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Einstellungsstopp ausgeweitet : Lufthansa will 250 Millionen Euro einsparen

  • Aktualisiert am

Der Streik trifft die Lufthansa in einer schwierigen Zeit Bild: REUTERS

Die Lufthansa hat am dritten Streiktag erstmals auch Langstreckenflüge streichen müssen. Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen verkündete die größte deutsche Fluggesellschaft zudem, dass der Einstellungsstopp ausgeweitet werde, um Kosten zu sparen.

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          Die Lufthansa hat am dritten Streiktag erstmals auch Langstreckenflüge streichen müssen. Wegen des Ausstandes von Mitarbeitern in der Technik, im Bordservice und
          in der Bordverpflegung seien insgesamt 82 Flüge ausgefallen, sagte ein Konzernsprecher am Mittwoch in Frankfurt am Main.

          Auf den internationalen Strecken fielen demnach zwölf Verbindungen von Frankfurt und München zu den nordamerikanischen Flughäfen New York, Chicago, Dallas und Calgary sowie nach Kalkutta und Dubai aus. Auch 70 innereuropäische Flüge wurden gestrichen. Die Gewerkschaft Verdi forderte von der Lufthansa ein besseres Angebot für das Boden- und Kabinenpersonal. Neun nicht mehr gewartete Lufthansa-Maschinen müssen mittlerweile am Boden bleiben.

          Kosten des laufenden Streiks nicht absehbar

          Der Streik trifft die Lufthansa in einer ohnehin schwierigen Zeit. Die Fluggesellschaft muss im laufenden Jahr voraussichtlich Treibstoffkosten von knapp 5,6 Milliarden Euro schultern - 1,7 Milliarden Euro mehr als im Vorjahr. Angesichts der explodierenden Ölpreise dreht die Lufthansa an der Kostenschraube. Die Fluggesellschaft weitet ihren Einstellungsstopp im Kerngeschäft aus. „Es gibt bei der Lufthansa Passage nun auch einen Einstellungsstopp für die operativen Bereiche, nicht mehr nur für die Administration“, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow am Mittwoch nach Vorlage der Halbjahreszahlen. Zusammen mit weiteren Sparmaßnahmen soll dies in diesem Jahr Einsparungen von 250 Millionen Euro im Geschäftsfeld Passage bringen. Zudem bereitet der Konzern Kapazitätsanpassungen vor.

          Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber zeigte sich trotz des schwierigen Umfelds dennoch zuversichtlich, im Gesamtjahr an das Rekordergebnis beim operativen Geschäft in Höhe von 1,38 Milliarden Euro 2007 anknüpfen zu können. Risiken lägen neben einem erneuten und anhaltenden Anstieg der Kerosinpreise und einem Konjunkturabschwung aber auch in den noch nicht absehbaren Kosten des laufenden Streiks. Im ersten Halbjahr steigerte die Lufthansa das operative Ergebnis um 45,1 Prozent auf 705 Millionen Euro.

          Druck auf Lieferanten wird erhöht

          Zum Winterflugplan werde die Kapazität angepasst, sagte Finanzvorstand Stephan Gemkow. Dazu würden derzeit mehrere Szenarien erarbeitet. Geld sparen will das Unternehmen auch mit zusätzlichen Maßnahmen zur Reduzierung des Treibstoffverbrauchs. Von Lieferanten sollen Nachlässe gefordert werden. Das soll zusammen mit dem Einstellungsstopp bei der Passage, der seit der vergangenen Woche auch für operative Tätigkeiten gilt, zusätzlich 100 Millionen Euro zu den bereits eingeplanten 150 Millionen Euro Einsparungen bringen.

          Wenn sich die Situation verschlechtere, könnten die Einbußen im Kerngeschäft noch über die 250 Millionen Euro hinausgehen, sagte Gemkow. In der Passage, wo sich „deutliche Bremsspuren“ zeigten, werde das Vorjahresergebnis voraussichtlich nicht wieder erreicht.

          Die Ausweitung der Kapazitäten in diesem Jahr werde wohl lediglich 6 statt der zunächst geplanten 7 Prozent betragen. An die Stornierung von Flugzeugbestellungen denke die Lufthansa aber nicht, sagte Gemkow.

          2,5 Milliarden Euro Treibstoffkosten

          Die Lufthansa hat ihre Treibstoffkosten für das Restjahr zu 85 Prozent abgesichert und für 2009 bereits zu 57 Prozent. Im ersten Halbjahr wandte das Unternehmen 2,5 Milliarden Euro für Kerosin auf, im Vorjahreszeitraum waren es - ohne 386 Millionen Treibstoffkosten für die Flieger der Swiss - nur 1,6 Milliarden Euro.

          Mayrhuber sagte, der Konzern habe die große Chance, aus der zunehmend schwieriger werdenden Lage in der Branche relativ gestärkt hervorzugehen. Im ersten Halbjahr sank der Nettogewinn um 60 Prozent auf 402 Millionen Euro. Im Vorjahr waren gut 570 Millionen Euro aus dem Verkauf der Thomas-Cook-Anteile und dem Rückkauf eigener Aktien durch die Amadeus-Holding WAM Acquisition angefallen. Der Umsatz stieg in den ersten sechs Monaten um 19,5 Prozent auf 12,1 Milliarden Euro.

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