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Einigung mit Klägern : Bayer schließt milliardenteuren Glyphosat-Vergleich

Das Bayer-Kreuz im Werk des Konzerns in Wuppertal. Bild: dpa

Der Bayer-Konzern hat sich mit amerikanischen Klägern im Streit um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat geeinigt. Die Einigung wird mehr als zehn Milliarden Dollar kosten. Und Tausende von Fällen bleiben noch offen.

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          Der Bayer-Konzern hat in den Rechtsstreitigkeiten um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat einen umfassenden Vergleich geschlossen: Wie der Pharma- und Agrarchemiekonzern am Mittwochabend mitteilte, wird er insgesamt bis zu 9,6 Milliarden Dollar zahlen. Dazu kommen 1,25 Milliarden Dollar, die für etwaige künftige Kläger bereitgestellt werden. Das Abkommen ist ein Durchbruch für den Dax-Konzern, schafft allerdings noch nicht alle Klagen aus der Welt. Es verbleiben noch immer 30.000 Fälle, in denen sich die Anwälte noch nicht auf eine Einigung einlassen wollten. Bayer teilte mit, dass das Abkommen gut drei Viertel aller Glyphosatverfahren zum Abschluss bringen würde und sprach von insgesamt 125.000 eingereichten und noch nicht eingereichten Klagen. Zuletzt hatte das Unternehmen mitgeteilt, Klagen von etwas mehr als 50.000 Klägern vorliegen zu haben. 

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der Vergleich sei für Bayer „der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt, um eine lange Periode der Unsicherheit zu einem Ende zu bringen“, sagte der Bayer-Vorstandsvorsitzende Werner Baumann. „Er legt die meisten aktuellen Klagen bei und etabliert einen klaren Mechanismus, um die Risiken möglicher künftiger Verfahren zu adressieren. Und er ist wirtschaftlich sinnvoll – verglichen mit den erheblichen finanziellen Risiken eines fortgesetzten langjährigen Rechtsstreits sowie den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf unsere Reputation und unser Geschäft.“

          Corona-Krise als zusätzlicher Anreiz

          Der Anwalt Kenneth Feinberg, der als Schlichter in den Glyphosat-Fällen fungiert, sagte zur F.A.Z., aus seiner Erfahrung heraus würden auch die noch offenen Fälle innerhalb weniger Monate in einen Vergleich münden. Die jetzt erzielte Einigung werde viele Kläger dazu bewegen, ebenfalls ein Abkommen anzustreben. Zudem sorge die Corona-Krise dafür, dass die noch ausstehenden Kläger nicht so schnell auf ein Gerichtsverfahren hoffen könnten, was ein zusätzlicher Anreiz für eine gütliche Lösung sei. 

          Glyphosat gehört seit der Übernahme des amerikanischen Monsanto-Konzerns 2018 zu Bayer. Die Kläger machen das Herbizid für ihre Krebserkrankungen verantwortlich. Bayer bestreitet, dass Glyphosat Krebs verursacht, aber der Druck auf das Unternehmen, sich mit den Klägern zu einigen, hat sich erhöht, weil es drei Prozesse verloren hat. Den Klägern wurden dabei hohe Schadenersatzsummen zugesprochen, in einem Fall waren es zunächst sogar mehr als zwei Milliarden Dollar. Diese Beträge sind zwar später reduziert worden, aber sie lagen noch immer in allen drei Fällen im dreistelligen Millionenbereich. In den drei verlorenen Rechtsstreitigkeiten hat Bayer Berufung eingelegt, und diese Berufungsverfahren sollen trotz des jetzt geschlossenen Vergleichs weitergehen. 

          Der jetzt vereinbarte Vergleich wird wohl in sehr unterschiedlichen Zahlungen an die Kläger resultieren, nach Einschätzung von Feinberg dürfte die Spanne zwischen 5000 und 175.000 Dollar liegen. In einigen Fällen könne es aber auch sein, dass ein Kläger nichts bekomme. Die zweite Komponente des Vergleichs, für die Bayer 1,25 Milliarden Dollar bereitstellt, bezieht sich auf mehrere tausend Personen, die Glyphosat benutzen, aber bislang nicht an Krebs erkrankt sind. Im Zusammenhang damit stimmt Bayer im Rahmen des Vergleichs zu, ein fünfköpfiges Wissenschaftsgremium einzurichten, dass sich mit der Frage befassen soll, ob Glyphosat Krebs verursacht oder nicht. Das Gremium hat vier Jahre Zeit, um zu einem Ergebnis zu kommen.

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