https://www.faz.net/-gqe-rf4x

Einzelhandel : Der Weihnachtsmann muß noch einen Zahn zulegen

In diesem Jahr noch ein wenig langsam unterwegs Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Weihnachten ist Spielzeit. 40 Prozent ihres Jahresumsatzes macht die Spielwarenbranche in den Monaten November, Dezember und Januar. Aber zur Zeit gibt es eher lange Gesichter im deutschen Spielwarenhandel.

          Weihnachten ist Spielzeit. 40 Prozent ihres Jahresumsatzes macht die Spielwarenbranche in den Monaten November, Dezember und Januar. Aber zur Zeit gibt es eher lange Gesichter im deutschen Spielwarenhandel. Der Monat Oktober war schon schlecht und der November schloß mit einem Umsatzminus von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und selbst der Dezember ist nach Angaben von Willy Fischel, Geschäftsführer des Bundesverbandes des Spielwaren-Einzelhandels bisher zwar zufriedenstellend, "aber der große Schwung fehlt noch", ganz zu schweigen von einem Ausgleich der Umsatzverluste der Vormonate.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          Selbst wenn es wenige Tage vor dem Fest und nach den Feiertagen bei der Umsetzung vieler Geldgeschenke noch zu einem Boom kommen sollte, sei der Vorjahresumsatz von 3,2 Milliarden Euro aus heutiger Sicht nicht erreichbar, heißt es. Dabei war schon 2004 der Spielwarenumsatz in Deutschland um 1,5 Prozent gesunken.

          Die Zahl der Spieler nimmt ab, das Spielalter geht zurück

          Die Spielwarenbranche leidet unter mehreren Entwicklungen. Die allgemeine Konjunkturschwäche ist noch ihr geringstes Problem, weil gerade bei Kindern zuletzt gespart wird. Viel gravierender für die Spielwarenbranche sind die demografische Entwicklung, also der Rückgang der Geburten, und die zunehmende Verkürzung des klassischen Spielealters, weil schon ab 12 Jahren fast nur noch Produkte gewählt werden, die eigentlich zur Unterhaltungselektronik (MP3-Player) oder zur Computersoftware (Computerspiele) gehören.

          Diese Entwicklungen treffen den Spielwarenhandel insgesamt; sie treffen aber besonders die deutschen Hersteller. Deutschland ist zwar der Erfinder des industriell gefertigten Spielzeugs. Aber Spielzeuge der Elektronik kommen fast nur aus Japan (Nintendo, Sony) oder aus Amerika (Microsoft). Auch wenn der Deutsche Verband der Spielwaren-Industrie davon ausgeht, daß der Rückgang des Spielalters und die elektronische Revolution ihre Höhepunkte überschritten haben, hat er dennoch nachhaltig die älteren Kinder als Kunden verloren und muß bei den jüngeren Kindern weiterhin mit sinkenden Geburten kämpfen.

          Daher haben namhafte deutsche Unternehmen in den vergangenen Monaten durch Negativmeldungen von sich Reden gemacht. Der einzige börsennotierte Spielwarenhersteller Zapf Creation AG muß noch einmal einen sinkenden Jahresumsatz hinnehmen und das traditionsreiche Modellbahnunternehmen Märklin gar ist auf der Suche nach neuen Eigentümern. Auch wer in diesen Tagen von seinem Händler zu hören bekommt, daß es die eine oder andere Lokomotive von Märklin vor dem Fest nicht mehr gibt, weil das Unternehmen Lieferschwierigkeiten hat, sollte daraus nicht auf einen großen Umsatzzuwachs schließen.

          Brettspiele und Modelleisenbahnen sind eine „deutsche Anomalie“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Warb auf Französisch, auf Deutsch und auf Englisch vor dem Europaparlament für sich: Ursula von der Leyen

          Von der Leyen in Straßburg : Ein Klimagesetz binnen 100 Tagen

          Mit Verve und in drei Sprachen wirbt Ursula von der Leyen vor dem EU-Parlament für sich. Nun beraten die Abgeordneten darüber, ob sie die CDU-Politikerin zur Kommissionspräsidentin machen wollen. Alle Blicke richten sich auf eine Fraktion.
          Der Eingriff in die bundesweite Verteilung von Krankenhäusern muss mit chirurgischer Präzision ausgeführt werden – sonst leidet die Versorgungssicherheit vor allem auf dem Land schnell.

          Zu viele Hospitale : Der Patient Deutschland

          Die Deutschen lieben ihr Krankenhaus in direkter Nähe – mag es auch noch so schlecht ausgestattet sein. Daher hat auch die Politik kein Interesse an einem großflächigen Abbau der Hospitäler. Vernünftig ist das nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.