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General Motors und Nikola : Ein Bündnis gegen Tesla

Wasserstoff-LKW „Nikola One“ Bild: Nikola Corp

Der Autokonzern GM kooperiert mit dem Lastwagen-Spezialisten Nikola – auf Feldern, die auch Tesla besetzen will. Die Aktie des Elektroautopioniers hat gerade in den vergangenen Tagen deutlich an Wert verloren.

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          Die Produktpalette von Tesla beschränkt sich bislang noch auf Limousinen und sportliche Geländewagen. Aber der Elektroauto-Hersteller will künftig auch größere Fahrzeuge bauen. Er arbeitet an einem Pick-up-Transporter, dem er den futuristischen Namen „Cybertruck“ gegeben hat, und einem Lastwagen, der im nächsten Jahr herauskommen soll.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In diesen Segmenten sieht er sich künftig einem Bündnis von zwei amerikanischen Wettbewerbern gegenüber. Am Dienstag kündigten der Autokonzern General Motors (GM) und der Lastwagenspezialist Nikola eine weitreichende Partnerschaft an. Demnach wird GM den kommenden Pick-up von Nikola entwickeln und fertigen und außerdem Brennstoffzellen für Nikolas Lastwagen liefern. GM wird im Zuge der Kooperation außerdem einen Anteil von 11 Prozent an Nikola übernehmen.

          Tesla für Lastwagen

          Der geplante Pakt sorgte an der Börse am Dienstag für viel Bewegung: Der Aktienkurs von Nikola legte um mehr als 40 Prozent zu, GM lag 8 Prozent im Plus. In jüngster Zeit hat vor allem Tesla die Wall Street euphorisiert. Der Kurs des Elektroauto-Herstellers hat sich in diesem Jahr mehr als verfünffacht, wenngleich es in den vergangenen Tagen wieder abwärtsging. Am Dienstag verlor die Tesla-Aktie 21 Prozent an Wert. Tesla wird aber noch mit rund 325 Milliarden Dollar bewertet und ist damit der teuerste Autohersteller der Welt. GM kommt dagegen nur auf rund 45 Milliarden Dollar.

          Tesla

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          Nikola wird oft als Tesla für Lastwagen beschrieben. Die beiden Unternehmen haben allein schon in ihrem Namen eine Verbindung, sie lehnen sich damit beide an den Erfinder Nikola Tesla an, der für Errungenschaften auf dem Gebiet der Elektrizität bekannt ist. Nikola kam im Juni an die Börse und wird mit knapp 17 Milliarden Dollar bewertet, ohne bislang ein marktreifes Produkt oder nennenswerte Umsätze zu haben. Die Lastwagen und Pick-ups, an denen das Unternehmen arbeitet, sollen in den nächsten Jahren auf den Markt kommen. Gründer und Verwaltungsratschef Trevor Milton ist ähnlich wie Tesla-Chef Elon Musk für vollmundige Ansagen bekannt. Im Juni sagte er der F.A.Z., sein Unternehmen könne eines Tages größer als Tesla werden.

          Milton setzt mit Nikola den strategischen Schwerpunkt auf Brennstoffzellen, die als Zukunftstechnologie in der Auto- und Nutzfahrzeugbranche gelten, von denen Elon Musk allerdings wenig hält. Fahrzeuge werden dabei von Strom angetrieben, der aus Wasserstoff gewonnen wird. Daneben will Nikola allerdings auch Produkte mit konventionellen Lithium-Ionen-Batterien herausbringen. Die jetzt vereinbarte Partnerschaft soll beide Technologien umfassen.

          GM will Nikolas Pick-up „Badger“ in einer gewöhnlichen elektrischen und einer Brennstoffzellenvariante entwickeln und fertigen. Der Konzern soll außerdem außerhalb Europas der exklusive Lieferant von Brennstoffzellen für Nikola-Lastwagen werden. GM sieht in der Kooperation einen „Meilenstein“ in der Kommerzialisierung seines Batteriesystems „Ultium“ und seiner Brennstoffzellentechnologie „Hydrotec“. Für seine Ultium-Batterien hat der Autohersteller in diesem Jahr schon eine Kooperation mit dem japanischen Wettbewerber Honda geschlossen.

          In der Auto- und Nutzfahrzeugindustrie bilden sich immer mehr Allianzen. Das hat damit zu tun, dass für Elektromobilität und autonomes Fahren hohe Investitionen erforderlich sind. Kooperationen erlauben es, diese Lasten zu verteilen. Volkswagen und Ford haben zum Beispiel im vergangenen Jahr eine Partnerschaft rund um Elektrofahrzeuge und autonomes Fahren geschlossen.

          Nikola kooperiert schon eng mit dem Nutzfahrzeughersteller Iveco und will in dessen deutschem Werk in Ulm seine ersten Lastwagen fertigen. Daneben arbeitet das Unternehmen auch mit den deutschen Zulieferern Bosch und Mahle. In der Fertigung kommen jedoch nicht nur Partner zum Zuge. Kürzlich wurde der Grundstein für das erste Laster-Werk im amerikanischen Bundesstaat Arizona gelegt. Seinen „Badger“-Transporter will Nikola jedoch nicht selbst produzieren.

          Von der Allianz mit GM erhofft sich Nikola in den nächsten zehn Jahren Einsparungen von 4 Milliarden Dollar für Batterien und von einer weiteren Milliarde Dollar an Entwicklungskosten. GM beziffert den finanziellen Nutzen der Kooperation auf 4 Milliarden Dollar.

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