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Ein Modehaus am Scheideweg : Strenesse sucht den Glanz früherer Tage

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Stellen werden gestrichen

Dafür wird er nicht nur finanzielles Geschick unter Beweis stellen müssen, sondern auch sein Können als Unternehmer. Und eine gewisse Härte. Er will sämtliche Prozesse überprüfen, vom Einkauf bis zur Produktion. In Nördlingen, so sagen Beobachter, sind die Strukturen noch immer viel zu groß und zu komplex. Zugleich muss der Jungunternehmer die 16 eigenen Läden im Inland auf den Prüfstand stellen und unrentable Standorte entweder auffrischen oder schließen. Strehle verhandelt schon mit dem Betriebsrat, von den insgesamt 320 Arbeitsplätzen des Unternehmens werden wohl 10 bis 20 Prozent wegfallen.

Zugleich will er weitere Läden eröffnen, und zwar möglichst auch im Ausland. Aber alles erst nach der Gläubigerversammlung. Doch die eigentlich entscheidende Frage ist: Kann er die Modemarke Strenesse wieder zu altem Glanz bringen? Nicht zuletzt der Streit zwischen Gerd und Gabriele Strehle hat das Unternehmen schwer belastet und die einst strahlende Marke hat seit einigen Jahren beträchtlich verloren. Strehle, der zwischendurch sieben Jahre lang Erfahrungen bei der Mercedes-Benz-Accessoires GmbH gesammelt hat, sieht erhebliche Fehler des früheren Managements „Die Kollektionen sind nicht nur älter, sondern im Vergleich mit anderen Marken auch immer austauschbarer geworden. Die Marke war zuletzt zu sehr auf den deutschsprachigen Raum ausgerichtet und hat zu wenig auf Internationalisierung gesetzt“, sagt er.

Glanzzeiten sind lange her

Das war zu den Glanzzeiten Ende der neunziger Jahre noch anders. Damals gab es noch die großen modischen Aufschläge von Strenesse etwa in Mailand. Das Modehaus aus der beschaulichen bayerischen Kreisstadt wagte auch den großen Sprung über den Atlantik, zog sich nach den Terroranschlägen von New York und den nachfolgenden Krisen dort aber wieder zurück. Auch mit der Mehrmarkenstrategie, dem viel zu teuren Aufbau der Herrenlinie und der inzwischen aufgegebenen Zweitlinie Strenesse Blue, war der typische Charakter der Marke verlorengegangen, blickt Strehle zurück.

Und die Ausstattung der Fußball-Nationalelf hatte seinerzeit zwar einen guten Werbeeffekt – man erinnere sich an den berühmten blauen Pullover von Bundestrainer Joachim Löw. „Aber die Marke Strenesse ist nicht Fußball, sie kommt aus der Kunst-, der Architektur oder der Theaterwelt“, rückt er den Markenkern zurecht. Immerhin: Auf rund 400 Stücke – von zuvor 600 – wurde die Kollektion schon verkleinert und es könnten noch weniger werden. Mit der neuen Kreativdirektorin Natalie Acatrini, laut Strehle „der einzig legitimen Nachfolgerin von Gabriele“, soll Strenesse nun zu alter Strahlkraft zurückfinden. Die erfahrene Designerin mit Stationen bei Jil Sander, Escada oder Hugo Boss hat die inzwischen auf den Verkaufsflächen angekommene Frühjahrs- und Sommerkollektion gestaltet. Die alte DNA der Marke in die Neuzeit zu transportieren sei die große Aufgabe gewesen. Die Kollektion sei jünger geworden, lege aber zugleich wieder einen größeren Wert auf Business-Kleidung für die anspruchsvolle Frau. „Nahe am Zeitgeist, aber keine Avantgarde“ beschreibt Strehle die Vorgabe.

Wende braucht drei erfolgreiche Saisons

Hoffnungen schöpft er aus den ersten Erfolgen der neuen Kollektion. Damit will er wohl auch in der nächsten Woche bei den Anleihegläubigern punkten. Nach Jahren des Schrumpfens habe der Absatz spürbar angezogen, es zeichne sich ein Plus zwischen 10 und 15 Prozent ab. Aber für eine echte Wende braucht Strenesse wenigstens drei erfolgreiche Saisons. Im Geschäftsjahr 2012/13 (31. Mai) hat die Gruppe bei einem Umsatz von rund 60 Millionen Euro einen operativen Verlust von rund 0,3 Millionen Euro gemacht. Das laufende Jahr, dessen Zahlen er vor der Gläubigerversammlung nicht nennen will, wird – auch wegen der Straffung der Sortimente – nochmals einen Umsatzrückgang und ein abermals negatives Ergebnis bringen. 2014/15 soll das Ergebnis zumindest vor allen Sonderfaktoren (Ebitda) wieder positiv sein. Falls Luca Strehle dafür die Zeit bekommt.

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