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Textilien : „Die Jeans für 9,99 Euro ist zu billig“

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Mode für die ganze Welt: Eine Näherei im chinesischen Shenzen Bild: Bildagentur-online/SC-Photos

Patrick Andrist kauft seit fast zehn Jahren in Asiens Textilfabriken für deutsche Modehäuser Kleidung ein. Er sagt: Den Näherinnen geht es besser.

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          Herr Andrist, werden die Textilien, die wir kaufen, unter menschlichen Bedingungen gefertigt?

          Dafür gibt es hier in Asien, Stand heute, keine Garantie.

          Ist es Zara, Hennes & Mauritz oder Primark denn egal, wie die Textilien in China oder Bangladesch hergestellt werden?

          Nein, die Unternehmen sind eindeutig stärker daran interessiert als früher. Aber die Verbesserung der Verhältnisse geht eben nicht auf Knopfdruck. Das ist ein Prozess.

          Was ändert sich denn?

          Die Modehändler kaufen zum Beispiel anders ein. Früher haben die Firmen die Ware über europäische Importeure beschafft, heute wenden sie sich direkt an die Produzenten oder schalten Agenturen wie die unsere ein. Dann sehen sie die Fabriken, sie bekommen bessere Kontrolle. Die Fabriken werden zudem von unabhängigen Dritten geprüft, ob Arbeitsstunden eingehalten und Mindestlohn bezahlt wird. Aber eine Garantie gibt es trotzdem nicht.

          Gibt es Marken, bei denen man mit besserem Gewissen einkaufen kann als bei anderen?

          Ja. Bei manchen Marken ist die Sicherheit, dass anständig produziert wurde, deutlich höher.

          Unser Mann in Asien: Patrick Andrist

          Bei wem konkret darf man sich nicht so sicher fühlen?

          Na ja, eine Jeans für 9,99 Euro kommt mir zu billig vor. In einigen Produktionsstätten der Firma Kik, die ich gesehen habe, herrschten keine guten Arbeitsbedingungen.

          Ist das nicht trotzdem ein großer Mythos, dass teuer gut ist und billig schlecht für die Arbeiter und die Umwelt?

          Im Prinzip haben Sie recht. Sie können günstige Ware bei vernünftigen Arbeitsbedingungen anbieten. Und teure Ware ist keine Garantie für gute Arbeitsbedingungen.

          Wie gehen Sie vor, wenn Sie Hosen für Mustang oder Peek & Cloppenburg besorgen müssen?

          Wir suchen Fabriken aus, sprechen mit dem Management und sehen uns die Produktion an. Da erkennt man schon eine Menge. Dann lassen wir uns Muster herstellen und verhandeln über die Preise.

          Kann es nicht sein, dass man Ihnen eine schöne Fabrik präsentiert, die Ware aber in Wahrheit ganz woanders von Subkontraktoren gefertigt wird, wo es hundsmiserabel zugehen kann?

          Das Phänomen gibt es natürlich. Es ist sogar sehr üblich in Fernost. Wir sind aber mit unseren Leuten in der Fabrik und kontrollieren das. Wir suchen unsere Partner sorgfältig aus. Wir zahlen gut und sind an langfristiger Partnerschaft interessiert. Dafür wollen wir gute Qualität und sind komplett intolerant, wenn die Ware von Subunternehmern kommt.

          In welchen asiatischen Ländern sind denn die Arbeitsbedingungen am schlechtesten und in welchen am besten?

          Das kann man so pauschal gar nicht beantworten: Sie haben in Bangladesch phantastische Fabriken und sie haben schlechte. Aber Bangladesch ist das Land, das die meisten Fortschritte gemacht hat seit dem Unglück von Rana Plaza.

          Vor gut einem Jahr kamen mehr als 1000 Menschen um, als eine Textilfabrik zusammenbrach.

          Ja, das war tragisch. Doch viele Fabrikanten registrieren, dass sie sich umstellen müssen, um im Geschäft zu bleiben. Da erkenne ich doch einen großen Umschwung zum Positiven.

          Gibt es die Gefahr, dass wegen verschärfter Arbeitsbedingungen nun die Textilproduktion in andere Länder abwandert, die weniger streng sind?

          Was wir sehen, ist, dass in den letzten Jahren die Produktion von Hosen, T-Shirts oder anderen weniger komplizierten Textilien von China nach Bangladesch gegangen ist und zuletzt zunehmend nach Kambodscha. Für Jacken dagegen bleibt China wichtigster Produzent. Die Karawane zieht weiter. Sozialstandards sind da nur ein Faktor.

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