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Ein Besuch auf der Villa Hügel : Die fiktiven und die realen Krupps

  • -Aktualisiert am

Krupps im Fernsehen: In Teil 1 des ZDF-Dreiteilers „Krupp - Eine deutsche Familie” empfängt Heino Ferch (r.) als jüngerer Gustav von Bohlen und Halbach Michael Schenk als Kaiser Wilhelm auf der Villa Hügel. Bild: ZDF/Stephanie Kulbach

Keine andere deutsche Wirtschaftsdynastie hat im 19. und 20. Jahrhundert so viel Aufsehen erregt wie die fünf Generationen lang vom Inhaber geführte Firma Fried. Krupp. In dieser Woche beschäftigt sich ein ZDF-Dreiteiler mit diesem deutschen Mythos. Umso mehr lohnt derzeit ein Besuch auf der Villa Hügel in Essen, dem Stammsitz der Familie.

          Im Ruhrgebiet kommt es vor, dass ein Vater mit seinem Sohn einen Ausflug zum Beispiel von Dortmund nach Essen unternimmt, um sich auf den Weg in die Villa Hügel zu machen. Dafür gibt es viele Gründe, der Stammsitz der Unternehmerfamilie Krupp beherbergt regelmäßig Kunstausstellungen höchster Qualität. Es lohnt sich aber auch, außerhalb der Ausstellungszeiten mit der S-Bahn zur Station "Hügel" zu fahren und zur Villa hinaufzugehen. Dann sind die historischen Wohnräume zu besichtigen, der Park und die historische Ausstellung Krupp. Wer dann mit seinem Vater über die knarzenden Holzfußböden geht, durch die ehrfurchtgebietenden düsteren Hallen spaziert - und dabei auf den Gemälden und Fotos in die gestrengen Gesichter der Väter und Mütter der Krupps und Bohlen und Halbachs blickt, ist glücklich: Darüber, dass seine moderne Erziehung nicht davor haltmacht, auch einmal in den Arm genommen zu werden. Die Bilanz eines solchen Besuchs gräbt sich tief in die Erinnerung. Die Villa hat 269 Zimmer, viel Platz, aber nicht für menschliche Wärme.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          "Du darfst keine Fehler machen, musst immer der Stärkste sein. Das bist du dem Namen Krupp schuldig", bedrängte denn auch Bertha Krupp von Bohlen und Halbach ihren erstgeborenen Sohn Alfried am Sonntagabend im Fernsehen. Der echte Alfried Krupp von Bohlen und Halbach wird 1948 - 30 Jahre nach dieser Szene - in der Haftanstalt in Landsberg zur Frage eines amerikanischen Soldaten, wie er ihn anreden solle, antworten: "Nennen Sie mich Krupp, wegen dieses Namens bin ich hier."

          So besagt es zumindest eine Anekdote. Der ZDF-Dreiteiler "Krupp - eine deutsche Familie" befasst sich in dieser Woche mit diesem deutschen Mythos (siehe auch: Die Krupps im ZDF: Marmor, Stahl und Eisen spricht). Aus den Erinnerungen der sterbenden Bertha wird ein - oftmals fiktives - Bild von der bekanntesten und umstrittensten Unternehmerfamilie gezeichnet. Auch wenn sich Fakten und Fiktion im Fernsehen vermischen: Keine andere deutsche Wirtschaftsdynastie hat im 19. und 20. Jahrhundert so viel Aufsehen erregt wie die fünf Generationen lang vom Inhaber geführte Firma Fried. Krupp. Und im Mittelpunkt steht der Stahl.

          Vor zehn Jahren: Arbeiter enthüllen am 17. März 1999 in Düsseldorf das neue Emblem an der Konzernzentrale der Thyssen-Krupp AG. An diesem Tag wurde der Zusammenschluss von Thyssen und Krupp zu einem neuen Stahlgiganten offiziell besiegelt.

          Härte, Durchsetzungsvermögen, Pflichtbewusstsein

          Drei ineinander verschlungenen Ringe werden zum Symbol der 1811 nördlich der Essener Altstadt gegründeten Gussstahlfabrik. Der einer wohlhabenden Händlerfamilie entstammende Namensgeber Friedrich, aber auch Sohn Alfred und Enkelsohn Friedrich Alfred waren Pioniere bei der Entwicklung des zunächst noch jungen Werkstoffs Stahl. Bahnbrechende Erfindungen schaffen die Basis für einen nicht eben stetigen wirtschaftlichen Aufschwung und begründen den Weltruf des Hauses Krupp weit in das 20. Jahrhundert hinein. Zu den zahllosen Innovationen gehören die nahtlos geschmiedeten Eisenbahnradreifen, die Vorlage für die Krupp-Ringe, die erstmals statt aus Bronze aus Stahl gefertigten Geschützrohre oder die nichtrostenden Stähle. Der emotionale Spannungsbogen, der diese Dynastie umgibt, ist schillernd. Die Kennzeichen der Familie sind Härte, Durchsetzungsvermögen, Pflichtbewusstsein. Im Mittelpunkt des Handelns steht die wirtschaftliche Entwicklung der Firma mit einem - anfangs noch aus Eigennutz - starken Pflichtgefühl für deren Arbeiter und Arbeiterinnen. Mit überdurchschnittlichen Löhnen, Werksarbeiterwohnungen und eigenen Kaufläden wurden die Besten ruhig und bei der Stange gehalten, nicht wenige über mehrere Generationen. Alfred prägte Leitsätze wie: "Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein" oder "auf dem Hügel wird nicht politisiert".

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