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Einigung im Tarifstreit bei Lufthansa : „Der Streik wird beendet“

  • Aktualisiert am

Bild: reuters

Verdi und die Lufthansa haben ihren Tarifstreit beigelegt. Die Gehälter des Boden- und Kabinenpersonals sollen rückwirkend zum 1. Juli um 5,1 Prozent steigen, zum 1. Juli 2009 kommen weitere 2,3 hinzu. Die Gewerkschaft der Kabinenmitarbeiter will den Kompromiss nicht annehmen.

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          Nach tagelangem Streik haben die Lufthansa und die Gewerkschaft Verdi am Freitag einen Durchbruch in ihrem Tarifstreit erzeilt. Die Lufthansa teilte mit, der Konzern werde die Gehälter des Bodenpersonals rückwirkend zum 1. Juli um 5,1 Prozent erhöhen, ab 1. Juli 2009 sollten sie um weitere 2,3 Prozent steigen, hinzu komme eine Einmalzahlung und eine ergebnisabhängige Komponente. Der Tarifvertrag habe eine Laufzeit von 21 Monaten bis Ende Februar 2010.

          Auf die Kabinenmitarbeiter kann Lufthansa das Ergebnis nicht übertragen. Die Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) hat den Tarifkompromiss für die Beschäftigten in der Kabine als „völlig untragbar“ bezeichnet. „Wir werden eine entsprechende Vereinbarung nicht unterzeichnen“, sagte Joachim Müller, Leiter Tarifpolitik und Recht, am Freitag auf Anfrage. Damit werde es dann auch keinen gültigen Tarifvertrag für die Kabinenbeschäftigten geben.

          Die Lufthansa hatte für das Kabinenpersonal einen Abschluss im gleichen Volumen mit „kabinenspezifischer Ausgestaltung“ vorgesehen. „Wir unterliegen dem Gebot der Tarifeinheitlichkeit für all unsere Mitarbeiter.“ Das Kabinenpersonal erhalte deswegen bis zu einer Einigung zwischen Konzern und beiden Gewerkschaften nur die Einmalzahlung von bis zu 2,4 Prozent. Der Tarifvertrag mit UFO läuft erst zum Jahresende aus. Bei der Fachgewerkschaft herrscht bis zum 31. Dezember noch Friedenspflicht.

          Take-off in Tegel: Die Lufthansa kann wieder fliegen

          Streik endet am Samstag mit der Frühschicht

          „Der Streik wird beendet“, sagte Lufthansa-Personalvorstand Stefan Lauer. Der Flugbetrieb werde sich aber erst nach einiger Zeit normalisieren. Der Arbeitskampf von rund 5000 Mitarbeitern soll an diesem Samstag mit der Frühschicht ausgesetzt werden. Vereinzelt würden Mitarbeiter aber auch schon früher wieder die Arbeit aufnehmen. „Wir werden jetzt alle Anstrengungen unternehmen, die erforderlich sind, um unseren Flugbetrieb zügig wieder in der gewohnten Zuverlässigkeit und Qualität unseren Kunden anzubieten.“ Nach Lauers Worten dauert es ein bis zwei Wochen, bis von den Folgen nichts mehr zu spüren ist. Auch am Freitag, dem fünften Tag des Arbeitskampfes, sollten rund 130 Flüge ausfallen, darunter 30 Langstreckenverbindungen.

          „Kein Abschluss im schmerzfreien Bereich“

          Die Lohnerhöhung hat laut Lufthansa ein Volumen von 4,2 Prozent im Jahr und gilt für 34.000 Mitarbeiter am Boden. „Es ist kein Abschluss im schmerzfreien Bereich“, sagte Lauer weiter. Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott hingegen sagte: „Wir konnten ein Ergebnis erreichen, dass sich sehen lassen kann.“ Der Streik von rund 5000 Mitarbeitern soll an diesem Samstag mit der Frühschicht ausgesetzt werden. Vereinzelt würden Mitarbeiter aber auch schon früher wieder die Arbeit aufnehmen. Lufthansa hatte aber bereits angekündigt, dass die Einschränkungen im Flugbetrieb auch nach dem Ende des Streiks noch eine zeitlang anhalten würden.

          Die Einigung sei nur mit Blick auf die lange Laufzeit und der ergebnisbezogenen Einmalzahlungen vertretbar. Die höheren Kosten müssten über eine bessere Produktivität aufgefangen werden. Verdi will seine Mitglieder in einer Urabstimmung über das Ergebnis entscheiden lassen. Sie soll am Mittwoch beginnen und übernächste Woche am Dienstag beendet sein.

          Alles offen bei Eurowings und CityLine

          Weiterhin ungelöst ist der Tarifkonflikt bei den Piloten der Lufthansa-Töchter Eurowings und CityLine. Hier sind nach zwei 24- und 36-Stunden-Streiks weitere Arbeitskämpfe möglich. Nach Angaben von Lauer beurteilt die Vereinigung Cockpit, die unabhängig von Verdi Tarifverhandlungen für die Piloten führt, derzeit das jüngste Lufthansa-Angebot.

          Informationen zum Sonderflugplan

          Da die Lufthansa die Streikfolgen nicht sofort bewältigen kann - so können beispielsweise zahlreiche Flugzeuge nicht eingesetzt werden, da sie nicht gewartet wurden - gilt der am Donnerstag in Kraft gesetzte Sonderflugplan bis einschließlich Montag weiter. Im Laufe der kommenden Tage will die Lufthansa ermitteln, wie es danach weiter geht.

          Fluggäste können sich weiterhin über die Änderungen unter lufthansa.com informieren. Außerdem steht die Hotline 0800-8506070 zur Verfügung. Um den Status einer Buchung abzufragen, können Reisende zudem unabhängig von Streik oder Fluggesellschaft die Seite checkmytrip.com aufrufen.

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