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Eine neue Großbank entsteht : Das Zittern der Banker

Bild: F.A.Z.

Der Tag nach der größten Bankübernahme in Deutschland seit zehn Jahren schwankt zwischen Hoffnung und Bangen. Commerzbank-Chef Martin Blessing beschwört die gemeinsame Zukunft, in den Filialen der Dresdner Bank sind Mitarbeiter und Kunden verunsichert.

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          Montagmittag vor einer Filiale der Dresdner Bank in der Frankfurter Innenstadt. Die Frau mit dem Überweisungsformular in der Hand hat kein gutes Gefühl: „Das ist für mich schon ein Grund, zu überlegen, ob ich nicht die Bank wechsle“, sagt die Kundin der Dresdner Bank. Seit 30 Jahren hat sie ihr Konto dort. Heute morgen stand in der Zeitung, dass ihr Kreditinstitut demnächst Commerzbank heißen soll. Die Dresdner Bank wird übernommen. So wie sie redet mancher, der hier in der Mittagspause den Eingang der Filiale ansteuert, um kurz seine Bankgeschäfte zu erledigen. „Man ist ja schon ab und zu unzufrieden mit seiner Bank, aber dann wechselt man doch nicht“, sagt eine junge Frau. „Jetzt vielleicht schon.“

          Marcus Theurer
          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
          Holger Appel
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Die Filiale der Dresdner Bank liegt im Herzen der Stadt. Direkt auf der anderen Seite der Fußgängerzone, Ecke Opernplatz, leuchtet gelb das Logo der Commerzbank. Vor einer halben Stunde hat deren Vorstandssprecher Martin Blessing gesagt, eine von beiden Filialen sei in Zukunft überflüssig. Blessing hatte auf der Pressekonferenz am Morgen, auf der die größte Bankenfusion in Deutschland seit zehn Jahren der Öffentlichkeit vorgestellt wurde, nach einem plastischen Beispiel gesucht. Er wollte deutlich machen, was er mit „Überschneidungen im Filialnetz“ meint. Da fiel ihm der Opernplatz ein, der gleich ums Eck der Commerzbank-Zentrale liegt „Keine andere deutsche Bank wird ihren Kunden so nah sein wie wir“, sagt der 45 Jahre alte Bankmanager und meint damit, dass die Commerzbank mit der Dresdner Bank zusammen in Zukunft das dichteste Filialnetz aller privater Großbanken haben werde. Aber so dicht wie am Opernplatz muss es dann doch nicht sein.

          Sorge um den Arbeitsplatz

          In vielen Zweigstellen der beiden Geldhäuser kriecht an diesem Montag die Sorge um den Arbeitsplatz. 9000 Stellen sollen in beiden Banken wegfallen. „Lassen Sie mich in Ruhe, ich muss mich auf meine Arbeit konzentrieren“, blockt die Frau hinter dem Bankschalter einer anderen Filiale der Dresdner Bank in Frankfurt ab, um mit leiser Stimme hinzuzufügen: „Es geht ja nicht um Ihren Arbeitsplatz“. Einzelheiten kennt bisher niemand. Die neue größere Commerzbank wolle nicht an Mitarbeitern sparen, die direkt im Kundenservice arbeiten, sagt Blessing. Aber wer weiß schon, was kommt.

          „Überschneidungen im Filialnetz”
          „Überschneidungen im Filialnetz” : Bild: dpa

          Herbert Walter muss sich um seinen Arbeitsplatz vorerst keine Sorgen mehr machen. „Ich freue mich, dass ich heute hier sein kann“, sagt der bisherige Vorstandschef der Dresdner Bank auf der Pressekonferenz und das ist mehr als nur eine Floskel. Walter lächelt kurz. Er darf mit auf das Podium an diesem Montagmorgen. Er ist der einzige unter den acht Vorständen der Dresdner Bank, der es in die Führungsriege der Commerzbank geschafft hat. Chief Marketing Officer soll er werden, Vertriebsvorstand also. Deshalb sitzt Walter jetzt hier oben im Scheinwerferlicht neben Michael Diekmann, dem Vorstandsvorsitzenden der Allianz, der die Dresdner Bank bisher gehört. Es ist noch nicht einmal zwölf Stunden her, dass der Versicherer den Verkauf bekanntgegeben hat.

          Vorstand der Dresdner soll aufbegehrt haben

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