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Einstieg bei Daimler : Die ehrgeizigen Anlagestrategen aus Abu Dhabi

Sorgt wieder einmal für internationale Schlagzeilen: das Einkaufs-, Erholungs- und Geschäftszentrem Abu Dhabi Bild: DPA

Mit der Übernahme von 9,1 Prozent an Daimler setzt die Aabar Investment aus Abu Dhabi den Ausbau ihres Beteiligungsportfolios fort. Im Januar hatte sie bereits 70 Prozent des Essener Anlagebauers Ferrostaal übernommen. Doch wer verbirgt sich hinter den Investoren aus dem Emirat?

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          Mit der Aabar Investment PJSC betritt eine neue Staatsholding des Emirats Abu Dhabi das internationale Parkett. Der Einstieg mit 9,1 Prozent als neuer Großaktionär bei Daimler ist ihre erste große Akquisition. Die Muttergesellschaft von Aabar, die International Petroleum Investment Company (IPIC), zählt zu den drei wichtigsten Staatsholdings des Emirats Abu Dhabi. Im Januar 2009 hatte sie 70 Prozent der Anteile am Anlagenbauer Ferrostaal übernommen.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Der Vorstandsvorsitzende von Aabar, Chadem al Qubaisi, gab als Gründe für den Einstieg bei Daimler „das hervorragende Management, die guten Autos und die Technologiekompetenz“ des Konzerns an. In das Tagesgeschäft werde man sich nicht einmischen, interessiert sei Abu Dhabi an einer langfristigen Partnerschaft. Denn Abu Dhabi brauche deutsche Technologie, damit das Emirat zukunftsfähig werde. Daher kaufte die IPIC auch Ferrostaal. Der Essener Anlagenbauer soll in Abu Dhabi einen Löwenanteil beim Bau der weltgrößten petrochemischen Anlage übernehmen.

          Liquide Mittel von umgerechnet 2 Milliarden Euro

          Bereits 2006 hatten Abu Dhabi und die Volkswagen AG über einen Einstieg des Staatsholding „Abu Dhabi Investment Authority“ (ADIA) beim Wolfsburger Konzern verhandelt. Neben Meinungsverschiedenheiten über die Bewertung gab es in Abu Dhabi starke Vorbehalte, weil Volkswagen nicht als eine der führenden Automarken bewertet wurde, so dass das Projekt platzte. Abu Dhabi war interessiert, einen Geländewagen von Volkswagen im Emirat zu montieren oder zu produzieren. Erst vor im vergangenen September war die IPIC bei Aabar eingestiegen, die auch als Staatsholding weiter an der Börse Abu Dhabi gehandelt wird. Am 18. Februar 2009 erwarb die IPIC durch die Umwandlung von Wandelanleihen einen Anteil von 36 Prozent. Ziel der Maßnahme sei, Aabar zu einer globalen Investmentgesellschaft zu machen, die nicht mehr nur in Energie investiere, sondern auch in neue Märkte vorstoße, erklärte die IPIC. Sie hat eine Option auf den Erwerb einer Mehrheit bei Aabar und würde Aabar bei einer Umwandlung aller Anleihen 1,8 Milliarden Dollar zuschießen. Die Anleihe ist jederzeit konvertierbar.

          Automobilindustrie : Abu Dhabi steigt bei Daimler ein

          Nach Abschluss werde Aabar liquide Mittel von umgerechnet 2 Milliarden Euro haben, erklärte Chadem al Qubaisi, der seit September 2008 gleichzeitig Vorstandsvorsitzender bei der IPIC und bei Aabar ist. Mitglied des Vorstands beider Gesellschaften ist ferner Alyazia al Kuwaiti, die als eine der bekanntesten Managerinnen von Abu Dhabi ebenfalls Mitglied im Vorstand der OMV AG ist, an der die IPC 17,6 Prozent hält.

          Die Chance der Krise zu Akquisitionen nutzen

          Die Aabar Investments PJSC ist aus der Aabar Energy PJSC hervorgegangen. Im März 2005 hatte sie zwei Staatsholdings von Abu Dhabi, die Abu Dhabi Investment Company (ADIC) und Mubadala, sowie der Ölmanager Suhail Faris Mazroui gegründet. Sie hatte das Mandat, in die Öl- und Gasindustrie zu investieren. Mit dem Erlös aus dem Börsengang von 250 Millionen Dollar erwarb Aabar im Juli 2005 für 100 Millionen Dollar die lokale Ölfirma Dalma Energy. Anfang 2006 erwarb Aabar für 550 Millionen Dollar Pearl Energy. Dazu legte Aabar eine islamische Anleihe Suquq für 460 Millionen Dollar auf. Dalma unterzeichnete 2007 einen Ölfördervertrag in Algerien und begann in Indonesien mit der Ölproduktion. Aabar verkaufte erst Dalma für 446 Millionen Dollar, später Pearl Energy für 833 Millionen Dollar an die Staatsholding Mubadala. Sie waren der Grundstock für die Investitionen. Die Aabar Energy PJSC nannte sich mit der Übernahme durch die IPIC in Aabar Investment PJSC um. Qubaisi gibt das Investmentportfolio dieser Muttergesellschaft IPIC mit 15 Milliarden Dollar an; in den kommenden fünf Jahren will er es auf 20 Milliarden Dollar aufstocken.

          Er wolle die Chance der Krise zu Akquisitionen nutzen, sagte Qubaisi bei der Übernahme von Ferrostaal. Die 1984 gegründete, aber lange inaktive Staatsholding untersteht direkt dem „Hohen Ölrat“ des Emirats, das 10 Prozent der Weltölreserven kontrolliert. Die IPIC hält ihre Beteiligungen langfristig und hat sich noch von keinem Engagement getrennt.

          Neben Aabar gehören zu ihren Beteiligungen die OMV AG (17,6 Prozent), Borealis (65 Prozent, der Rest gehört der OMV), die südkoreanische Hyundai Oilbank (70 Prozent), die spanische Ölgesellschaft Cepsa (9,5 Prozent), Cepsa Maghreb (50 Prozent), die pakistanische Raffinerie Pak Arab und die Abu Dhabi Petroleum Investments Holding (75 Prozent). Im Februar zahlte die IPIC bei ihrem Einstieg in Nordamerika 2,3 Milliarden Dollar für den kanadischen Kunststoffkonzern Nova Chemicals, der fast die Hälfte seiner Erlöse in den Vereinigten Staaten erzielt.

          Die IOIC ist mit dem Engagement bei Ferrostaal und indirekt bei Daimler die am sichtbarsten wachsende Staatsholding von Abu Dhabi geworden. Ursprünglich wurde sie als Investitionsarm für die Öl- und Gasindustrie gegründet. Unter Qubaisi wird sie nun zunehmend zu einem Instrument für die Diversifizierung der Volkswirtschaft des Ölemirats. Eine ähnliche Funktion erfüllt die 2002 gegründete Staatsholding Mubadala. Zuletzt erwarb sie einen bedeutenden Anteil am Chiphersteller AMD und an der Kapitalgesellschaft Carlyle. Mubadala ist mit 5 Prozent der größte Aktionär bei Ferrari und hält an Piagio Aero 35 Prozent. Mit General Electric vereinbarte Mubadala gemeinsame Projekte für 8 Milliarden Dollar. Mubadalas Ziel ist, Abu Dhabi zu einem Standort für die Produktion der Luftfahrt zu machen. Dem dienen auch Partnerschaften mit EADS und Boeing. Mubadala steht ferner hinter dem Vorhaben, in Abu Dhabi die größte Aluminiumschmelze zu bauen.

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