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Einzelhandel : Fünf Wege aus der Arcandor-Krise

  • Aktualisiert am

An der Arcandor-Tochter Karstadt ist der Metro-Konzern interessiert Bild: AP

Der angeschlagene Handelskonzern Arcandor kämpft ums Überleben. Bis zum kommenden Freitag muss das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Lösung gefunden haben, sonst droht ihm die Pleite. Welche Auswege aus der Krise gibt es?

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          Der angeschlagene Handelskonzern Arcandor kämpft ums Überleben. Ein hoher Schuldenberg und rote Zahlen drohen ihn zu erdrücken. Bis zum kommenden Freitag muss das Unternehmen nach eigenen Angaben eine Lösung gefunden haben, sonst droht ihm die Pleite. Welche Auswege aus der Krise gibt es?

          1. Der Deutschlandfonds

          Arcandor selbst würde am liebsten Hilfen aus dem sogenannten Deutschlandfonds in Anspruch nehmen. Der Konzern hat Staatsbürgschaften in Höhe von 650 Millionen Euro sowie einen Kredit in Höhe von 200 Millionen Euro aus diesem Topf beantragt.

          Der Vorteil für den Konzern: Die Hilfen wären mit vergleichsweise wenig Auflagen verbunden.
          Das Problem: Der Deutschlandsfond wurde ins Leben gerufen zur Unterstützung von Firmen, die allein durch die Finanzkrise in Schwierigkeiten geraten sind. Arcandor steckte jedoch nach Auffassung der EU schon vor der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass das Unternehmen Hilfen aus diesem Topf erhält (siehe EU gegen Staatshilfe für Arcandor).

          2. Rettungsbeihilfen

          Arcandor hat deshalb auf Anraten der Bundesregierung auch Antrag auf Rettungsbeihilfen in Höhe von 437 Millionen Euro gestellt.

          Der Vorteil: Derartige Kredite können unabhängig von der Finanzkrise zur „Rettung und Umstrukturierung von Unternehmen in Schwierigkeiten“ genehmigt und sehr kurzfristig ausgezahlt werden (siehe Wie Unternehmen an Staatskredite kommen).
          Das Problem: Die Beihilfe muss von der EU genehmigt werden. Zahlt das Unternehmen die Beihilfen nicht binnen sechs Monaten zurück, so muss es einen Umstrukturierungsplan vorlegen, der dann erneut von der Kommission geprüft wird. In der Regel ist die Umstrukturierung mit schmerzhaften Einschnitten verbunden.

          3. Hilfen der Eigentümer und Gläubiger

          Grundsätzlich gilt: Bevor der Staat zur Hilfe gerufen wird, sollten eigentlich Eigentümer des Unternehmens einspringen. Immerhin verfügen die beiden Haupteigentümer, die Eigner der Privatbank Sal. Oppenheim und die Familie Schickedanz über ein beträchtliches Vermögen.

          Der Vorteil: Die Staatskasse wird geschont.
          Das Problem: Es gibt es zumindest Hinweise, dass die Rettung von Arcandor die Eigentümer allein überfordern könnte. Madeleine Schickedanz zählt zwar zu den reichsten Deutschen, hat jedoch durch den Wertverlust der Arcandor-Aktien im vergangenen Jahr einen spürbaren Teil ihres Vermögens verloren (siehe Madeleine Schickedanz: Im Sog des Arcandor-Desasters). Auch die Bank Sal. Oppenheim hat ein schwarzes Jahr hinter sich und musste erst kürzlich ihre Anteilseigner um eine Kapitalerhöhung bitten.Dennoch werden die Eigentümer einen Beitrag zur Rettung leisten müssen. Sie haben sich nach Angaben des Konzerns bereits bereit erklärt, sich an einer Kapitalerhöhung in Höhe von 100 Millionen Euro zu beteiligen.

          4. Verkauf von Unternehmensteilen

          Statt auf Staatshilfen zu setzen, könnte Arcandor-Konzernteile verkaufen - etwa die Kaufhaustochter Karstadt oder seine Beteiligung am florierenden Touristikkonzern Thomas Cook.

          Der Vorteil: Mit dem Konkurrenten Metro gäbe es schon einen Interessenten für Karstadt (siehe Warenhäuser: Kaufhof will Karstadt und Die Warenhausallianz würde 40 Filialen schließen). Auch die Thomas-Cook-Aktien wären wohl leicht an den Mann zu bringen.
          Das Problem: In der gegenwärtigen Krise könnte Arcandor seine Töchter wohl nur weit unter Wert verkaufen. Ob für Karstadt überhaupt ein nennenswerter Betrag zu erhalten wäre, ist unsicher. Die Thomas-Cook-Aktien sind außerdem an die Banken verpfändet. So oder so dürften die Erlöse kaum ausreichen, um die Krise zu bewältigen.

          5. Insolvenz

          Ein Insolvenzantrag würde nicht bedeuten, dass bei Arcandor die Lichter ausgehen. Im Gegenteil, er könnte einen Neuanfang für das angeschlagenen Unternehmen bedeuten.

          Der Vorteil: Ein Insolvenzverwalter hätte deutlich größere Möglichkeiten den angeschlagenen Konzern zu sanieren, als das gegenwärtige Management (siehe Arcandor: Die Insolvenz wäre nicht das Ende).
          Das Problem: Bei der Sanierung würden mit einiger Sicherheit Tausenden von Arbeitsplätzen verloren gehen und am Ende könnte die Zerschlagung des Konzerns stehen. Den Kaufinteressenten gibt es Medienberichten zufolge nicht nur für Karstadt, sondern auch für große Teile der Versandhandelssparte Primondo (Quelle, Baby Walz, Hess Natur) und für die Arcandor-Anteile an der Touristiksparte Thomas Cook.

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