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Einigung mit Betriebsrat : Karstadt entlässt deutlich weniger Mitarbeiter

  • Aktualisiert am

Die Karstadt-Zentrale in Essen Bild: dpa

Mehr als 2700 Mitarbeitern wollte Karstadt kündigen, jetzt soll es 1400 Beschäftigte treffen. Auch die von der Gewerkschaft kritisierten neuen Arbeitsmodelle wird es offenbar nicht geben.

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          Der angeschlagene Warenhauskonzern Karstadt hat einen Durchbruch bei seinem Sanierungsprogramm erzielt. In den Verhandlungen mit dem Gesamtbetriebsrat und der Gewerkschaft Verdi über einen Interessenausgleich und einen Sozialplan sei ein Kompromiss erzielt worden, teilte das Unternehmen am Samstagabend mit. Eine konkrete Zahl zum bevorstehenden Stellenabbau nannte ein Karstadt-Sprecher auf Nachfrage jedoch nicht.

          Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende dagegen wurde deutlicher: Statt 2750 Mitarbeiter, wie ursprünglich geplant, würden nun 1400 entlassen. Das sei unter anderem durch Vorruhestandsregelungen und Altersteilzeit möglich geworden, sagte Hellmut Patzelt.

          Karstadt beschränkte sich darauf mitzuteilen, dass nach harten und intensiven Verhandlungen mit Unterstützung einer Einigungsstelle ein Kompromiss mit Gesamtbetriebsrat und Verdi gelungen sei. Das Unternehmen sei damit bei seinen Sanierungsbemühungen einen entscheidenden Schritt weiter gekommen und liege hundertprozentig im Zeitplan.

          Entlassene Mitarbeiter sollen qualifiziert werden

          Konzernführung und Arbeitnehmer hätten sich darauf verständigt, für die von Kündigungen betroffenen Mitarbeiter eine Transfergesellschaft einzurichten, um diese so gut wie möglich weiterzuqualifizieren, so das Unternehmen weiter. Durch sozialverträgliche Maßnahmen wie Frühverrentungen und die Ausnutzung der natürlichen Fluktuation habe die Zahl der noch zu entlassenden Mitarbeiter aber bereits erheblich gesenkt werden können. Damit werde im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten der Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich gestaltet.

          Auch bei den Plänen des Unternehmens, spezialisierte Serviceteams für die Warenversorgung zu bilden, sei eine Einigung erzielt worden, berichtete der Sprecher. Karstadt setze hier auf Freiwilligkeit und Fluktuation. Die Gewerkschaft hatte diese Pläne wegen möglicher Lohneinbußen für die Beschäftigten stark kritisiert.

          Änderungskündigungen und Abgruppierungen werde es dagegen nicht geben, betonte das Unternehmen.

          Weihnachtsgeschäft unter den Erwartungen

          Der neue Karstadt-Chef Stephan Fanderl hatte bereits kurz nach der Übernahme der Warenhauskette durch den österreichischen Immobilieninvestor René Benko angekündigt, das angeschlagenen Unternehmen mit harter Hand sanieren zu wollen. Bereits im Oktober hatte Fanderl für dieses Jahr die Schließung von sechs Filialen angekündigt. Betroffen sind zwei klassische Warenhäuser in Hamburg-Billstedt und Stuttgart, die Filialen der auf junge Mode spezialisierten Kette „K-Town“ in Köln und Göttingen sowie die Schnäppchenmärkte des Konzerns in Paderborn und Frankfurt/Oder. Außerdem sollen in den Filialen und in der Essener Zentrale zahlreiche Stellen abgebaut werden.

          Denn auch nach dem Einstieg Benkos kämpft die Warenhauskette weiterhin mit sinkenden Umsätzen. Im wichtigen Weihnachtsgeschäft blieben die Verkäufe deutlich unter dem Vorjahresniveau. Finanzvorstand Miguel Müllenbach hatte deshalb in einem Mitarbeiterbrief Anfang Januar bekräftigt: „Es besteht kein Zweifel daran, dass einschneidende personelle Veränderungen unausweichlich sind.“

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