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Einschnitte drohen : Die ungewisse Zukunft von Real

  • -Aktualisiert am

Noch ist unklar, wie viele Real-Märkte schließen müssen. Bild: Reuters

Metro will die Supermarktkette Real verkaufen, ein Immobilieninvestor hat Interesse. Für die Mitarbeiter könnte ein Verkauf aber unangenehme Folgen haben. Nun wurde bekannt, dass Edeka mit den Käufern im Kontakt steht.

          Sollten sich der Handelskonzern Metro und das Konsortium rund um den Immobilieninvestor Redos bis zum Sommer wie geplant auf den Verkauf der Tochtergesellschaft Real verständigen, droht der schwächelnden Supermarktkette eine tiefgreifende Restrukturierung. Der Investor habe ein überzeugendes Konzept vorgelegt, das unter anderem auf die Fortsetzung der Marke Real baue, sagte der Metro-Vorstandsvorsitzende Olaf Koch am Donnerstag zur der Vorlage des Halbjahresberichts. Das heiße aber nicht, dass es ohne notwendige Veränderungen weitergehen könne. Im Gegenteil: Wie auch die aktuellen Zahlen belegten, sei eine signifikante Anpassung des Geschäftsmodells, der Kostenstrukturen und des Filialnetzes erforderlich.

          Brigitte Koch

          Wirtschaftskorrespondentin in Düsseldorf.

          Der Handelskonzern hatte sich am Mittwoch mit Redos auf exklusive Verhandlungen über den Verkauf des langjährigen Sorgenkinds verständigt. Das Rahmenkonzept sieht vor, Real als Ganzes zu verkaufen, neben dem operativen Geschäft also auch die rund 65 in Eigenbesitz liegenden Märkte des rund 280 Einheiten umfassenden Filialnetzes. Zum Konsortium gehören dem Vernehmen nach Morgan Stanley Real Estate sowie der ebenfalls auf Einzelhandelsimmobilien spezialisierte Hamburger Projektentwickler ECE.

          Arbeitnehmervertreter fürchten Zerschlagung

          Wie viele Filialen von Real letztlich aus wirtschaftlichen Gründen vor dem Aus stehen, mochte Koch noch nicht sagen. Die Details der Neuausrichtung werde Redos in den nächsten Wochen gemeinsam mit dem Real-Management ausarbeiten. Vorabsprachen über die Weitergabe einzelner Filialportfolios an andere Handelsunternehmens gebe es nicht, allerdings hätten viele schon ihr Interesse bekundet. Das Redos-Management hatte am Mittwoch betont, im Falle von Standortabgaben großen Wert auf die Übernahme der Mitarbeiter zu legen.

          Seit Metro Real im vergangenen Herbst auf die Verkaufsliste gesetzt hat, fürchten die Arbeitnehmervertreter eine Zerschlagung der Kette, die zuletzt mit rund 34.000 Beschäftigten rund sieben Milliarden Euro umgesetzt hat. Nach Informationen des Branchenblattes „Lebensmittelzeitung“ soll der Lebensmittelhändler Edeka Kontakte zu dem Konsortium haben und sich Hoffnungen machen, im Idealfall bis zu 100 Standorte zu übernehmen. Auch Kaufland hat Interesse an der Übernahme von Häusern öffentlich gemacht. Koch hat freilich im bisherigen Verkaufsprozess immer wieder betont, sich nicht auf kartellrechtliche Risiken einlassen zu wollen.

          Sollte es zum Vertragsabschluss kommen, wird Metro noch mit einer Minderheit von 24,9 Prozent am operativen Geschäft von Real beteiligt bleiben. Dies geschehe auf ausdrücklichen Wunsch der designierten Erwerber, sagte Koch. Man habe dann aber weder die Sperrminorität, noch die Kontrolle. Da Metro diese Finanzbeteiligung nach drei Jahren auch abgeben kann, sei das wirtschaftliche Risiko für den Konzern klar limitiert. Er erwartet aus der Transaktion einen Cash-Zufluss von rund einer halben Milliarde Euro.

          Metro konzentriert sich auf den Großhandel

          Nachdem schon in der Bilanz 2017/18 rund 64 Millionen Euro auf den Unternehmenswert und 24 Millionen Euro auf Sachanlagen von Real abgeschrieben wurden, ist das jetzt vorgelegte Quartalsergebnis nochmals von einer nicht zahlungswirksamen Wertberichtigung von 385 Millionen Euro belastet. In der Folge weist Metro im zweiten Quartal unter dem Strich einen Verlust von 459 (Vorjahr: 53) Millionen Euro aus. Die hohen Wertberichtigungen waren am Donnerstag auch wesentlicher Grund dafür, dass die im Mittelwerteindex M-Dax notierte Metro-Aktie um bis zu 6 Prozent auf Werte von weniger als 14 Euro nachgab.

          Metro will sich künftig ausschließlich auf sein Großhandelsgeschäft konzentrieren und vor allem das Geschäft mit der Gastronomie steigern. Hier sieht Koch inzwischen insgesamt Fortschritte. Im zweiten Quartal hat der Konzernumsatz im fortgeführten Geschäft freilich bei 6,8 Milliarden Euro stagniert. Wegen des in diesem Jahr späten Termins fehlten in einigen Ländern die Umsätze des Ostergeschäfts. Flächenbereinigt machte das Plus 1,2 Prozent aus.

          Während der Großhandel vor allem im schwierigen russischen Markt und in Deutschland mit sinkenden Umsätzen zu kämpfen hatte, verbuchte Metro in Asien und Osteuropa Zuwachsraten. Das als nicht fortgeführter Bereich ausgewiesene Geschäft von Real ging nicht zuletzt wegen der Verschiebung des Ostergeschäfts weiter zurück. Flächenbereinigt sank der Umsatz um mehr als 5 Prozent. Zu den Gesprächen über mögliche Partnerschaften in China glaubt Koch im Sommer mehr sagen zu können. Das Geschäft sei eine Perle, aber zum Löwenanteil Einzelhandel und damit nicht Kernkompetenz von Metro. Deshalb suche man nach Lösungen mit Partnern. Die Zahl der Interessenten habe positiv überrascht, sagte er.

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