zu Wochenbeginn jeweils ausgewählte Stücke.

          „Jeden Tag ein neues Angebot!“, werben auch die Karstadt-Warenhäuser in einem Prospekt. Am Montag dieser Woche war hier eine Weihnachtsmann-Mütze voller Pralinen reduziert, am Dienstag ein Jil-Sander-Parfum. Seit Mittwoch ist die Werbeaktion breiter geworden. Zunächst gab es 20 Prozent Rabatt auf Uhren. Am Donnerstag sind Backartikel an der Reihe, und am Freitag sind Kleinlederwaren und Taschen dran.

          Lange Schlangen an den Kassen

          Rabatte dieser Art scheinen dem Handel gutzutun. Denn das Weihnachtsgeschäft läuft inzwischen offenbar ganz gut, startete es doch zunächst noch enttäuschend. Dies zeigt eine Umfrage des Handelsverbandes Deutschland. In der Woche vor dem zweiten Advent wurde offenbar mehr umgesetzt als in der Vorwoche und auch mehr als im vergangenen Jahr. Vor allem der vergangene Samstag war vielerorten verkaufsstark - lange Schlangen vor Parkhäusern, Cafés und Kassen in den Innenstädten ließen dies schon erahnen. Beliebt waren insbesondere Lebensmittel, Unterhaltungselektronik, Kosmetika und Spielwaren.

          Mit Rabatten versucht der Einzelhandel vor Ort der wachsenden Online-Konkurrenz entgegenzutreten. In der Textilbranche wird schon jeder fünfte Euro im Internet umgesetzt - Tendenz steigend. Doch die Kosten im stationären Einzelhandel sind hoch, der Preisdruck ist immens. Nicht ohne Grund haben allein in diesem Jahr namhafte Textilunternehmen wie Pohland, Sinn Leffers, Steilmann, Strauß, Wöhrl oder Zero Insolvenz angemeldet.

          Nicht alle Rabatte sind erfolgreich

          Nicht nur der Online-Handel setzt immer stärker auf Black Friday & Co. Der Tag nach Thanksgiving gilt als traditioneller Auftakt des Weihnachtsgeschäfts in Amerika. In diesem Jahr haben sich hierzulande zudem so viele Einzelhändler vor Ort der Rabattjagd angeschlossen wie nie zuvor.

          Dies gelte ebenfalls für den Textilhandel, sagt ein Sprecher des Branchenverbands. Viele Rabatte seien viel zu undifferenziert und erfolgten inzwischen viel zu früh im Winter, der kalendarisch noch nicht einmal begonnen habe. Denn nach einem viel zu warmen September liefen die Geschäfte eigentlich ganz gut. Nach dem katastrophalen Jahr 2015 habe der Textilhandel zudem vermutlich auch vorsichtiger eingekauft.

          Immer mehr und auch immer früher: Die Kunden gewöhnen sich an all diese Rabatte und erwarten sie inzwischen auch. Das ist fatal für die Unternehmen. Dabei ist die nächste Preisrunde im Kalender der Rabattjäger schon fest eingeplant. Gleich nach den Feiertagen geht es mit großem Halali ins neue Jahr - auch wenn sich dann viele wohl einfach nur selbst beschenken werden.

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